Mangfalltal

Teure Bahnhofssanierung

von Redaktion

Kolbermoor – Keine einfache Baustelle – darüber sind sich Stadt und Architekt einig: Denn die Sanierung des Bahnhofsgebäudes hat es in sich. Immer wieder treten Verzögerungen auf oder sind Winkelzüge zu nehmen – zumeist begründet in den Vorgaben der Deutschen Bahn. Das führt zum einen zu Bauverzögerungen, aber auch zu Kostensteigerungen, wie der Stadtrat jetzt informiert wurde. Kolbermoor – Der Startschuss für die Sanierung des Bahnhofsgebäudes, das die Stadt erworben hat und in das künftig das BRK samt Rettungswache einziehen soll, war bereits im Jahr 2015: Damals begannen die ersten Entkernungsarbeiten, die, wie Architekt Gotthard Fellgiebel in jüngster Sitzung des Stadtrates erläuterte, auch schnell über die Bühne gingen. „Nach zwei, drei Monaten waren die Arbeiten abgeschlossen.“ Doch dann: erst einmal Stillstand. „Bei der Freimachung der Baustelle wurden uns dann sämtliche Steine in den Weg gelegt, die zur Verfügung waren“, berichtete Fellgiebel. Die Deutsche Bahn und ihre Abteilungen haben offenbar alle Register gezogen. Denn: Es galt eine ganze Menge Kabel, die rund ums Gebäude vergraben waren, zu versetzen; den Bahnsteigzugang zu verlegen (Einrichten der provisorischen Haltestelle); und den ehemaligen Telekommunikationsraum der Bahn im Bahnhof aufzulösen. „In dem Raum waren teilweise museumsreife Anlagen, aber jedes Kabel, das umgelegt werden sollte, gestaltete sich als hochkompliziert“, stöhnt der Architekt noch heute. Noch dazu: Es waren keinerlei Bestandspläne vorhanden. „Es wurden offenbar immer nur neue Kabel dazuverlegt“, vermutet Fellgiebel. Jeder Schacht, der geöffnet wurde, war Chaos pur. Die Zuordnung und das Umlegen zusammen mit Experten der Bahn habe letztendlich sehr viel Zeit in Anspruch genommen – und zudem hohe Kosten verursacht. Allein auf gut 150 000 Euro beziffert Fellgiebel die Ausgaben für das Verlegen der Kabel – plus ein Zeitverlust von zwei Jahren. „Der Bahnhof ist wie eine Wundertüte“, konnte Bürgermeister Peter Kloo die Ausführungen nur untermauern: „Eine Überraschung folgte auf die nächste durch die Deutsche Bahn, eine wirklich hochinteressante Baustelle.“ Erst im April vergangenen Jahres konnten dann die weiteren Abbrucharbeiten am Bahnhofsgebäude fortgesetzt – und schließlich mit dem „Unterfangen“ des Gebäudes begonnen werden: In diesem Zusammenhang wurde per Hochdruckinjektionsverfahren Beton unter das Gebäude gepumpt, um, da schlechte Bodenverhältnisse, den Untergrund zu stabilisieren. „Ein Verfahren, das gut funktioniert hat, das letzte halbe Jahr hat sich das Gebäude nicht einen Millimeter mehr gesenkt“, führte Fellgiebel aus. Zwei Jahre später als ursprünglich geplant ging es dann endlich mit den ersten Rohbauarbeiten los: mit dem Anbau auf der Nordseite des Bahnhofs und wenig später auch im Gebäudeinneren mit der Erneuerung der Fundamente und der Grundleitungen, dem Einbau von Innenstützen und dem Errichten einer neuen Erdgeschossdecke. Letztere ist nach den Worten des Architekten aus Beton gegossen und mit Fachwerkträgern aus Stahl versehen. Die Zwischenwände im Obergeschoss sind nun in Trockenbauweise geplant – um auch für die Zukunft flexibel zu sein, falls einmal Umnutzungen anstünden, wie Fellgiebel ausführte. Wiederhergestellt wurden überdies die alten, längst zugemauerten Fensteröffnungen, um dem Gebäude seinen historischen Charakter zurückzugeben. Der Abschluss der Rohbauarbeiten ist für April 2018 vorgesehen. Dann folgen der Innenausbau und das provisorische Anlegen der Außenanlagen rund um den Bahnhof und die im Osten geplante neue Fahrzeughalle für das BRK. Sämtliche Arbeiten sollen nach dem aktuellen Zeitplan bis Jahresende abgeschlossen sein – womit der Bahnhof dann ab Januar 2019 bezugsfertig wäre und eröffnet werden könnte, inklusive des geplanten Cafés, für das die Stadt derzeit auf der Suche nach einem Betreiber ist. In Bezug auf die Kostenentwicklung hatte der Architekt indes keine guten Nachrichten: Er rechnet mit einer Steigerung von etwa 15 Prozent von ursprünglich 2,4 auf etwa 2,8 Millionen Euro – was zum einen der Zeitverzögerung durch die allgemeine Baukostensteigerung geschuldet ist, zum anderen den Zusatzausgaben für den Rückbau und die Leitungsverlegungen von DB-Anlagen (rund 150 000 Euro). Bis dato sind nach den Worten von Fellgiebel etwa 85 Prozent der Bauleistungen vergeben; zuletzt die Gewerke Heizung, Lüftung, Sanitär und Elektro. Den Zuschlag erhielten bereits in jüngster Sitzung des Bauausschusses folgende Firmen mit dem jeweils günstigsten Angebot: das Gewerk Heizung die Firma Weinzierl aus Bernau (225 000 Euro), Sanitär die Firma Seethaler aus Kolbermoor (knapp 132 000 Euro), Elektro die Firma Duschl aus Kolbermoor (276 000 Euro) und Lüftung ebenfalls die Firma Weinzierl aus Bernau (82 000 Euro). Seinen Unmut über die Sanierung des Bahnhofsgebäudes brachte in der Sitzung noch einmal CSU-Fraktionsvorsitzender Sebastian Daxeder an – seine Fraktion hatte sich, wie berichtet, bereits im Vorfeld gegen die Sanierung und für einen Neubau ausgesprochen. „Was der Erhalt jetzt kostet, da wird mir ganz schwindelig“, kritisierte er jetzt. Noch dazu, wo vermutlich eine Menge Kompromisse einzugehen sind. „Das ist nicht zu rechtfertigen.“ „Durchaus“, entgegnete Architekt Fellgiebel: Schließlich handle es sich um ein für Kolbermoor nicht unbedeutendes historisches Gebäude, weshalb die Sanierung unter dem Aspekt Städtebau zu betrachten sei – und eben nicht rein wirtschaftlich gesehen werden könne. „Zu guter Letzt geht es auch um das Ensemble Heimatmuseum, St.-Anna-Apotheke und Bahnhof“, ergänzte der Planer. Überdies wies Fellgiebel die Mutmaßung bezüglich Einschränkungen zurück – das sei nämlich nicht der Fall: weder bei der Nutzung des Gebäudes noch, was den energetischen Standard anginge. „Das Gebäude ist bautechnisch wie ein Neubau“, unterstrich der Architekt. Und bezüglich der Kostenfrage erklärte Fellgiebel: Auch bei einem Neubau hätten die Bahn-Kabel umverlegt werden müssen, sicherlich noch in einem viel größeren Ausmaß, was ebenfalls immense Gelder verschlungen hätte. Hinzu komme, dass die Stadt für die Sanierung staatliche Zuschüsse in Höhe von gut einer Million Euro im Rahmen der Städtebauförderung erhalte, ergänzte diesbezüglich noch Dieter Kannengießer (Parteifreie), der den Erhalt des Bahnhofs ausdrücklich lobte.

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