Waldkraiburg – Es klang, als würde Präsident Wolfgang Klose aus einer fernen Zeit berichten, als er von Siegen über Rosenheim und Landshut sprach. Dabei ist es gerade mal ein Jahr her, dass den Löwen in ihrer zweiten Oberliga-Saison dieses Bravourstück gelang. Im Frühjahr 2017 konnten sie sogar den Titel des bayerischen Eishockeymeisters verteidigen. 29 Punkte hatten sie nach der Vorrunde in der ersten Oberliga-Saison nach dem Aufstieg erreicht. Davon können sie heute nur träumen.
Problem: Starker Zuschauerrückgang
Auf die Zuschauerresonanz hat die sportliche Misere dramatische Auswirkungen. 1003 waren in der Saison 2016/17 im Schnitt gekommen. In der nächsten Spielzeit sank diese Zahl laut Klose bereits um fast 200 pro Spiel. Und in der laufenden Saison ist es „ganz mau“, gegen Landshut waren es zwar zuletzt noch einmal gut 800, gegen Höchstadt aber verloren sich nur 300 zahlende Zuschauer im Eisstadion. Dabei wird jeder Cent gebraucht. Vor allem in einem Club, der ohne Hauptsponsor dasteht, der bei manchem Oberliga-Konkurrenten jede Saison eine sechsstellige Summe zuschießt.
Der Kassenbericht für 2017 – aus besseren Zeiten also – zeigt, wie sehr sich der EHC zur Decke strecken muss, um die Oberliga unter diesen Bedingungen zu finanzieren. 235000 Euro hatte der Club im Seniorenbereich an Einnahmen zu verbuchen, mehr als die Hälfte davon stammt aus Eintrittsgeldern. Doch 242000 Euro waren für Spieler, Trainer, Schiedsrichter, Verbandsabgaben, Ausrüstung, Spielbetrieb und Fahrtkosten aufzubringen. Das ging aus dem Bericht hervor, den – stellvertretend für den erkrankten Schatzmeister Thomas Höfner – Präsidiumsmitglied Horst Pitter präsentierte. Auch im Nachwuchsbereich stand 2017 unterm Strich ein Minus von über 8000 Euro.
Kassenprüfer Harald Manger, der eine „perfekte Kassenführung“ bestätigte, wies auf ein Dilemma hin: die „gewaltigen Summen“, die für den Verband aufzubringen sind, von denen der Verein im Aufstiegsjahr zum Teil noch befreit war. Als Beispiel nannte Manger die 10500 Euro für den sogenannten Reindl-Pool für die Nachwuchsarbeit. „Das ist heftig für einen solch kleinen Verein.“
Der eigene Nachwuchs hat zwar vom erhofften Olympia-Effekt nicht viel gespürt, stellt aber nach wie vor fünf Mannschaften. Zum Teil in Kooperation oder Spielgemeinschaft mit anderen Vereinen sind 60 Kinder und Jugendliche beim EHC aktiv. Die U17 und die U20 machen Jugendleiter Michael Lode derzeit besonders viel Freude. Beide hätten das Zeug, in der Bayernliga zu spielen. Es kommen also wieder junge Löwen für den Seniorenbereich nach. Auch die Eislaufkurse des Vereins werden gut angenommen. 40 Kinder waren es im ersten Kurs, 20 Anmeldungen liegen bereits für den zweiten vor.
Einstimmig geändert wurde in dieser Versammlung die Satzung. Bislang wurde der Verein, der sich schon vor drei Jahrzehnten vom VfL abgelöst hatte, darin noch immer unter dem Namen „EHC Die Löwen e.V. im VfL Waldkraiburg e. V.“ geführt. Künftig ist der Zusatz gestrichen.