Geschäfte dürfen bald länger öffnen

von Redaktion

Kaufingerstraße in München: Der Einzelhandel hofft auf ein gutes Geschäft – allerdings ist die Konsumlaune in Deutschland aktuell verhalten. © Wolfgang Maria Weber, IMAGO

München – Heuer war ein schwieriges Jahr für den bayerischen Einzelhandel. „Die nächsten sechs Wochen werden zeigen, ob wir mit einem blauen Auge davonkommen“, sagt Ernst Läuger, Präsident des Handelsverbandes Bayern (HBE). Er hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, „dass sich die Menschen gerade zu Weihnachten etwas gönnen“.

■ Auch Leute mit guten Jobs sparen

Allerdings: Die Kunden sparen, auch solche, die gute Jobs und gute Einkommen haben, wie Läuger berichtet. Denn der Stimmungsaufschwung im Land, den man sich mit dem Regierungswechsel erhofft hatte und der die Konsumlaune hätte aufhellen können, der ist ausgeblieben. Konsumenten sind verunsichert und sparen ihr Geld lieber, als es auszugeben.

Das wird sich nach den Erwartungen der Branche auch zu Weihnachten nur unwesentlich ändern. Ein Umsatzplus von mickrigen 1,5 Prozent auf 15,7 Milliarden Euro bayernweit wird erwartet, die Inflation berücksichtigt käme das einer Stagnation gleich, so Läuger. In der Stadt München sollen geschätzt 2,3 Milliarden Euro erlöst werden, in Oberbayern 5,9 Milliarden. Umsatzbringer werde auch heuer der Gutschein sein, ein Drittel der Weihnachtsgeschenke wird in dieser Form überreicht.

■ Rabatte schon vor dem Black Friday

Dass nicht nur die Kunden, sondern auch viele Händler verunsichert sind, zeige sich an den Preisnachlässen, die es schon vor den Rabatttagen rund um den Black Friday in dieser Woche gibt. „Die Kunden sind sehr preissensibel“, so die Erfahrung der Händler. Da schmerzt es die Branche mit 330 000 Beschäftigten besonders, dass man in Europa asiatische Online-Konkurrenten wie Shein und Temu so unbehelligt gewähren lässt. 400 000 Päckchen der Billiganbieter erreichen Deutschland jeden Tag aus dem Nicht-EU-Ausland, weiß HBE-Hautgeschäftsführer Wolfgang Puff. Bei den Waren seien weder europäische Kennzeichnungspflichten noch die Produktsicherheit oder der Datenschutz gewährleistet, „von Nachhaltigkeit ganz zu schweigen.“

Angela Frey, Geschäftsführerin von Spielwaren Tausend in Wolfratshausen, lässt sich davon die Freude aufs Weihnachtsgeschäft nicht nehmen. In ihr inhabergeführtes Geschäft, das es bald seit 100 Jahren gibt, kommen Kunden, die als Kinder dort waren, inzwischen mit eigenen Kindern und Enkelkindern. „Es ist ein Ort, an den man gern kommt“, sagt sie, und so lange die Begegnung mit Menschen zählt, ist ihr nicht bange um die Zukunft.

Auch für Thomas Seybold ist Weihnachten eine emotionale Angelegenheit. Er ist Geschäftsführer von Galeria am Münchner Marienplatz. Dennoch wird in seinem Haus „zwölf Monate im Jahr für Weihnachten geplant“. Denn der Besuch soll dann ein besonderes Erlebnis sein. Auch am Black Friday, an dem Galerie heuer – wie 40 andere Innenstadtgeschäfte – bis 23 Uhr geöffnet hat.

■ Weitere acht lange Verkaufstage

Im kommenden Jahr werden die Öffnungszeiten noch großzügiger: Schon im Januar könnte die Stadt die Rechtsverordnung für eine weitere Liberalisierung beschließen. Geschäfte könnten dann an acht weiteren Tagen im Jahr bis 23 Uhr geöffnet bleiben. Wenn das durch ist, sagt Läuger, ist der Handel auch weitgehend zufrieden mit der Gesetzeslage. Schließlich habe man auch eine Verantwortung für die Mitarbeiter, deshalb müsse mit der Ladenöffnung „auch irgendwann Schluss sein“.

Artikel 7 von 8