„Es ist wahnsinnig viel los“

von Redaktion

Rosenheim – Volle Arztpraxen, überlastete Krankenhäuser – über Deutschland schwappt eine Grippewelle hinweg. Das Robert-Koch-Institut berichtet von 40 000 Neuerkrankungen pro Woche. Wie schlimm es die Region erwischt hat? Wir haben uns umgehört.

Es wird gehustet, geniest und geschnäuzt – eine Grippewelle hält die Region nach wie vor in beziehungsweise außer Atem. Wie viele Landkreis-Bürger tatsächlich betroffen sind, ist nicht bekannt – laut Michael Fischer, Pressesprecher am Landratsamt, sei erst im Laufe des kommenden Montags mit belastbaren Zahlen zu rechnen. Dennoch: In einigen Praxen scheint es regelrechte Invasionen zu geben.

„Momentan ist wahnsinnig viel los“, sagt Dr. Fritz Ihler, Sprecher der Hausärzte im Landkreis. Das gelte sowohl für seine Praxis, als auch für die vieler Kollegen. Der Grund: die Grippe und grippale Infekte, die bekanntermaßen oft fälschlicherweise als Grippe tituliert werden. Der Ansturm, den Ihler in seiner Praxis erlebt, ist indes nur ein Teil der Krankheitsfälle. „Wir müssen auch vermehrt Hausbesuche machen. Viele ältere Grippe-Patienten sind nicht mehr in der Lage, vorbeizukommen.“ Andere Patienten, also Nicht-Grippe-Erkrankte, verzichten sogar gänzlich auf den Praxis-Besuch. Aus gutem Grund. „Es herrscht erhöhte Ansteckungsgefahr.“

Impfungen nimmt Ihler nur im Einzelfall vor. Bis die Spritze Wirkung zeigt, vergehen in der Regel zwei bis drei Wochen. „Bis dahin ist die Grippe im Normalfall eh vorbei“, sagt der Allgemeinmediziner. Was bleibt, ist eine die Behandlung der Symptome, also Medikamente gegen Husten, Schnupfen und Fieber beziehungsweise Antibiotika im Falle einer zusätzlichen bakteriellen Infektion.

Alle Hände voll zu tun hatten auch der Oberarzt der Inneren Medizin am Romed-Klinikum Prien, Dr. Stefan Kommissari und sein Team. „Es war gefühlt mehr als in den Vorjahren“, sagt er. Gerade Ältere, darunter einige der 40 positiv getesteten Senioren eines Pflegeheims in Aschau, hätten gehäuft stationäre Behandlungen benötigt. Die Spitze der Krankheitswelle habe das Klinikum vor zwei bis drei Wochen erlebt. Inzwischen sei es ruhiger geworden. „Es ist gefühlt vorbei“, sagt Kommissari.

Nicht ganz so schlimm erwischt hat es offenbar Bad Aibling. Zumindest, was das Patienten-Aufkommen in der Praxis von Dr. Christoph Weinmann betrifft. Zwischen fünf und zehn Prozent aller Patienten seien an der Grippe, ebenso viele an grippalen Infekten erkrankt, erzählt ein Mitarbeiter. Was einem Großteil der Patienten erspart geblieben ist, hat dafür das medizinische Personal ereilt. Laut Ansage auf dem Anrufbeantworter mussten deshalb sogar die Öffnungszeiten der Praxis angepasst werden. Allerdings nicht wegen der Grippe. „Dagegen ist das Personal geimpft“, sagt der Mitarbeiter.

Bemerkbar macht sich die Krankheitswelle indes nicht nur bei Ärzten, sondern auch in den Apotheken. Von „gefühlt mehr“ Kunden, berichtet Christian Glasl, Betreiber der Marien-Apotheke in Wasserburg. „Aber nicht dramatisch. Der große Irrsinn ist es nicht“, sagt er und lacht. Schuld, so Glasl, seien nicht die Minusgrade. Zumindest die Bakterien, die einen grippalen Infekt verursachten, töte die Kälte sogar ab. Grippeviren allerdings nicht.

Momentan schnellen in der Marien-Apotheke vor allem die Verkaufszahlen von Sinupret und Gelomyrthol in die Höhe – wie immer, wenn die Grippe um sich greift. „Daran kann ich die Wellen der vergangenen Winter nachvollziehen“, so der Apotheker. BASTIAN HUBER

Artikel 5 von 11