Die Rüstungsindustrie zählt aktuell zu den Boombranchen – Hoffnungen auf einen Frieden in der Ukraine haben aber zu fallenden Aktienkursen geführt. © Philipp Schulze, dpa
München – Nach den Gesprächen zwischen den USA und der Ukraine in Genf gibt es Hoffnung auf eine Friedenslösung mit Russland. Nachdem es bereits am Freitag erste Friedensignale gab, stürzten die Aktien von Rüstungsfirmen ab (siehe Grafiken). Am Montag zeigte sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj vorsichtig optimistisch – die Aktien rauschten noch weiter in die Tiefe. Wir sprachen mit Robert Halver, Analyst bei der Baader Bank, über den Kursverfall.
Kaum gibt es Signale für einen Frieden in der Ukraine, geht es mit den Aktien von Rheinmetall, Renk und Hensoldt bergab. Müssen Rüstungsfirmen jetzt wirklich um Aufträge bangen?
Man hat angesichts der Kursverläufe beinahe den Eindruck, die Börse sei kriegsmüde, und der Bedarf an Rüstungsgütern wird jetzt nicht mehr als so hoch gesehen. Aber wenn man das Thema einmal ganz nüchtern abklopft, sehe ich ein anderes Bild.
Welches?
Wir sehen trotz der aktuellen Bemühungen noch lange keine Befriedung der Ukraine. Zwar würde US-Präsident Donald Trump gern einen Haken an das Thema setzen, um sich dafür als Friedensfürst feiern zu lassen. Aber so einfach ist das nicht, das weiß auch die US-Regierung. Der Konflikt mit Putins-Russland wird bleiben, selbst wenn ein Friedensplan umgesetzt wird.
Warum fallen dann die Kurse der Rüstungsfirmen?
Weil die aktuelle politische Situation zum Anlass genommen wird, Gewinne mitzunehmen. Nachdem Rüstungswerte im vergangenen Jahr enorm zugelegt haben, hat die Börse jetzt einfach mal die Luft rausgelassen. Aber das Geschäftsmodell der Rüstungsfirmen würde sich auch durch einen Frieden in der Ukraine nicht verändern, die Aufrüstung der europäischen Demokratien wäre damit nicht gestoppt.
Heißt das, wir sehen schon wieder Einstiegskurse?
An der Börse klingelt leider niemand und sagt, dass die Kurse günstig sind und sich ein Kauf lohnt. Wäre das der Fall, würde ich nicht mehr arbeiten, sondern in den schönsten Pools der Welt liegen und Champagner trinken. Aber es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Kurse der Rüstungsunternehmen wieder nach oben gehen, das Thema ist ja nicht aus der Welt ist, das Geschäftsmodell der Unternehmen ist intakt.
Was bedeutet das für Kleinanleger?
Aktien gehören zum langfristigen Sparen dazu, ich empfehle aber Einzahlungen über regelmäßige Sparpläne. Und das breit gestreut über sämtliche Branchen, etwa über einen ETF oder einen Fonds – so mache ich das privat übrigens auch.
Ein Börsenprofi wie Sie zahlt regelmäßig Geldbeträge in einen schnöden ETF?
Ich habe zwei Depots. In einem, das weitaus größere, spare ich regelmäßig Geld an, das läuft völlig automatisiert ab. Nur in meinem zweiten kleineren Depot bin ich etwas spekulativer unterwegs, das ist aber auch nicht meine Altersvorsorge. Die Leute haben immer diese Vorstellung, wir würden den ganzen Tag am Bildschirm sitzen und mit irgendwelchen Werten rumzocken. Das Gegenteil ist der Fall. Und ich kann nur jedem raten, das ähnlich zu machen. Wer diszipliniert in seinen Sparplan investiert, hält auch die schwierigen Zeiten an der Börse durch.
Viele Kleinanleger haben in den vergangenen Jahren trotzdem in Rüstungsaktien investiert – jetzt sehen sie sich mit starken Schwankungen konfrontiert.
Es gibt keine Branche, die immer nur nach oben gegangen ist. Die Börse ist keine Einbahnstraße, damit müssen wir einfach leben, auch wenn das manchmal schwer zu verstehen ist. Dass es mal zu einem Rücksetzer kommt, gehört zum Spiel dazu.
Finden Sie es nicht zynisch, dass an der Börse auf Krieg oder Frieden gewettet wird?
Abschreckung hat uns nach dem Zweiten Weltkrieg 70 Jahre Frieden beschert. Abschreckung ist in dieser Welt offensichtlich nötig, um das Schlimmste zu verhindern. Und dafür benötigen wird eine Rüstungsindustrie. Gleichzeitig funktioniert die Börse so, dass sie über einen gewissen Zeitraum ihre Lieblinge hat, das sehen wir nicht nur beim Thema Rüstung, das sehen wir auch beim Thema KI. Das ist die berühmte Branchenrotation. Und irgendwann ist wieder eine andere Branche dran. Wichtig ist, dass die Geschäftsmodelle der Firmen funktionieren – und bei den Rüstungsunternehmen ist das definitiv der Fall.