Der Insel-Elektriker

von Redaktion

Jakob Ametsbichler aus Griesstätt bringt den Christkindlmarkt auf der Fraueninsel zum Leuchten

Fraueninsel Damit die Fraueninsel pünktlich zur Eröffnung ihres Christkindlmarktes am kommenden Donnerstag in voller Pracht leuchten und der Strom munter durch die Leitungen der Glühweintöpfe, Grills, Fritteusen, Karussells und Bühnentechnik fließen kann, sind Elektromeister Jakob Ametsbichler aus Griesstätt und sein Team schon seit Anfang November im Einsatz. Ohne sie würde vieles im Dunkeln bleiben, denn die Elektrizität ist ein unverzichtbarer Bestandteil unseres täglichen Lebens. Dazu zählen unter anderem auch die Energieverteilung, Beleuchtung und Beheizung bei großen Veranstaltungen wie dem Christkindlmarkt.

Zwei Kilometer
Lichterketten

Seit vergangenem Jahr ist Jakob Ametsbichler der „Inselweihnacht-Elektriker“. Für diese spannende Aufgabe wurde er im wahrsten Sinne des Wortes vom Veranstalter des Christkindlmarktes, Emanuel von Oy aus Griesstätt, Inhaber der Echt Evoy UG, ins Boot geholt. Schließlich muss der Handwerker sein ganzes Material via Autofähre auf die Insel transportieren.

Das Stromnetz auf der Fraueninsel ist einwandfrei. Dennoch ist man nirgendwo, egal ob Festland oder Insel, vor einem Stromausfall gefeit. Den gab es zum Glück beim Christkindlmarkt noch nie. „Wir haben insgesamt zwei Kilometer Lichterketten, die an der unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV) hängen. Hätten wir einen großflächigen Stromausfall, würde die Lichterkette trotzdem für etwa eine Stunde noch weiterleuchten. Wir haben beim Kloster noch ein Aggregat, an das wir die Lichterkette anschließen könnten. So ist die Grundbeleuchtung durchgehend immer an“, erklärt Emanuel von Oy. Er setzt auf LED, denn das ist nachhaltig.

Für den Christkindlmarkt wurden eigens etwa zehn Kilometer Kabel verlegt. Die Berechnungen und Pläne von Jakob Ametsbichlers Projekten sind perfekt ausgeklügelt. So wurde die Stromversorgung für die Inselweihnacht innerhalb weniger Tage komplett hergestellt.

Für ihn ist die Arbeit auf der Insel spannend, denn hier lauern Herausforderungen, die auf dem Festland undenkbar wären. „Eine große Schwierigkeit auf der Insel ist, dass man hier nicht mal schnell wegkann, um Schrauben oder Ersatzteile zu holen. Man muss alles genau planen und aufladen. Das Nächste ist, dass man auch mal eine Stunde oder sogar länger an der Fähre steht, um rüberzukommen. So dauert ein Arbeitstag so manches Mal länger als geplant“, setzt er fort. Hilfe bietet den Handwerkern ein Lager auf der Insel. Darin können sie ihr Material unterbringen.

„Mit seiner freundlichen Art ist Jakob inzwischen selbst schon ein halber Insulaner. Die Einheimischen haben ihn schon super aufgenommen. Gibt es während des Christkindlmarktes mal einen Notfall, zum Beispiel in der Gastronomie, ist der Elektriker sofort zur Stelle“, sagt von Oy.

Für Elektriker Jakob Ametsbichler ist sein Job nicht nur Beruf, sondern vor allem auch Berufung. Seit 1993 führt er erfolgreich seinen eigenen Betrieb.

Die Leidenschaft für Elektrik wurde ihm von seinem Vater in die Wiege gelegt. Dieser war selbst Elektriker in einem Heizkraftwerk. Als junger Bursche machte Jakob Ametsbichler nach seinem Realschulabschluss eine Ausbildung zum Elektriker. Danach rückte er in die Bundeswehr ein und leistete dort freiwillig zwei Jahre lang seinen Wehrdienst ab. Als junger Soldat arbeitete er bei einer Raketenstellung.

Durch den Schichtdienst hatte er Zeit für seine Vereine wie Landjugend, Trachtenverein und Feuerwehr. Bei Letzterer war er 25 Jahre lang aktiver Floriansjünger, davon auch einige Jahre Feuerwehrkommandant. Als Elektriker war er auch für die Feuerwehr ein echter Glücksgriff, denn neben seinem eigenen Betrieb, Feuerwehreinsätzen, Engagement in Vereinen, Familie und vielen weiteren Verpflichtungen, packte er auch bei Renovierungsarbeiten am Feuerwehrhaus tatkräftig mit an. All das in seiner spärlichen Freizeit und dazu ehrenamtlich.

Im Alter von 54 Jahren absolvierte er einen Lehrgang zum Wasserretter bei der BRK-Wasserwacht. Er wurde Vorsitzender der Ortsgruppe Rott am Inn und macht sich seitdem auch ganz besonders für den Wasserwacht-Nachwuchs stark. So hat der sympathische Elektromeister auch einen engen Bezug zum Wasser. Neben seinem Beruf zählt auch die Arbeit bei der Wasserwacht zu einer seiner großen Leidenschaften.

Sein Dank gilt vor allem seiner Familie. Ohne ihren Rückhalt wäre sein unermüdlicher Einsatz, beruflich wie auch im Ehrenamt, so nicht möglich. Sein Engagement sorgte schließlich auch dafür, dass es zwischen ihm und seiner Ehefrau einst funkte. „Meine Frau war damals berufsbedingt von Norddeutschland nach Bayern gezogen. Sie wohnte damals direkt neben unserem Feuerwehrhaus und schaute oft bei uns vorbei. Wenn sie mal Hilfe brauchte, zum Beispiel beim Lampenaufhängen, war das praktisch. Ich hatte das Werkzeug ja immer dabei. Wir gingen dann zusammen tanzen und so kamen wir zusammen“, erinnert sich Jakob Ametsbichler. Sehr stolz ist er auch auf seine Kinder. So führt auch sein Sohn Lukas die Familientradition fort und ist ebenfalls Elektromeister.

Jakob Ametsbichler lebt und liebt seine Arbeit. Urlaub und Freizeit sind rar. Dennoch ist die Arbeit auf der Fraueninsel für ihn etwas Einzigartiges. Während des Christkindlmarktes übernachtet er gerne auch mal hier.

Exakte Planung
ist entscheidend

„Am Morgen sitzt man am See und genießt den Sonnenaufgang. Am Abend, wenn Ruhe auf der Insel einkehrt, sitzen wir gemütlich mit den Fischern zusammen. Die Insulaner sind sehr freundlich und hilfsbereit. Dazu dieses traumhafte Flair. Das macht die Insel zu etwas ganz Besonderem“, schwärmt Ametsbichler. Er wünscht sich, dass das Handwerk „wieder mehr Wertschätzung bekommt“, denn Fakt ist: Das Handwerk fördert nicht nur den Wohlstand und das Wohlbefinden, sondern auch das Gemeinschaftsgefühl.

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