Keine Kombi hat geklappt

von Redaktion

1860 braucht frischen Offensiv-Schwung

Nur drei Saisontore: Routinier Florian Niederlechner. © Wagner/Imago

München – Sigurd Haugen blickte sich verzweifelt um, suchte vergeblich nach mitgelaufenen Kollegen beim Konter. Es lief die zweite Halbzeit in Verl, die Löwen lagen im letzten Saisonspiel der 3. Liga mit 0:3 hinten. Der Norweger dürfte sich wieder einmal ziemlich alleine im Angriff des TSV 1860 gefühlt haben. Ein Spiegelbild der Saison. 16 Tore konnte Haugen in seiner ersten Spielzeit in Giesing beisteuern, danach kommt lange nichts in der internen Torjägerliste. In 38 Spielen kamen die Löwen gerade einmal auf 54 Tore – nur fünf Teams sind schlechter in dieser Statistik. Zum Vergleich: Selbst Absteiger Havelse schoss drei Treffer mehr.

Kein Wunder, dass Sechzig-Coach Markus Kauczinski längst realisiert hat, dass sich im Sturm etwas verändern muss. Sollte Haugen bei 1860 bleiben, benötigt er Unterstützung im Angriff. „Wir haben es nicht geschafft, neben Siggi (Haugen; Red.) noch jemanden zu finden, der beständig trifft“, gibt Kauczinski zu. Man kann dem 56-Jährigen nicht vorwerfen, nicht alles versucht zu haben: „Ich habe alle Konstellationen im Sturm ausprobiert. Keine Kombination hat geklappt. Die Qualitäten haben insgesamt nicht ausgereicht.“

Gute Ansätze habe der Coach bei seinen Angreifern gesehen, doch das Gesamtpaket überzeugte zu selten. Was meint Kauczinski genau? „Justin (Steinkötter; Red.) ist schnell, kann sprinten, hatte aber bislang nicht die Ruhe vor dem Tor. Er kann seine Chancen besser nutzen. Dann haben wir andere, die wissen, wo das Tor steht, aber nicht in die Abschluss-Situationen reinkommen.“ Doch nicht nur der zentrale Angriff entwickelte zu wenig Torgefahr: „Clemens Lippmann ist in Havelse einer abgerutscht, Tim Danhof und Marvin Rittmüller haben ein Tor geschossen, mehr kam leider nicht“, zieht Kauczinski eine ernüchternde Bilanz.

Einen kompletten Neuanfang im Angriff wird es nicht geben – schon alleine aufgrund der Vertragssituationen in Giesing. Neben Haugen sind auch Steinkötter (ein mageres Törchen), Patrick Hobsch (drittbester Torjäger mit sechs Ligatreffern) und Florian Niederlechner (nur drei Saisontore) alle bis 2027 an den Club gebunden.

Coach Kauczinski blickt der Realität ins Auge: „Spieler abzugeben, sagt sich immer so leicht. Das ist – genauso wie Spieler dazuzuholen – oft mit Kosten verbunden. Man muss Verträge respektieren. Da kann man nicht einfach drüber hinweggehen.“ Gut möglich, dass sich der finale Kader erst weit nach dem Vorbereitungsstart am 28. Juni zusammenfindet: „Wir halten Augen und Ohren offen. Es kann sein, dass sich unsere Aktivitäten dieses Jahr im Transferfenster weiter nach hinten ziehen.“

Das dürfte auch damit zusammenhängen, ob Sechzig den Avancen anderer Clubs um Spieler wie Haugen oder Sean Dulic im Sommer widerstehen kann. Zu möglichen Verkaufskandidaten wollte sich Kauczinski nicht äußern, verwies auf Geschäftsführer Manfred Paula: „Da bin ich der falsche Ansprechpartner. Ich weiß nicht, ob wir eine Schmerzgrenze haben.“ Sollte mit Haugen der einzige verlässliche Torschütze wegbrechen, dürften Kauczinskis Offensiv-Kopfschmerzen nicht kleiner werden.MARCO BLANCO UCLES

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