Wechselbäder

von Redaktion

Waldkraiburger Wochenschau

Der Trend geht zum Winterbad. Jedenfalls in Aschau und Waldkraiburg. Vermutlich hat es landauf, landab noch nicht allzu viele Dezemberwochen gegeben, in denen ein Freibad, das noch gar nicht steht, jedem real existierenden Christkindlmarkt als Gesprächsthema den Rang ablief.

Da ist eine Menge aufzuarbeiten nach dem Bürgerentscheid, der der Beteiligung der Gemeinde Aschau am Freibad-Neubau mit der Nachbarstadt einen Riegel vorschiebt. Kommentare, so frostig, dass sie gar nicht zum milden Winterwetter passen wollen, waren zu hören und zu lesen. So hitzig, als könnten sie locker ein 50-Meter-Becken beheizen. Die reinsten Wechselbäder also, von denen sich eine dritte, vermutlich wachsende Fraktion fernhält. Das sind jene, die langsam genug haben vom Thema Waldbad/Freibad. Die es nicht mehr hören können. Und sich fragen, ob es nicht andere wichtige, noch wichtigere Themen gibt in und um Waldkraiburg und Aschau.

Und jene, die unabhängig vom Badengehen grundsätzliche Fragen aufwerfen. Weil die knappen Ergebnisse der beiden Bürgerentscheide hüben wie drüben mehr Ratlosigkeit als Klarheit zurückließen. Da geht es nicht nur um die Frage, ob es wirklich ein gutes Timing war, den Bürgerentscheid jetzt durchzuziehen, ohne irgendwelche konkreten Planungsergebnisse.

„Je mehr direkte Entscheidungen durch das ganze Volk, umso unregierbarer das Land!“ Der Satz stammt vom verstorbenen Altkanzler Helmut Schmidt, der morgen 100 Jahre alt wäre. Hatte er Recht, auch für die kommunalpolitische Ebene? Einen Gedanken oder auch zwei sollte man schon darauf verwenden, ob Bürgerentscheide, dieses eigentlich doch wertvolle Mittel der direkten Demokratie, sich selbst entzaubern. Wenn Sie nicht mit großem Augenmaß angewendet werden.

Beim EHC ist das schon passiert. Die Eishockey-Oberliga ist dabei, ihren Zauber für Verein und Fans zu verlieren. Im verflixten dritten Jahr läuft sportlich fast alles schief. Es ist wie ein Fluch: Siebenmal kämpften sich die Löwen in eine Verlängerung, um siebenmal als Verlierer vom Eis zu gehen. Und wirtschaftlich kommt ein Club in der dritthöchsten Spielklasse ohne spendablen Hauptsponsor zwischen hohen Zuschauererwartungen und den hohen Kosten, die Personal, Spielbetrieb, Verbandsabgaben verursachen, schnell unter die Räder.

Manchmal kann der Mannschaftsgeist Berge versetzen. Nicht nur im Sport, auch in der Politik. Der SPD-Fraktion im Stadtrat täte mehr Teamspirit gut. Allzu oft tritt sie nicht wie eine Einheit auf. Schon wahr, gestritten wird bei der CSU und der UWG auch. Das kann in demokratischen Parteien gar nicht anders sein. Doch die SPD macht den Eindruck, als bestehe sie aus zwei Fraktionen, Fraktion Engelmann und Fraktion Fischer, des Zweiten Bürgermeisters, der besonders gerne den Solisten gibt.

Vielleicht richtet es der Weihnachtsfrieden. Bei der SPD wie bei den Wald- und Freibadbewegten. Die Ansetzung des Bürgerentscheids so kurz vorm Fest spricht dafür, dass ein erfahrener Politregisseur am Werk war: Unterm heimischen Christbaum verglühen alle Emotionen.

Wechselbäder der Gefühle. Eins freut den Waldkraiburger, für oder gegen welches Bad auch immer er ist: Bei der Berichterstattung über den Bürgerentscheid hat ein anerkanntes überregionales Medium Waldkraiburg zur Kreisstadt erhoben. Im Teletext des Bayerischen Rundfunks haben „die Bürger von Aschau am Inn/Lkr. Waldkraiburg“ (Screenshot) entschieden. Mei, de Mingara. In Bayern kennen sie sich halt nicht aus. Aber gern gelesen haben wir‘s trotzdem.Hans Grundner

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