MAN streitet über Münchner Werk

von Redaktion

Produktion bei MAN in München: Im Stammwerk werden zwar bis in die 2030er noch Karosserien gebaut, die Fahrerhäuser für die Zukunfts-Lkw entstehen aber wohl in Polen. © MAN

München – So einen Krach gab es bei der MAN schön länger nicht mehr: „Ich bin entsetzt über das Verhalten des Unternehmens“, schimpfte MAN-Betriebsratschefin Karina Schnur gestern bei einer Pressekonferenz der IG Metall über die Zukunft des bayerischen Traditionskonzerns. Auch Bayerns Chef der IG Metall, Horst Ott, war „stinkwütend“: Er kenne Leute, die haben sich den MAN-Löwen tätowiert, so verbunden fühlen sie sich mit der Firma, berichtete Ott, nur um gleich darauf gegen MAN-Chef Alexander Vlaskamp auszuteilen. „Das spiegelt sich nicht im Management wieder.“

Der Anlass des Ärgers: MAN ist Teil der Volkswagen-Nutzfahrzeugsparte Traton und will im Verbund mit seinen Partnern Scania und Navistar ab den 2030ern Lkw nach dem Baukastenprinzip produzieren. Den für die Zukunfts-Lkw nötigen Karosseriebau will das Unternehmen nun aber doch im polnischen Krakau statt wie lange geplant in München ansiedeln – entgegen bisheriger Zusagen und obwohl es schon einen Bauplan für die neue Anlage in München gebe, betonen die Gewerkschafter. Sie fürchten, dass wegen der Verlagerung in den kommenden zehn Jahren 3000 deutsche MAN-Jobs wegfallen werden, rund 2000 davon in München. Das entspräche über einem Viertel der 7000 MAN-Angestellten im Stammwerk. Selbst das Angebot des Betriebsrats, zwei Stunden unbezahlte Mehrarbeit pro Woche zu leisten und auf bestimmte Lohnbausteine zu verzichten, habe das MAN-Management nicht umstimmen können, so die Gewerkschafter.

Entsprechend sauer sind die Vertreter der Belegschaft. Dabei geht es gar nicht nur um den Jobabbau, der sich laut MAN auf zehn Jahre strecken und sozialverträglich gestaltet werden soll. Die Arbeitnehmervertreter sehen vielmehr auch die Existenz des Stammwerkes insgesamt langfristig bedroht. Auf Basis des Baukastens werde im Konzern der Lkw der Zukunft gefertigt. Verschwinde mit dem dafür nötigen Karosseriebau ein wichtiger Produktionsschritt von München nach Polen, könnten weitere folgen, so die Sorge. Wenn immer mehr Lkw-Teile aus dem Ausland gefertigt und ins teure München gebracht würden, „um sie dort zusammenzuschrauben, kann man sich ausrechnen, wie lange das gut geht“, sagte Sybille Wankel von der IG Metall.

Bei MAN gibt man sich irritiert über die Aussagen. Zwar bringe die Verlagerungen einen Stellenbau in Deutschland mit sich, räumt das Unternehmen ein. Davon seien bis 2035 aber nur 230 Jobs pro Jahr betroffen, insgesamt also 2300. Davon entfallen 1300 auf das Werk in München, so MAN, nur 400 in der Produktion. Diese würden „maximal sozialverträglich“ abgebaut, etwa über Verrentungen und nicht nachbesetzte Stellen, versichert ein Sprecher. Außerdem habe es aus Unternehmenssicht „nie einen formellen Beschluss in den betreffenden Gremien“ gegeben, dass das Karosseriewerk wirklich nach München komme, sagte er unserer Zeitung. Dennoch stehe der Standort München nicht infrage. „Wir haben die Forschung und Entwicklung hier und beabsichtigen auch weiter hier Lkw zu produzieren.“ Akzeptieren die Mitarbeiter die Pläne, will MAN ihnen im Gegenzug Standort- und Jobgarantien bis 2035 geben. Außerdem würden 700 Millionen Euro in das Münchner Werk investiert.

Als Grund für die Verlagerung gibt MAN hohe Lohn- und Energiekosten sowie Konkurrenzdruck aus China an. Gleichzeitig müssten Milliarden in die Elektrifizierung, Digitalisierung und konzernweite Standardisierung investiert werden. IG-Metall-Chef Horst Ott glaubt aber, dass auch Fördermillionen aus Polen bei der Entscheidung eine große Rolle gespielt haben dürften. Das sei bitter für die deutschen Mitarbeiter, die in den letzten Jahren mit einer Rosskur samt Stellenstreichungen, Werksschließungen und Spartenverkäufen dafür gesorgt haben, dass der zum kriselnden VW-Konzern gehörende Lkw- und Bushersteller zurück in der Gewinnzone ist. MAN und Volkswagen gehe es nur um „billige Gewinnmaximierung“, sagt Ott, man werde sich gegen die Pläne wehren. „Wir haben einen ganzen Werkzeugkoffer für eine Eskalation“, droht er. „Und den werden wir auch nutzen.“

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