Kopenhagen und Malmö: Ab in den Norden

von Redaktion

Das mondäne Kopenhagen versus das bodenständige Malmö: Die beiden Städte am Öresund könnten unterschiedlicher kaum sein – gerade darum lohnt es sich, beide zu besuchen.

Glamour oder Feinrippunterhemd? Marmor oder Kopfsteinpflaster? Smørrebrød oder Köttbullar? Nach der Ankunft in Kopenhagen steht gleich eine Entscheidung an: Direkt weiter ins schwedische Malmö? Oder doch erst mal die dänische Hauptstadt entdecken? Man sollte sich unbedingt beide Städte gönnen.

Ziemlich jung und alt

Erst mal Malmö ist keine schlechte Wahl. Schwedens drittgrößte Stadt mit ihren gut 300.000 Einwohnern ist zwar traditionell eine klassische Arbeiterstadt, gleichzeitig aber sehr jung. Die Hälfte ihrer Einwohner ist unter 35 Jahre alt. Malmö hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten ein Upgrade verpasst. Trotzdem steht zuerst eine Portion Geschichte an. Um den Marktplatz Stortorget aus dem 15. Jahrhundert samt Rathaus und dem benachbarten Lilla Torg liegen jede Menge kopfsteingepflasterte Gassen voller Cafés, aber auch alte Wohnstraßen, die Malmö heimelig wirken lassen. Und ein bisschen dänisch: Bis 1658 gehörte auch diese Seite des Öresunds zu Dänemark.

Den Magen umdrehen

Für ein vielsinniges Erlebnis geht es ins Disgusting Food Museum, das Museum für ekliges Essen. Der Name ist zutreffend: Vom Schlangenschnaps bis zu giftigen Nüssen und tödlichen Pilzen, die irgendwo auf der Welt mit viel Aufwand essbar gemacht werden, von Kugelfisch bis zu Madenkäse ist alles dabei, was den Magen umdreht. Viele der Spezialitäten kann man beschnuppern, wie den vergorenen Hering Surströmming aus Schweden, oder Hákarl, vergammelter Hai aus Island – ein idealer Programmpunkt, wenn man danach an der Restaurantrechnung sparen will.

Malmö goes Öko

Wer das neue Malmö entdecken will, muss ins ehemalige Hafenviertel Västra Hamnen. Einst produzierte Saab hier Autos, baute die Kockums-Werft Schiffe. Dann kam die Krise der 1980er Jahre, und das Areal verfiel. 2001 entschloss sich die Stadt, das Gebiet wiederzubeleben. Seither entstehen hier moderne Niedrigenergiehäuser, Parks und andere Öko-Projekte. Weithin sichtbar ist der Turning Torso des spanischen Architekten Santiago Calatrava. 190 Meter hoch und als Wohnhaus konzipiert. Im Turning Torso – wie überall in Västra Hamnen – basiert die Energieversorgung komplett auf Wind- und Sonnenenergie sowie Biogas, das bei Abfallverarbeitung entsteht.

Ab in die Fluten

Falls die Zeit reicht, lohnt der Spaziergang zum nahe gelegenen Ribersborgsstranden. Hier liegt eine der schönsten Sehenswürdigkeiten Malmös: das hölzerne Kallbadhus. 1898 erbaut, ragt es seither auf Stegen weit ins Meer hinaus und macht seinem Namen Ehre, denn im „Kaltbadehaus“ kann man genau das tun: sich das ganze Jahr über in historischem Ambiente in die kalten Fluten werfen. Vorher heizt man sich in einer der Saunen mit Panoramablick auf.

Vergnügungspark

Dann wird es Zeit für die Reise über den Öresund nach Dänemark. Wer sie am Nachmittag antritt, wird mit einem Sonnenuntergang belohnt und kann sich gleich ins Getümmel des Tivoli stürzen. 1843 eröffnet, ist er einer der ältesten Freizeitparks Europas. Eine quirlige Mischung aus Gartenausstellung, Restaurantmeile, Kirmes-Kakofonie und Juxplatz samt Achterbahnen, die über den Köpfen der Besucher ihre Pirouetten drehen.

Vom Bahnhof aus geht es über Europas erste Fußgängerzone Strøget gen Norden bis zum Nyhavn. Seinen Namen „Neuer Hafen“ verdient er schon seit gut 300 Jahren nicht mehr so richtig – er wurde im 17. Jahrhundert angelegt. Mit seinen bunten Häusern, Segelschiffen und zahllosen Kneipen ist der Nyhavn ein Touristenliebling. Das gilt ebenso für das – nur wenige Gehminuten entfernt gelegene – Schloss Amalienborg, in dem die Königsfamilie wohnt. Wer das leise Kopenhagen entdecken will, sollte sich mal wieder auf Bootstour begeben – raus zu den verlassenen Festungsanlagen von Flakfortet und vorbei an der kleinen Meerjungfrau.

Knipsen unerwünscht

Logisch, dass danach ein Besuch in der verruchten Freistadt Christiania ansteht. Seit 1971 lebt auf dem ehemaligen Militärgelände eine eingeschworene Gemeinschaft, die sich als vom dänischen Staat unabhängig ansieht. Zwischen graffitibedeckten Häusern lebt man alternative Konzepten wie auch offenen Drogenhandel in der Pusher Street.

Eine knappe halbe Stunde Fußweg von Christiania entfernt liegt ein Teil der Kopenhagener Altstadt, dessen höchstes Bauwerk unbedingt auf jeder Sehenswert-Liste stehen sollte: der Rundetårn (runder Turm). Nicht nur seines genialen Ausblicks wegen. Den Charme des Turms aus dem Jahr 1642 entdecken Besucher erst im Inneren. Wie eine Straße windet sich dort der Aufgang nach oben, ganz ohne Stufen. Denn hier war das Observatorium des Astronomen Ole Rømer untergebracht.

Françoise Hauser/dpa

Reise-Infos

Artikel 4 von 11