Bleiben die Umbaupläne für das Grünwalder? © Imago
München – Und wieder steht 1860 vor einem Scherbenhaufen. Nach dem Zwangsabstieg 2017 herrschte damals schnell wieder Aufbruchsstimmung: Rückkehr nach Giesing, dazu ein sportlicher Neustart unter Herzblutlöwe Daniel Bierofka. Und diesmal? Von der Lizenz für die Regionalliga bis zur Stadionfrage ist alles offen. Der Verein wurde, so Präsident Gernot Mang, „kalt erwischt“. Eine erste Bestandsaufnahme.
Wie platzte die Rettung?
Es war ein Wettlauf gegen die Zeit – und am Ende ein Scheitern auf ganzer Linie. „Fakt ist, dass wir komplett überrascht wurden, dass die Darlehen gekündigt wurden“, erklärte Präsident Gernot Mang. Die Budgethoheit innerhalb der KGaA liegt seit 2021 beim Aufsichtsrat, in dem Ismaiks Firma HAM die Mehrheit hält.
Bleibt Ismaik an Bord?
Seine HAM International hält 60 Prozent der Anteile an der KGaA. Ismaik selbst hat nach eigenen Angaben bereits rund 80 Millionen Euro investiert. Seit Sommer 2025 sucht er offen nach einer Exit-Lösung, sprich: nach einem Käufer für seine Anteile. Ein geplanter Verkauf an eine Schweizer Briefkasten-Holding scheiterte im Juli 2025, zuletzt gab es Interesse aus dem Umfeld von Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger. Ein Abschluss ist jedoch nicht in Sicht.
Was bedeutet der Abstieg für den geplanten Stadion-Umbau?
Bürgermeisterin Verena Dietl erklärte, dass der Abstieg „als Löwen-Fan“ schmerzhaft sei und kündigte Gespräche mit dem Verein an, für den sie einst im Verwaltungsrat saß. „Was diese Entwicklung für den Stadionausbau bedeutet“, werde man „vertrauensvoll“ besprechen. Entscheidend wird sein, ob die wirtschaftliche Basis für die Regionalliga stabil bleibt. Präsident Mang zeigt sich gegenüber unserer Zeitung optimistisch, dass die Umbaupläne fürs Grünwalder Stadion nicht gefährdet sind. Am Mittwoch will er bei einer Veranstaltung von Pro1860 im Münchner Schlachthof ausführlich Stellung nehmen (19 Uhr).
Was sagt der BFV?
Laut BFV hat 1860 die Zulassung für die Regionalliga Bayern 2026/27 formal erhalten. Sollten die Löwen die wirtschaftlichen Bedingungen erfüllen, würde die Liga mit 19 statt 18 Vereinen spielen.
Gibt es Zweifel am Start der Löwen in der 4. Liga?
Ja, wirtschaftliche. Der Neustart hängt entscheidend an einer Frage: Leistet Ismaik seinen Anteil? Für die Regionalliga wird mindestens eine Summe von einer Million Euro benötigt – eher mehr. Ohne dieses Geld droht der KGaA im schlimmsten Fall die Insolvenz. Bitter: Hauptsponsor „Die Bayerische“ hat bereits von seinem Sonderkündigungsrecht Gebrauch gemacht. Damit bricht eine zentrale Einnahmequelle weg.
Droht 1860 die Insolvenz?
Im Hintergrund werden nach Informationen unserer Zeitung alle Optionen geprüft. In der offiziellen Mitteilung ist von Beratung durch Insolvenzexperten die Rede – zur „geordneten Fortführung des Geschäftsbetriebs“. Ob es tatsächlich so weit kommt, hängt von neuen Finanzierungszusagen und Sponsoren ab. Noch ist vieles offen – sicher ist nur: Der Druck wächst.ULI KELLNER