Unwirtliches Wetter hielt den Baustart nicht auf. Auf einer rund 75 Kilometer langen Strecke von Gerstungen in Thüringen bis Mellrichstadt in Bayern werden Gleichstromkabel verlegt. Suedlink gehört zu den wichtigsten Projekten der Energiewende. © Martin Schutt, dpa
Wasungen – Es ist eines der Schlüsselprojekte der Energiewende: Im thüringischen Wasungen wird am Montag der offizielle Baustart der Stromautobahn Suedlink eingeläutet. Auf 75 Kilometern Länge von Gerstungen im Wartburgkreis bis Mellrichstadt im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld in Bayern sollen insgesamt vier Stromkabel verlegt werden, sagte TransnetBW-Projektsprecher Kevin Zdiara. Hinzu komme ein Glasfaserkabel, über das die betroffenen Regionen künftig an schnelles Internet angeschlossen werden können.
Sichtbar seien zunächst „viele Punktmaßnahmen“ entlang des gesamten Trassenverlaufs, so Zdiara. Dabei gehe es vor allem um Horizontalbohrungen überall dort, wo etwa Straßen, Gewässer, aber auch Naturschutzbereiche unterquert werden müssten. „Wir machen die zuerst, weil die am längsten dauern“, so Zdiara. Tatsächliche Erdarbeiten wie das Ausheben von Gräben würden voraussichtlich frühestens im Januar 2026 beginnen.
Erste Baugrunduntersuchungen und Vorbereitungsarbeiten waren bereits wenige Tage nach Vorliegen der Baugenehmigung Anfang Oktober in der Gemeinde Rhönblick (Kreis Schmalkalden-Meiningen) gestartet.
Der Trassenverlauf dieses Mammut-Projekts der Energiewende durch Thüringen war jahrelang umstritten gewesen. Es hatte zahlreiche Proteste gegeben. Die rot-rot-grüne Landesregierung unter dem damaligen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Linke) und auch die oppositionelle CDU hatten sich vergeblich für eine Alternativroute entlang bestehender Infrastrukturtrassen starkgemacht. 2019 war die Landesregierung aus formellen Gründen mit einer Klage gegen das Projekt vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gescheitert. Eine erneute Klage hatte sich die damalige Landesregierung stets offengehalten.
Zuvor kommt ihr nun das „Aktionsbündnis Trassengegner“ – ein Zusammenschluss aus Bürgerinitiativen in Bayern, Hessen und Thüringen. Demnach sei bereits eine Klage gegen das Vorhaben auf bayerischer Seite beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht worden, teilt das Bündnis mit. Der geplante Ausbau des Übertragungsnetzes sei überdimensioniert und überteuert, Alternativen seien nie neutral überprüft worden, so die Begründung. Das Gericht konnte zum Vorliegen der Klage zunächst keine Angaben machen.
Laut TransnetBW-Sprecher Kevin Zdiara sind rund 30 Hinweise nach „informellen Gesprächen“ etwa mit Agrarbetrieben und Kommunen in Änderungen an der Trassenplanung eingeflossen.
Insgesamt verläuft die Stromautobahn Suedlink auf einer Strecke von 700 Kilometern von Schleswig-Holstein über Niedersachsen und Thüringen bis nach Bayern und Baden-Württemberg. Die Erdkabelverbindung soll Strom von Windenergieanlagen im Norden in den Süden transportieren. 2028 soll das Projekt voraussichtlich fertiggestellt sein.