Feldkirchen-Westerham – Aus der E-Ladesäule am Feldkirchen-Westerhamer Rathaus soll weiter Strom für Elektroautos fließen. Wie sie genau betrieben wird, wenn im September die Förderung für die E-Tankstelle ausläuft, ist aber noch unklar. Im Raum steht eine Vereinsgründung mit anderen Kommunen. Diese scheiterte jedoch bisher an der Besetzung der Vorstandschaft.
Zwar hatten sich die nötigen sieben Mitgliedsgemeinden für die Vereinsgründung gefunden. Doch keine wollte den Posten des zweiten Vorstands übernehmen, schilderte Barbara Birner (Grüne) in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Bereits im März hatte Matthias Trenkler, Leiter des Projekts „Landmobile“, dem Umweltausschuss das Vorhaben vorgestellt (wir berichteten). Das Gremium hatte dann einen Antrag des AK „Energie“ befürwortet: Die Verwaltung soll ein Konzept für die künftige Nutzung der Ladesäule ausarbeiten. Das beinhaltet etwa auch die Frage, ob der Strom weiter kostenlos sein soll. Der Gemeinderat bestätigte den Beschluss nun einstimmig.
Über die Ausgestaltung eines gemeinnützigen Vereins und mögliche Bezahlsysteme hatte Trenkler den Umweltausschuss in dessen jüngster Sitzung genauer informiert. Er begleitet insgesamt zwölf Gemeinden, deren Ladesäulen vom Amt für ländliche Entwicklung (ALE) Oberbayern gefördert wurden.
Der Verein würde, wie berichtet, Anbieter für die Erfassung von Ladevorgängen und Störungen, Wartung, gegebenenfalls die Abrechnung des Stroms und den Betrieb einer Servicehotline suchen. Diese würde jedoch wohl nicht rund um die Uhr erreichbar sein. „Das gehört aber dazu“, kritisierte Josef Kammerloher (Pro Bürger). Die Hotline sei ein Kostenfaktor, hielt Trenkler dagegen. Auch werde sie erfahrungsgemäß wenig genutzt.
Die Leistungen des Vereins würden durch Beiträge der Kommunen finanziert. Diese würden mit der Anzahl der Mitglieder sinken – und wären laut Trenkler billiger als ein „Alleingang“. Damit wären auch Verwaltungskosten, Haftpflichtversicherung und die Bildung einer Rücklage abgedeckt. Die Stromkosten würde jede Gemeinde selbst zahlen. Sie hängen unter anderem vom Verbrauch ab – und dieser sinke erfahrungsgemäß deutlich, wenn E-Autofahrer fürs Tanken zahlen müssten, so Trenkler. Den Verkaufspreis für den Strom könnten die Kommunen festsetzen.
Wie bereits in mehreren vorherigen Sitzungen plädierte Bürgermeister Hans Schaberl dafür, ein EC-Karten-Lesegerät an der Säule nachzurüsten, damit Kunden so einfach wie möglich zahlen könnten. „Wahnsinn“ und Schwachsinn“ sei es, dass „jede Säule ein anderes System“ mit jeweils eigenen Karten habe. Laut Trenkler ist ein nachträglicher Einbau schwierig. Er wird der Gemeinde jedoch Angebote für den Einbau verschiedener Bezahlsysteme machen.
Schaberls Meinung teilten Ratsmitglieder wie Kammerloher und Heinz Oesterle (SPD), während Birner anführte, dass E-Auto-Fahrer an viele verschiedene Bezahlsysteme gewöhnt seien. Einen gänzlich anderen Vorschlag machte in der Gemeinderatssitzung Sebastian Höss (FW Gesamtgemeinde) – nämlich die Säule unverändert zu lassen: „Momentan gibt es in Deutschland kein funktionierendes, geeichtes Bezahlsystem. Ich würde die Finger davon lassen.“
Drei Möglichkeiten für die Gemeinde sah Christiane Noisternig (CSU): „Wir verschenken den Strom, wir verlangen Geld dafür, oder wir stellen ein Schild auf: nicht mehr benutzbar.“ Die dritte Lösung schloss sie gleich wieder aus. Für „Variante 2“ sprach sich Oesterle aus, während Franz Bergmüller (Pro Bürger) für die erste Alternative argumentierte. „Die Entwicklung in dem Bereich überschlägt sich“, sagte er. Möglicherweise würden Unternehmen bald viel mehr E-Ladesäulen errichten. Damit könne die Gemeinde dann nicht konkurrieren. Derzeit befinde man sich jedoch in einer Übergangszeit. „Und dafür haben wir die Säule zur Verfügung gestellt.“