Bad: Stadtrat muss Weichen neu stellen

von Redaktion

Das knappe Ergebnis des Bürgerentscheids in Aschau ist Stadtgespräch. Was bedeutet es für Waldkraiburg? Wie geht es weiter in Sachen Waldbad oder Freibad? Die Vertreter der Stadtratsfraktionen taten sich gestern schwer, darauf eine klare Antwort zugeben. Sicher ist, der Ball liegt nun wieder beim Stadtrat.

Anton Sterr, CSU-Frakti- onssprecher.Foto Archiv

Waldkraiburg – Mit 16:15 Stimmen hatte der Stadtrat im Februar beschlossen, gemeinsam mit der Gemeinde Aschau in interkommunaler Zusammenarbeit ein neues Freibad zu bauen. Jetzt ist dieser Beschluss Makulatur. Nicht durch den Bürgerentscheid in Waldkraiburg für den Erhalt des Waldbades im Mai dieses Jahres wurde der Beschluss gekippt, sondern von den Aschauern. Sie stimmten mit 50,2 Prozent und der denkbar knappen Mehrheit von sechs Stimmen gegen die Beteiligung Aschaus an dem interkommunalen Projekt. Die Stimmung bei den Waldkraiburger Kommunalpolitikern schwankte gestern zwischen Enttäuschung und Überraschung.

„Ich bin perplex“, kommentiert Anton Sterr das Ergebnis. Er habe damit gerechnet, dass die Befürworter eines interkommunalen Neubaus sich durchsetzen, so der Sprecher der zwölfköpfigen CSU-Fraktion, die sich für den Erhalt des Waldbads und gegen einen Neubau mit Aschau ausgesprochen hatte. So viel ist laut Sterr klar: „Der Neubau an dieser Stelle ist sicherlich Geschichte.“ Denn: Das Grundstück, das dafür vorgesehen war, liegt je zur Hälfte auf Aschauer und Waldkraiburger Gebiet. Ob das Thema Neubau damit generell durch ist, darauf will sich Sterr nicht festlegen. „Es gibt die Aussage, auch vom Bürgermeister, dass Waldkraiburg ein Freibad behält. Diese Aussage zählt.“ Jetzt müssten alle gemeinsam überlegen, wie es weitergehen kann. „Die Lösung weiß ich heute auch nicht.“ Natürlich sei „die Wahrscheinlichkeit einer Sanierung größer als irgendwo ein Neubau“. Wo sollte dafür ein geeignetes Grundstück herkommen. Sterr: „Ich bin persönlich für die Sanierung, in welcher Form, das müssen die Beratungen ergeben.“

„Wir werden jetzt aus dem Ergebnis das Beste machen müssen“, sagt Dr. Frieder Vielsack und ergänzt: „Wir werden nach wie vor ein Bad in Waldkraiburg brauchen.“ Der Sprecher der UWG-Fraktion, deren zwölf Mitglieder für den interkommunalen Neubau gestimmt hatten, bedauert, dass sich das Verfahren so lange hinzieht. „Ein Jahr ist seit der Entscheidung ins Land gegangen. Man hätte sich das auch einfacher machen können.“ Aus seiner Sicht gibt es keinen Sieger in dieser Auseinandersetzung. „Es wäre sinnvoll gewesen, sich zusammenzutun. Gemeinsam ist man stärker. Jetzt sind wir wieder allein.“ Ob der Neubau eines Bades noch eine realistische Option ist? Vielsack ist skeptisch. „Mein persönliches Gefühl sagt mir: Es wird auf eine Art der Sanierung hinauslaufen.“

„Ich finde es enttäuschend. Mich hat das Ergebnis sehr betrübt“, sagt Susanne Engelmann. Die SPD-Sprecherin, die mit zwei Fraktionskollegen für den interkommunalen Neubau gestimmt hatte, trauert der „tollen Chance nach, in Zusammenarbeit etwas Gutes zu schaffen“. Wie es weiter gehen soll, weiß sie nicht. Sie macht vielmehr deutlich, wie es nicht weiter gehen darf. „Auch heuer liegt das Betriebskostendefizit im Waldbad bei 800000 Euro. So wird es auf keinen Fall weiter gehen. Da werden verständlicherweise auch die Stadtwerke nicht mehr mitgehen können.“ Wie ein Neubau, den Bürgermeister Robert Pötzsch in einem ersten Statement noch nicht endgültig aufgeben wollte, unter den neuen Bedingungen gehen soll, weiß Engelmann nicht. „Wir haben auch noch andere Investitionen zu bewältigen. Das zu stemmen wird schwierig.“

„Ein knappes Ergebnis, aber so ist Demokratie. Mehrheiten entscheiden, auch Adenauer hat sich mit seiner Stimme zum Bundeskanzler gewählt“, kommentiert Richard Fischer das Ergebnis. Der Zweite Bürgermeister hatte mit zwei weiteren Mitgliedern der SPD-Fraktion gegen den Neubau und für den Erhalt des Waldbads gestimmt. Obwohl der Bürgermeister erklärt habe, ein Neubau sei noch nicht vom Tisch, sieht Fischer dafür keine Chancen. „Das Thema Neubau ist erledigt. Ich weiß nicht, was er noch machen will. Mit wem will er denn bauen?“ Fischer will deshalb den Antrag einbringen, dass die Stadt nun die Sanierung des Waldbads prüft.

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