Stadt wächst – Sozialer Wohnungsbau nötig

von Redaktion

Um Arbeitnehmer zu locken, betreibt die Industrie den Bau eines Ledigenheims

Waldkraiburg und die Welt – Die Stadt Waldkraiburg hat 1968 enorm an Bevölkerung zugelegt: in einem Jahr von 14200 auf über 15300 Einwohner. Das berichtet die Zeitung in der Woche vor 50 Jahren.

Ach ja, das Krankenhaus

Bürgermeister Josef Kriegisch kündigt in der Bürgerversammlung den bau einer weiteren Grundschule im Bereich Graslitzer-/Birkenstraße an. Außerdem soll das Waldbad ausgebaut und die Feuerwehr erweitert werden.

Ach ja, dann ist da noch das Grundversorgungskrankenhaus. Schon 1970 sollte Baubeginn sein, kündigt der Bürgermeister an, der Anfang 1969 die entsprechenden Anträge im Kreistag einbringen will. Auch Landrat Weggartner macht den Waldkraiburgern Hoffnung und sagt die Unterstützung zu. Die Stadt will für den Krankenhausbau nicht nur das Grundstück kostenlos zur Verfügung stellen.

Noch eine zentrale Aufgabe: die Förderung des sozialen Wohnungsbaus. Sie ist auch deshalb so wichtig, weil es Ende 1968 250 offene Stellen bei der Waldkraiburger Industrie gibt.

Die Industriegemeinschaft Waldkraiburg will aus diesem Grund ein Ledigenheim mit mindestens 50 Wohneinheiten bauen. Das Heim soll in erster Linie den Firmen für die Unterbringung der Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, die sich an dem Projekt beteiligen. Eine derartige Einrichtung soll zur Erleichterung der Arbeitsmarktlage beitragen, so der hauptamtliche Geschäftsführer der Industriegemeinschaft, der ansonsten eine rundum positive Jahresbilanz zieht: Die Zahl der Mitgliedsbetriebe ist von 19 auf 26 gestiegen, die intensive Zusammenarbeit der Unternehmen habe sich bewährt. Ein Beispiel: Eine zentral gesteuerte gemeinsame Grippeimpfaktion für die Mitarbeiter hat die Kosten auf ein Drittel gesenkt.

Die Industriegemeinschaft kündigt für 1969 eine Reihe von Projekten an, darunter Vorträge über die örtliche Industrie in allen Abgangsklassen der Volksschulen und Realschule. Auch die Errichtung eines Rechenzentrums in Waldkraiburg will die Industrie vorantreiben.

Die Knopffabrik Emil Lode feiert 20-jähriges Bestehen. Das Unternehmen stellt hochwertige Knöpfe für Knaben- und Herrenbekleidung her.

Im zweiten Anlauf: ein Prinzenpaar

Die erste Kür eines Faschingsprinzenpaares am 11.11. war total daneben gegangen. Das Paar dankte nach wenigen Stunden schon wieder ab. Anfang Januar versucht es die neu gegründete Faschingsgesellschaft Bohemia-Bavaria noch einmal. Mit Erfolg. Prinz Schandi I., mit bürgerlichem Namen Hans Hohlfeuer, und Prinzessin Anni die Holde, mit der er auch im richtigen Leben ein Paar ist, geben sich die Ehre.

Eigentlich sollte das Patenschaftshilfswerk für Indien, ein gemeinnütziger Verein, von Waldkraiburg aus seinen Weg durch die ganze Bundesrepublik nehmen. Doch der Verein, den zwei Frauen aus Österreich gegründet haben, ist in die Schlagzeilen geraten. Die beiden Gründerinnen und die Vorstandschaft, der einige Waldkraiburger Kommunalpolitiker und Honoratioren angehören, überwerfen sich. Das Hilfswerk steht vor der Auflösung.

Damit die Katholiken aus dem Süden und Westen des Stadtgebiets nicht den weiten Weg zur Christkönigkirche zurücklegen müssen, finden ab sofort im wöchentlichen Wechsel Sonntagsgottesdienste in der Beethoven-Schule und in der Keglergaststätte statt.

Bundesfinanzminister Franz Josef Strauß gibt der Sparkasse in Rott die ersten Bundesschatzbriefe aus. Die Schatzbriefe wurden 1969 aufgelegt, um die Vermögensbildung breiter Bevölkerungsschichten zu fördern.hg

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