Tscharlies zweiter Frühling

von Redaktion

Günther Maria Halmer über seinen neuen Film „Trapps Sommer“ und den Residenztheater-Erfolg als Brandner Kaspar

Charmantes Duo: Günther Maria Halmer und Senita Huskic harmonieren perfekt. Er spielt den knorrigen Professor, sie dessen Pflegekraft. Den Akzent, den sie spricht, hat sie sich mühsam draufgeschafft. Mit der Hilfe ihres Papas. © Hardy Spitz/ARD

An diesem zauberhaften Film ist nur der Sendetermin ärgerlich: Warum läuft Rainer Kaufmanns „Trapps Sommer“ im August, während der Ferien? Heute um 20.15 Uhr statt Biergarten also lieber „Trapps Sommer“. Oder in der ARD Mediathek nachschauen. Günther Maria Halmer (82) gibt darin einen knorrigen ehemaligen Professor, der sich eingestehen muss, dass er daheim nicht mehr so ganz ohne Hilfe auskommt. Er stellt die Pflegekraft Sofia (eine Entdeckung: Senita Huskic) an. Kaufmann gelingt es, über den Anbruch der letzten Phase des Lebens voller Wahrhaftigkeit zu erzählen. Wir sprachen mit seinem Hauptdarsteller, der zeigt, dass man auch mit über 80 mitten im Leben stehen kann. Gerade feiert er etwa in Franz Xaver Kroetz’ Neufassung des „Brandner Kaspar“ am Residenztheater Erfolge (wir berichteten).

Sie sind 82: Sind Sie gelassener als in jungen Jahren?

Ja. Man ist nicht mehr so ehrgeizig. Man weiß, man hat eigentlich alles erledigt. Theater spiele ich jetzt wieder – aus reiner Freude.

In den „Gschichtn vom Brandner Kaspar“: Bezaubernd!

Das ist schön, dass Sie das sagen. Man ist sehr froh, wenn die Premiere gut gelaufen ist und die Leute auch in den Vorstellungen danach happy sind. Beim Film hört man ja kaum Feedback. Beim Theater bekommst du die Rückmeldung sofort.

Bei der Vorstellung, die ich besucht habe, sind die Leute ausgeflippt.

Ja, das tun sie bei jeder Vorstellung. Und ich freue mich außerdem, dass den Boanlkramer mit Florian von Manteuffel jemand spielt, den ich schon als Baby kannte. (Kroetz schreibt den „Boanlkramer“ ohne „d“.) Ich war mit seinem Vater Felix auf der Otto-Falckenberg-Schule. Und jetzt spiele ich mit seinem Sohn. Er ist dem Papa unheimlich ähnlich. Wenn ich so mit ihm spiele, habe ich das Gefühl, das ist der Felix. Ich habe einen gleichen Spaß wie damals mit seinem Vater.

Wie ist das, sich mit der eigenen Endlichkeit auf der Bühne auseinanderzusetzen?

Natürlich weiß man, dass die letzten Jahre kommen. Ich bin dankbar, dass ich noch fit bin. Aber ich weiß auch, dass das Damoklesschwert immer über mir hängt. Angesichts dieses Wissens genießt man vielleicht mehr.

Im Film geht es darum, die letzten Jahre dazu zu nutzen, mit sich ins Reine zu kommen. Kennen Sie das?

Ich habe nie viele Streitigkeiten gehabt, aber mit Helmut Dietl schon. Als ich gehört habe, dass er stirbt, habe ich ihm geschrieben. Er hat sofort geantwortet, wir haben uns getroffen. Haben uns unsere alten Geschichten erzählt, sind wieder junge Burschen geworden. Das war gut so, ich bin im Frieden mit Helmut. Ansonsten gibt es nichts, was ich zu lösen habe.

Ihr Verhältnis zu Ihrem Vater war schwierig. Konnten Sie versöhnlich auseinandergehen?

Wir waren uns völlig fremd. Aber ist okay, ich bin mit ihm in Frieden auseinandergegangen. Als er gestorben ist, war ich da. Als reifer Mensch sieht man vieles anders. Dann weiß man, dass viele nichts dafür können, wie sie sind. Das ist das Schöne im Alter: Man kann leichter verzeihen.

Deshalb ist es schade, dass es im TV selten Filme wie „Trapps Sommer“ gibt, die zeigen, welche positiven Seiten das Alter hat.

Das ist wahr. Deshalb kann ich nicht verstehen, warum sie mit der Ausstrahlung so lange gewartet haben: Das ist natürlich nicht die beste Zeit im August. Vielleicht haben sich die Verantwortlichen nicht getraut, denn das Fernsehen ist ja sehr misstrauisch dem Alter gegenüber. Zu den alten Menschen fällt den Autoren nur ein, dass einer gebrechlich ist oder dement. Ich bekomme mehrheitlich Drehbücher, bei denen ich sagen muss: Den Schmarrn spiele ich nicht. Hätte ich, als ich zwei junge Kinder hatte und die Miete zahlen musste – da macht man das, weil man muss. Auch das ist ein Vorteil des Alters, da kann man mit lockerer Hand sagen: Nein, lehne ich ab. Ganz schön, oder? (Lacht.)

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