Mutter in Todesangst

von Redaktion

Landgericht Sohn schlug auf 51-Jährige und Polizei ein – Fortsetzung am Donnerstag

Traunstein/Waldkraiburg – In Todesangst versetzte ein mutmaßlich psychisch kranker 29-Jähriger seine Mutter in der gemeinsamen Wohnung in Waldkraiburg. Er schlug auf die 51-Jährige ein, packte sie am Hals, stieß sie mit dem Kopf gegen die Wand und fügte ihr mehrere, glücklicherweise nicht sehr schwere Verletzungen zu. Beim Eintreffen der Polizei ging er massiv auf die Beamten los.

Gestern musste sich der Beschuldigte wegen mehrerer Gewaltdelikte vor der Zweiten Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs verantworten. Das Urteil wird am Donnerstag, 20. Dezember, ergehen.

Gemäß Antragsschrift von Staatsanwältin Barbara Miller, die die Unterbringung des 29-Jährigen in einem psychiatrischen Krankenhaus zum Ziel hat, lebte der Beschuldigte mit russischen Wurzeln nach Entlassung aus einer Unterbringung im Herbst 2017 wieder bei seiner Mutter. In den letzten zwei Wochen vor den ihm vorgeworfenen Taten weigerte er sich zu essen und führte in seinem Zimmer lautstarke mehrstündige Monologe.

Nach langen Selbstgesprächen auch am 16. April 2018 soll er gegen 11.55 Uhr zu seiner Mutter ins Wohnzimmer gerannt sein, unvermittelt zugeschlagen und das Opfer beschimpft haben. Schläge mit den Ellenbogen trafen die 51-Jährige im Bereich des Oberkörpers.

Der Beschuldigte soll die Mutter ins Schlafzimmer gezerrt und weiter misshandelt haben. In einer Art „Schwitzkasten“ bekam die Geschädigte kurze Zeit kaum mehr Luft. Der Sohn soll sie weiter mit dem Kopf gegen die Wand gestoßen und gedroht haben: „Ich bring euch alle um. …. Ich bring dich um.“

Die lauten Hilfeschreie der Mutter hatte eine Nachbarin gehört. Sie setzte einen Notruf ab. Die Beamten hörten bei ihrem Eintreffen auch noch Drohungen des Beschuldigten durch ein gekipptes Fenster und klingelten.

Als niemand öffnete, drangen sie durch das Fenster in die Wohnung ein. Sie sahen den 29-Jährigen auf der am Boden liegenden Mutter knien. Einer der Polizisten drohte, zu schießen und zog seine Dienstwaffe. Daraufhin ging der Beschuldigte mit den Fäusten auf die Zeugen los. Als ihn die Beamten fixieren wollten, wehrte er sich nach Kräften mit Schlägen und Tritten. Dabei versuchte er, nach der Waffe zu greifen. Nur unter Einsatz von Gewalt und Reizgas gelang es, den 29-Jährigen zu bändigen. Beide Beamte trugen Verletzungen davon.

Als Verstärkung eintraf und ihm Fußfesseln angelegt werden sollten, leistete der Mann nochmals Widerstand. Die Mutter konnte das Krankenhaus nach kurzem Aufenthalt wieder verlassen.

Weder der 29-Jährige noch seine Mutter sagten gestern etwas zu dem Inhalt der Antragsschrift. Beide beriefen sich auf ihr Aussageverweigerungsrecht. Der Bruder des Beschuldigten legte ein gutes Wort für den 29-Jährigen ein. Dieser brauche „ein bisschen Hilfe und Unterstützung“ durch eine Therapie. Der Vorsitzende Richter warf ein, bisher sei die Behandlungsbereitschaft des Bruders nicht groß. Mehrere Zeugen schilderten gestern frühere, meist verbale Attacken durch den Beschuldigten, etwa anlässlich des Installierens eines Rauchmelders in seinem Zimmer. Der Handwerker berichtete, der 29-Jährige habe ihn zu Boden geschubst. Er sei später mit einem 150 Kilogramm schweren Zwei-Meter-Mann wiedergekommen und habe in dessen Gegenwart das Gerät problemlos montieren können.

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