„Mit einem Fuß war Karl in Stuttgart“

von Redaktion

Der Ex-VfBler Fiedler wollte Bayerns Shootingstar gleich zweimal verpflichten – erfolglos

VfB-Insider: Fiedler, zuletzt Magdeburg-Coach. © Gora/dpa

Meister mit 18: Lennart Karl am Sonntag. © Hoppe/dpa

Champions League statt 3. Liga: Fiedler wollte Karl auch nach Magdeburg lotsen – das klappte aber nicht, weil der längst zu Höherem berufen war. © Hoppe/dpa

München – 40 Jahre jung, 15 Jahre Trainer, davon zehn in diversen Nachwuchs-Teams beim VfB: Markus Fiedler ist ein echter Stuttgart-Insider. Im Interview spricht der Mann, der sich in Hoffenheim einst die Trainerumkleide mit Julian Nagelsmann teilte und zuletzt Magdeburg coachte, über das Pokalfinale – und Lennart Karl.

Herr Fiedler, der VfB Stuttgart hat in der laufenden Saison schon dreimal gegen Bayern verloren. Gibt es trotzdem einen Funken Optimismus?

Ja, weil in einem Finalspiel eine andere Charakteristik vorherrscht als im Liga-Alltag. Die Bayern haben zuletzt mit ihrer individuellen Qualität dominiert. Aber trotzdem darf die Stuttgarter Saison auch optimistisch stimmen – und die bisherigen Spiele gegen Bayern machen den VfB maximal wachsam. Außerdem hat man einer Vielzahl veranlagter Mannschaften erhebliche Probleme bereitet. Es ist ein Spiel, es sind 90 Minuten, es ist ein Finale! Mit der richtigen Entwicklung kann alles passieren.

Stuttgart kann Pokal – ist sogar Titelverteidiger. Ist das ein Faktor?

Nein, das glaube ich nicht. Bayern ist Rekord-Pokalsieger, auch wenn sie lange nicht im Endspiel standen. Das war in diesem Jahr überfällig. Der Hunger und die Gier sind nach sechs Jahren ohne Pokalsieg groß. Stuttgart muss sich dagegenstemmen.

Unter Sebastian Hoeneß wirkt es, als sei das möglich. Sie kennen ihn gut: Wie ist er als Mensch und Kollege?

Super (lacht). Ich bin auch heute noch froh über jeden Input von Basti. Er ist demütig, nahbar, authentisch, einfach ein guter Typ! Ich hoffe, dass der VfB noch viele Jahre das Glück hat, ihn als Cheftrainer in seinen Reihen zu wissen. Es spricht für ihn und seinen Charakter, dass er den Abflug nicht bei der ersten guten Anfrage gemacht hat. Weil er weiß, was er am VfB hat und spürt, dass der Weg noch nicht vorbei ist.

Die logische Frage: Ist er einer für Bayern?

Für mich ganz sicher. Am Ende ist es der Anspruch des FC Bayern, den besten deutschen Trainer auf seiner Bank zu wissen. Sebastian Hoeneß ist auf jeden Fall einer von diesen.

Aktuell ist man glücklich mit Vincent Kompany. Ein Förderer der Jugend – das dürfte auch Ihnen gefallen, oder?

In der Tat (schmunzelt). Die Belastung der Spieler bei Bayern ist enorm, der Kader nicht groß – und so ist gepaart mit der Überlegenheit in der Liga das eine zum anderen gekommen. Und wenn man dann sieht, welch überragende Leistungen Lennart Karl schon in der Hinrunde gebracht hat, dann muss man sagen: Die Jungs haben ihre Bühne optimal genutzt.

Wirft der Campus nun endlich genug ab?

Der FC Bayern hat unglaubliche Talente in seinen Reihen. Das gesamte Investment um den Campus und um die Nachwuchsspieler ist enorm. Junge Spieler brauchen eine Plattform. Sie brauchen eine faire Chance! Die haben sie nun, durch die Tür aber mussten sie alleine gehen. Der FC Bayern ist da Vorbild, auch für den VfB, wie es funktionieren kann.

Bestes Beispiel: Lennart Karl!

Auf vielen Ebenen. Denn auch das ist Bayern-Philosophie: Er ist ja nicht komplett in München ausgebildet, da wurden auch in Frankfurt schon wichtige Grundlagen gelegt. Sein Weg ist einmalig. Wir hoffen ja alle, dass er so weitergeht – vielleicht schon in diesem Sommer bei der WM. Ich schaue ihm gerne zu, schon immer. Auch wenn ich ihn lieber selbst gehabt hätte: Mit einem Fuß war er nämlich schon in meinem U17-Team beim VfB Stuttgart.

Erzählen Sie!

Er war in Aschaffenburg, es gab gute Gespräche, aber er hat sich dann für den FC Bayern entschieden. Schade (lacht)! Er wäre als C-Jugendlicher direkt in meine U17 integriert worden. Auch die Eltern waren überzeugt davon, dass ein Wechsel nach Stuttgart gut gewesen wäre. Aber der Junge ist von Kindesbeinen FC Bayern-Fan gewesen, hat in Bayern-Bettwäsche geschlafen. Da war es fast unmöglich, ihn emotional zu überzeugen. Trotzdem hatten wir einen guten Riecher. Aber in der Konkurrenz zum FC Bayern zieht man in der Regel den Kürzeren. Allerdings war ich ein zweites Mal an ihm dran…

Bitte?

Letztes Jahr in Magdeburg haben wir uns zu Beginn der Saison mit ihm beschäftigt. Wir wussten alle um seine Veranlagung, dachten vor seinem Bayern-Durchbruch: Eine Leihe wäre eine Option für seine ersten Gehversuche als Profi. Naja… ich würde sagen: Das Thema ist jetzt durch (lacht).

INTERVIEW: HANNA RAIF

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