Im Sauna-Club

von Redaktion

Waldkraiburger Wochenschau

In Kraiburg haben‘s ein Problem mit der Sitzungsdauer – und in Waldkraiburg eines mit der Raumtemperatur. Während die Gemeinderäte nach 22 Uhr mit dem Sekundenschlaf im Amt zu kämpfen haben, sind die Kollegen aus Waldkraiburg schon früh gar. Im Stadtrat war so eingeheizt, dass eine Stunde nach Sitzungsbeginn Frieder Vielsack mit roten Backen fragte, „kommt noch ein Aufguss oder können wir das Fenster aufmachen“. Die Temperatur kam nicht von hitzigen Debatten.

Denn in dieser Sitzung war man sich in Sachen Rathaus-Neubau am Standort einig. Die Abstimmung war gut vorbereitet, im Vorfeld gab es viel Hin und Her. Aber nun wollen alle diesen Weg gehen. Hat es das in dieser Legislaturperiode schon mal gegeben? Für Bürgermeister Robert Pötzsch ist diese wegweisende Entscheidung mit die schönste Entscheidung in den vergangenen fünf Jahren. Zwar ist das nur ein Grundsatzbeschluss und inhaltlich wird es noch viel zu diskutieren geben. Aber immerhin: Der historische Schritt ist getan.

Historisch ist das Ambiente in Kraiburg am Marktplatz, wo gestern der Christkindlmarkt begonnen hat. Bürgermeister Herbert Heiml hatte zuvor – in der Sitzung, noch lange vor dem Sandmännchen – gesagt, dass es ihn tierisch nervt, wie früh die ganzen Weihnachtsmärkte in der Region beginnen. Wie soll da das Kraiburger Angebot am dritten Adventswochenende noch Leute anlocken – wo alle schon Glühwein und Bratwurstsemmel satt haben. Kürzlich habe er den Altöttinger Christkindlmarkt besucht. „Ich dachte, ich bin am Klondike bei den Goldgräbern gelandet“. Da geht es in Kraiburg schon betulicher zu. Und eines versprech ich Ihnen, Herr Bürgermeister. Für jene, die den Weg nach Kraiburg am dritten Adventswochenende nimmer finden – ich trink einfach deren Glühwein zam.

Glühwein und Punsch (spendiert von der Bürgermeisterei) gab es am Donnerstag als Lohn für die vielen Teilnehmer am „Weihnachtslieder selber singen“ mit Ernst Schusser und Eva Bruckner vom Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern im Haus der Kultur. Dabei hatten die Sängerinnen und Sänger diesmal gar nicht das Bedürfnis, sich aufzuwärmen. Weil der Wind so gemein schräg ums Eck gepfiffen hatte, wurde das Singen ins Foyer verlegt. Die Wärme tat Stimmbändern und Stimmung gut. Der Schusser ist ein Typ, der die Menschen begeistert, selbst Weihnachtsgriesgrame wie mich. Weil er gute, selbstironische Geschichten erzählt.

„Jeder Mensch kann singen. Man kann nur nicht jedem zuhören“, sagte er zu mir, der musikalisch total unbegabten Journalistin, die jeden Einsatz verpasst. „Aber mia san ja ned zum Zuhören da, sondern zum Singen“, so Schusser. A bisserl auch, um a Freid zu haben. Denn der Adventszeit-Animateur bringt jeden zum Lachen. Und man lernt – ethnologisch gesehen – was dazu. Das grüne Liederheft ergänzt die Liedtexte mit Hintergrundinfos. Schusser selbst erinnert sich an seine Kindheit, als der Opa den Christbaum mit HB-Zigaretten schmückte. „Jeden Tag hat er eine geraucht – auf dreimal. Und den Rest immer in sein Gilet gesteckt. Mei, hat das gestunken. Und dann ham mia gemeinsam gesungen, sechs Strophen von ,Ihr Kinderlein kommet‘, immer die erste.“ Wer sich das grüne Heft gesichert hat, weiß jetzt, dass das biedermeierliche Krippenlied in Wahrheit nur vier Strophen hat. So ein Schelm, der Schusser.

Beschwingt, beim Heimgehen zur Redaktion, vorbei am Kreisjugendring lese ich auf einem Plakat „Sauna-Party“. Mich reißt‘s und ich denk mir noch, „sauber, da Kreisjugendring. Jetzt aber!“. Beim zweiten Blick steht da „Santa-Party“. Schlecht singen, schlecht hören, schlecht sehen – so san‘s die rasenden Reporter.Andrea Klemm

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