chiemgau

Anschließen statt abschließen

von Redaktion

Prien – Es ist einer der „Klassiker“: Man will nach dem Baden zu seinem Radl zurück, dass man ordnungsgemäß im Radlständer geparkt hat – und findet nur noch das Vorderrad samt Schloss. „Anschließen statt nur abschließen“ rät die Polizei, damit das nicht passiert. Gestern gaben Priener Beamten Tipps, wie man sich vor Fahrraddiebstählen schützt.

Am Mittwoch wurde in Ernsdorf ein 4800 Euro teures E-Bike gestohlen. Es war unversperrt vor zehn Minuten an einen Gartenzaun gelehnt, erzählte stellvertretender Inspektionsleiter Stefan Jaworek am Infostand der PI Prien gestern Mittag vor dem Rathaus. Auch ein Klassiker: Unversperrte Räder sind leichte Beute, auch zwei Minuten vor der Bäckerei beim Semmeln holen können da schon zu lang sein. „Die Mühe sollte man sich schon machen“, rät Jaworek.

Denn wenn das Rad einmal weg ist, ist die Chance nicht groß, es wieder zu bekommen. Aus der niedrigen Aufklärungsquote bei Fahrraddiebstählen machten Jaworek, Toni Schauer und Wolfgang Schlemer am Infostand kein Hehl.

Die Aufklärungsaktion gestern hatte einen konkreten Hintergrund: Das Zentralregister, in dem alle Räder in der Region erfasst war, deren Daten bekannt waren, wurde abgeschaltet. Zu groß war der Verwaltungsaufwand in der Relation zum Nutzen der Datenbank. Deshalb wird Radlbesitzern mehr denn je empfohlen, einen Fahrradpass auszufüllen, um im Falle eines Falles Daten für die Fahndung liefern zu können. Den kostenlosen Flyer mit dem Vordruck gibt es in der Inspektion. „Die meisten wissen die Marke und die Farbe, das war´s“, weiß Schauer aus Erfahrung. Im Pass stehen weit mehr Angaben, vor allem auch die individuelle Rahmennummer, vergleichbar der Fahrgestellnummer eines Autos. Sie ist nicht leicht zu finden. Sie steht meist am Lenkerkopf, am Rahmensitzrohr oder an der Unterseite des Tretlagers.

Den Fahrradpass gibt es übrigens auch als App fürs Handy kostenlos im App Store und bei Google Play. Er gilt allerdings nicht als Eigentumsnachweis, was wichtig werden kann, wenn nach einem Diebstahl der Schaden der eigenen Versicherung gemeldet wird. Den Verlust ersetzt zu bekommen, ist nicht selbstverständlich, wissen auch die Beamten. Auf der sicheren Seite ist, wer daheim ein gut sortierte Anlage hat – wie Toni Schauer. Ihm wurde vor nicht allzu langer Zeit sein zehn Jahren altes Mountainbike gestohlen, erzählte er im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Weil er den Kaufbeleg noch hatte, bekam er den Schaden anstandslos ersetzt.

75 Räder wurden aktenkundig nach PI-Angaben 2017 im Einsatzgebiet zwischen Höslwang und Sachrang entwendet, wobei anzunehmen ist, dass es noch eine Dunkelziffer gibt, weil manche einen solchen Diebstahl gar nicht erst anzeigen. Ab und an machen organisierte Banden die Region unsicher, die es auf Drahtesel abgesehen haben, Schlemer erzählt von einer kleinen Serie von Diebstählen aus Tiefgaragen in jüngerer Vergangenheit, Schauer erinnert sich, dass eine Zeitlang Fahrradgeschäfte Ziel spezialisierter Täter waren.

Wer auch Nummer Sicher gehen will, investiert ein paar Euro mehr in ein qualitativ hochwertiges Bügelschloss, empfehlen die Spezialisten. Wer unterwegs ist, sucht sich einen festen Platz, um sein Rad dort festzumachen. Wenn kein Radlständer in der Nähe ist, tut es zum Beispiel beim Baden am See jetzt im Sommer auch ein Baum, empfiehlt Schauer aus Erfahrung. db

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