Der Internationale Bund kann seine Einrichtung in Wasserburg nennen, wie er mag – und es gab in 30 Jahren den einen oder anderen Namenswechsel -, für die Wasserburger ist und bleibt es „die Traube“. „Das ist zu einer eigenen Marke geworden“, tröstete Bürgermeister Michael Kölbl die Verantwortlichen des IB. Zwei Tage vor Weihnachten 1988 zog der erste Bewohner ins ehemalige Hotel „Zur Traube“ ein. Im Laufe von drei Jahrzehnten wurden es mehrere Hundert. Einige konnten bald weiterziehen, andere blieben und wurden Wasserburger, starben hier. Längst wohnen die Männer nicht mehr nur in der Traube am Heisererplatz. Ein Dutzend in drei Gruppen hat Wohnungen oberhalb der Polizei am Kaspar-Aiblinger-Platz bezogen. Und zur Ergotherapie gehen sie ins Erdgeschoss des Pfarrzentrums in der Färbergasse. In den 30 Jahre IB-Wohnungslosenhilfe hat sich auch das Konzept des Hauses verändert. Zunächst stand die reine Betreuung von Männern mit sozialen, psychischen und Suchtproblemen im Vordergrund. Vor zehn Jahren dann der Quantensprung: Die Wiedereingliederung in die Gesellschaft, in die Selbstständigkeit rückte in den Mittelpunkt. Was mehr Personal und andere Angebote erfordert. Deswegen kamen zum Beispiel die Ergotherapie und ein psychologischer Dienst hinzu. Mit sieben Mitarbeitern hatte es angefangen, heute sind es 22. Cornelia Schmidt ist von Anfang an dabei. Und eine ehemalige Mitarbeiterin engagiert sich heute als Ehrenamtliche, macht unter anderem Spieleabende mit den Männern. Thomas Fuß, der Leiter des Hauses, und Thomas König, der Regionalleiter für Südbayern, waren sich bei der „Geburtstagsfeier“ im Pfarrzentrum einig: Die Zusammenarbeit mit der Stadt Wasserburg funktioniert. „Die Stadt Wasserburg gehört zu den Leuchttürmen bei der Wohnungslosenhilfe. Ich führe sie immer als hervorragendes Beispiel an“, so König. „Die Wege sind kurz, die Lösungen oft nah“, so Fuß. So, als vor ein paar Jahren der Brandschutz fast zu einer Schließung des Heimes in dem 400 Jahre alten Haus am Heisererplatz geführt hätte. Da klinkte sich der Bürgermeister nicht nur in die Gespräche mit dem Vermieter ein, die Stadt stellte, zur Entspannung der Lage, auch die Wohnungen über der Polizei zur Verfügung. Kölbl gab die lobenden Worte gerne zurück: Der IB und seine Mitarbeiter bieten Heimat, Struktur und geben den Männern Würde. Und sie pflegen den Kontakt zu Öffentlichkeit. „Ich war heute bei ihren Nachbarn, die diamantene Hochzeit hatten: Die sind sehr zufrieden mit Ihnen.“ Generell sei die Akzeptanz in der Stadt gut, die Männer gehörten zum Stadtbild dazu. Bestes Beispiel dafür: Der fast legendäre Schlagzeuger Ossi, für den sogar Geburtstagskonzerte organisiert wurden, damit er mal wieder Musik machen konnte. Heue lebt Ossi, der täglich mit auf dem Rücken verschränkten Händen und verschmitzten Gesicht in der Stadt unterwegs war, in einem Pflegeheim. Natürlich in der Stadt, er ist ja längst Wasserburger. Und Ossi hätte an der Musik bei der Feier seinen Spaß gehabt, denn Ben Leinenbach war mit einer kleinen Besetzung des ABM-Orchesters gekommen und die Truppe brachte – wie immer – die Füße der Gäste zum Wippen.