Pfingstwochenende bringt Stromnetz unter Druck

von Redaktion

München – Am Pfingstwochenende könnte das deutsche Stromnetz wieder mit Solarstrom geflutet werden. Weil die meisten Gewerke an den Feiertagen stillstehen, trifft das Angebot aber auf geringe Nachfrage: „Je nach Wetter erwarten wir am Wochenende und besonders am Pfingstmontag einen Solarstromüberschuss“, erklärt Felix Dembski, Leiter der Rechtsabteilung beim Speicher-Hersteller Sonnen. Die Firma aus Wildpoldsried bietet auch die Direktvermarktung von Solarstrom und Heimspeichern an der Strombörse an. „Im Extremfall können die Preise im kurzfristigen Handel auf minus 10.000 Euro pro Megawattstunde sinken. Dann bekäme man für das Kochen eines großen Topfs Nudeln knapp 10 Euro.“

Denn Großspeicher, die den Strom aufnehmen könnten, werden aktuell erst gebaut, und Echtzeit-Preissignale für Verbraucher sind kaum verbreitet. Dafür brauchte es digitale Stromzähler, sogenannte Smartmeter. Für die Schwerindustrie gibt es sogar de facto eine Strafe, wenn sie ihre Produktion in Zeiten des Überschusses hochfährt. Dabei wäre das extrem profitabel.

Das Preistief nutzen können dagegen Verbraucher mit einem dynamischen Stromtarif oder einem Marktzugang: „Wir als Direktvermarkter werden versuchen, den Solarstrom unserer Kunden morgens und abends zu verkaufen. Mittags werden wir die Heimspeicher füllen und die Überschüsse abregeln. Damit entlasten wir das Netz und vermeiden negative Strompreise“, so Dembski. „Wir können 30.000 Anlagen so regeln. Viele warten jedoch noch auf die bürokratische Freigabe durch die Netzbetreiber. Die dürfen wir dann noch nicht steuern und das geht zu Lasten der Steuerzahler.“

Durch den massiven Ausbau der Solarenergie wächst der Bedarf an Speichern und flexiblen Verbrauchern enorm. Denn in Extremsituationen kommt das Netz inzwischen an seine Grenzen: „Eine ähnliche Situation hatten wir am 1. Mai: Da hätte der Markt den Strom um ein Haar nicht mehr aufnehmen können.“ Im Extremfall – sollten auch die Reserven der Netzbetreiber nicht ausreichen – könnte in solchen Stunden ein kurzfristiger Zusammenbruch des Stromnetzes drohen.MATTHIAS SCHNEIDER

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