Ebola: Wettlauf gegen die Zeit

von Redaktion

Die Krankenhäuser im Kongo kommen an ihre Kapazitätsgrenzen

Weil die Klinik die Leiche eines Ebola-Opfers nicht herausgeben wollte, zündete die Familie Zelte an. © Dieudonne/dpa

Eine Frau trauert um ihr Kind. © Sawasawa/dpa

Mitarbeiter des Roten Kreuzes in Schutzanzügen tragen den Sarg einer an Ebola verstorbenen Person. Bisher gab es 177 Tote. © Sawasawa

Berlin/Bunia/Goma – Mindestens 750 Verdachtsfälle, 177 Todesfälle, immer mehr bestätigte Infektionen und die Sorge vor einer Ausbreitung in die Nachbarländer: Eine Woche nach Bekanntgabe des Ebola-Ausbruchs hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Bedrohung der öffentlichen Gesundheit in der Demokratischen Republik Kongo auf „sehr hoch“ heraufgestuft.

Experten, Gesundheitspersonal und Helfer befinden sich im Wettlauf gegen die Zeit. „Es kommt jetzt darauf an, rasch Isolier- und Behandlungskapazitäten an unterschiedlichen Orten einzurichten“, sagt Maximilian Gertler, Epidemiologe der Berliner Charité und für Ärzte ohne Grenzen (MSF) bereits mehrfach im Ebola-Einsatz in Afrika.

Doch wegen der fragilen Sicherheit in der Konfliktregion und logistischer Anforderungen im zweitgrößten Land Afrikas sei gerade dies sehr kompliziert. „Wir schicken gerade viele Mitarbeitende mit Erfahrung in Ebola-Ausbrüchen in die betroffenen Regionen, um die bestehenden Teams zu unterstützen“, so Gertler. Parallel dazu müsse medizinisches Personal ausgebildet und in den Einsatz gebracht werden.

Immerhin gelte für den Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo: In der Region gibt es viele Erfahrungen mit Ebola. „Kein Land auf der Welt hat so viele dieser Ausbrüche gehabt“, betont Gertler.

Die Größe der betroffenen Region, die an Uganda und den Südsudan grenzt, und das Ausmaß der Epidemie stellen eine enorme logistische Herausforderung dar. Dabei kann nicht unbedingt auf vorhandene Strukturen gesetzt werden. Der Kongo ist fast siebenmal so groß wie Deutschland, und viele Gebiete sind wenig entwickelt und von großer Armut geprägt. „Man muss alles selbst organisieren, auch den Diesel für die Generatoren“, so Gertler. „Dafür haben wir Notfalllager in verschiedenen Orten der Region, in Kinshasa, in Kisangani und anderen Orten.“

„Gegenwärtig ist Ärzte ohne Grenzen zum Beispiel dabei, tonnenweise Schutzausrüstung und logistisches Material wie Generatoren, Kühlgeräte und natürlich zusätzliches Personal in die Region zu bringen, um zusätzliche Zentren aufzubauen“, erläutert der Berliner Mediziner. Teams seien unterwegs in größeren Städten wie Bunia, Butembo oder Goma, um Orte für die Errichtung solcher Zentren zu identifizieren.

Derzeit mobilisiert Ärzte ohne Grenzen zudem Logistik aus der Hauptstadt Kinshasa, aus dem Nachbarland Uganda und auch aus Europa. Die Organisation verfügt über vorbereitete Ebola-Kits. Darin sind Schutzausrüstung, Betten, Zelte, Matten, Infusionen, aber auch logistisches Material wie Generatoren, Computer und dergleichen mehr, um vor Ort die Arbeit direkt aufnehmen zu können.

Dabei sind mancherorts die bestehenden Kapazitätsgrenzen bereits erreicht. „Im Moment hören wir von vielen unserer Teams und anderen Gesundheitseinrichtungen, dass sich bei ihnen ununterbrochen Verdachtsfälle vorstellen, für die keine Isolierkapazitäten vorhanden sind“, sagt Gertler, der in ständigem Austausch mit Kollegen vor Ort steht. „Dann steht für diese Patienten unter Umständen keine Behandlung zur Verfügung. Außerdem besteht natürlich die Möglichkeit, dass diese Infizierten weitere Infektionen auslösen.“

Auch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) ist angesichts des schnellen Anstiegs der Verdachtsfälle besorgt. „Der Ausbruch breitet sich rasant in Gebieten aus, deren Gesundheitssysteme ohnehin schon schwach sind und in denen häufig Grenzübertritte stattfinden“, so Ariel Kestens von der IKRK-Delegation. „Jetzt ist schnelles Handeln und die enge Zusammenarbeit mit den Gemeinden von höchster Priorität, denn die kommenden Tage sind entscheidend.“

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