Ruhig und beschaulich war es in der oberen Herrengasse nahe der Stadtpfarrkirche vor rund 90 Jahren. Keine Parkplätze, keine Autos und genügend Freiraum. Für die Kinder gab es ausreichend Platz zu spielen und die gesamte Straße diente regelmäßig als weitreichender Fußballplatz, wie sich Zeitzeugen erinnern. Zunächst wurde der Ball die Straße hinauf gespielt, dann wieder hinunter. Das gewerbliche Leben im Erdgeschoss der Wohnhäuser war noch bis in die 1980er- Jahre hinein geprägt von Handwerksbetrieben und Einzelhändlern. Im Laufe der Jahrzehnte waren darunter unter anderem das Kolonialwarengeschäft der Familie Lueginger, das Spielwarengeschäft der Eheleute Estermann, die Kleiderreinigung Budell, der Steuerberater Deinwallner und der Hafnermeister Müller. Durch seine Größe beeindruckte stets das riesige Einfahrtstor in die Lagerräume der Eisenhändlerei Däschinger. Deutlich kleinräumiger war hingegen die Parfümerie Kiesel gleich nebenan. Und im Verborgenen befand sich auch noch die Wurstküche eines Gastronoms sowie auch der Treppenaufgang zum früheren Rechtsanwalt Fries. Vieles hat sich verändert. Angestammt blieb aber die Jahrzehnte hindurch das Gasthaus und die frühere Bierschänke „Weißes Rössl“, auch wenn dieses einige Pächter durchlebte und inzwischen zum gehobenen Speiselokal aufgestiegen ist.
Info: Diese und ähnliche Fotos und Geschichten kann man im neuen vom Stadtarchiv herausgegebenen Stadtbildkalender betrachten und nachlesen. Der Kalender ist erhältlich im Stadtarchiv, Museum und in der Gästeinfo sowie im Wasserburger Buchhandel, bei der Post am Bahnhofsplatz und in den Wasserburger Markthallen. Fotos Stadtarchiv