Bad mit6 Stimmen Vorsprung verhindert

von Redaktion

Bürgerentscheid Sehr knappe Mehrheit für Gegner des interkommunalen Projektes

Aschau – Ein Krimi noch vor dem Tatort. Gestern Abend stand gegen 18.45 Uhr das Ergebnis des Bürgerentscheids „Sind Sie gegen den Neubau eines Schwimmbades in interkommunaler Zusammenarbeit durch die Gemeinde Aschau mit der Stadt Waldkraiburg“ fest. 673 Aschauer wollen kein gemeinsames Bad. 667 hätten gerne eines gehabt.

Mit sechs Stimmen Vorsprung ist damit das interkommunale Projekt vom Tisch.

Stimmberechtigt wären 2556 Bürger gewesen. 1343 stimmten ab. Den Weg ins Wahllokal fanden 358 Personen, der Rest nahm die Möglichkeit zur Briefwahl wahr. Drei Stimmen waren ungültig. Die Wahlbeteiligung lag bei 52,5 Prozent.

Gegen 18.30 Uhr fand eine Gruppe von Interessierten den Weg ins Foyer des Wahllokals, der Grundschule, um etwas von der Stimmung mitzubekommen.

Während die abgegeben Wahlscheine gegen 18.30 Uhr in einem der Klassenzimmer ausgezählt waren, dauerte es im Lehrerzimmer etwas länger. Hier wurde die Briefwahl, die den Löwenanteil ausmachte, ausgezählt. Zwischen den Zimmern gab es ein reges Hin- und Hergetippel, bis das Ergebnis fix war. Wahlleiter Matthias Bönisch drückte Bürgermeister Alois Salzeder die Statistik in die Hand. Als er ins Foyer trat, um den Ausgang zu verkünden, sprach sein Gesicht Bände.

Im Gespräch mit der Heimatzeitung sagte er, „ich bin nicht glücklich, dass das gemeinsame Bad an dieser neutralen Stelle, weg vom Wohngebiet und gemeinsam mit der Nachbarstadt abgelehnt wurde. Es hätte ein viel größeres Potenzial als eine Waldbadsanierung – auch, was die Entwicklung betrifft“. Als Demokrat akzeptiere er dieses denkbar knappe Ergebnis, „sechs Stimmen sind sechs Stimmen“. Er hoffe, dass die Gegner und Befürworter – trotz hitziger Diskussion – nun mit dem Ergebnis umgehen und wieder versuchen, gemeinsam vernünftig sich fürs Kommunale einzusetzen. Er bedauerte, dass viel Polemik in die Debatte geraten war.

„Es ist heute so schwierig, neue Projekte umzusetzen. Und es ist so schade, weil es doch erklärter Wille der neuen Landesregierung war, das Interkommunale besonders zu fördern.“ In seinen Augen haben die Gegner des gemeinsamen Bades den Trend der Zeit nicht erkannt, „nämlich, dass man solche Projekte gemeinsam stemmen muss, sonst sind sie nicht machbar. Für die Region wäre es eine deutliche Aufwertung gewesen.“

Die Nachricht vom Wahlausgang erreichte die Initiatoren des Bürgerentscheids gegen das Bad beim Feuerabend am Rathausvorplatz.

Thomas Winterer zeigte sich begeistert über die Wahlbeteiligung. Auch Mitstreiter Martin Höpfinger freute sich. Und natürlich über das Ergebnis. Auch wenn der sehr knappe Vorsprung ein kleiner Wermutstropfen ist. „Ich hätte mir ein eindeutigeres Ergebnis gewünscht. Andererseits: Mehrheit ist Mehrheit“, so Höpfinger.

Robert Münzlochner könne sich nun gut vorstellen, den Erhalt des Waldbades zu unterstützen – oder weiter an der Verwirklichung des Naturbades zu arbeiten. 2016 habe es die Bürgerbefragung gezeigt, dass die Aschauer ein Naturbad im Ort möchten. Das würde er gerne weiterverfolgen. „Natürlich muss es aber für alle Bürger passen und konform sein.“ Der Standort hinter der Feuerwehr sei aus seiner Sicht am besten geeignet.

Stefanie Wintersteiger ist enttäuscht, denn sie hat für das interkommunale Freibad gekämpft. Gemeinsam mit anderen Eltern hatte sie einen Flyer herausgebracht, der den Tenor „billiger kriegen wir kein Bad in Aschau“ hatte. „Sechs Stimmen, das ist superknapp. Bei 200 Stimmen könnten wär es leichter zu verkraften“, so die junge Mutter.

Sie dankte allen, die Flyer verteilten, die das Vorhaben unterstützten und auch den Firmen, die mithalfen. „Durch die Debatte ums Bad ist ein tolles Team entstanden, dass sich auch weiterhin treffen und austauschen wird.“ Wintersteiger bedauert, dass für die Familien und die Kinder nun eine Riesenchance vertan sei.

Einige der Kinder, die auf dem Flyer waren, sind in Tränen ausgebrochen, als sie beim Feuerabend erfuhren, dass es dieses Freibad nicht geben wird.

Heike Stefanidis betonte, „es wär toll gewesen, mit Waldkraiburg was Interkommunales auf die Beine zu stellen.“ Für die Frauen ist klar: Mit sechs Stimmen Mehrheit brauchen die Gegner nicht mehr behaupten, „dass ganz Aschau gegen diese Art der Zusammenarbeit mit Waldkraiburg gewesen wäre. Annähernd die Hälfte der Wähler war dafür“.

Von einer „tollen Welle des bürgerschaftlichen Engagements“ sprach Schorsch Salzeder vom SV Aschau. „Dass sich Leute politisch so engagieren, das muss weitergehen. Man merkte richtig, wie es ihnen Spaß machte“, sagte er – ganz unabhängig vom Schwimmbad.

Auch habe es ihn gefreut, dass selbst Gegner sich durch sachliche Argumente noch einmal haben umstimmen lassen. Dennoch hat es nicht gereicht.

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