Mühldorf – Am Sonntag wird die Uhr vorgestellt, es ist eine der letzten Zeitumstellungen, bevor in zwei Jahren in der EU eine einheitliche Zeit eingeführt wird. Über das Für und Wider wurde lange gestritten, die Heimatzeitung hat Landwirte befragt. Wenn am Sonntag die Uhren umgestellt werden, bringt das Christian Mittermüller nicht um seinen Schlaf. Der Landwirt aus Erharting hat erst vor einigen Jahren einen topmodernen Laufstall mit Melkroboter gebaut. Die 50 Milchkühe lassen sich immer dann vom Roboter Milch abzapfen, wann ihnen der Sinn danach steht. „Und da spielt die Zeitumstellung keine Rolle. Es ist egal, ob sie das um 5 Uhr oder erst um 6 Uhr machen.“ Doch auch früher, als Mittermüller noch einen Stall mit Anbindehaltung hatte, blieb der 39-Jährige gelassen, wie er erzählt. Er könne nicht sagen, dass die Kühe rebelliert hätten, wenn sie eine Stunde länger auf die Melkmaschine zu warten hatten. Und spätestens nach einer Woche hätten sich die Kühe auch an die neue Zeit gewöhnt. Eine Stunde hin oder her – damit seien Milchvieh oder Kälber auch dann konfrontiert, wenn siliert werde. „Das ist wetterabhängig. Und dann kann es gut sein, dass man ebenfalls nicht auf die Minute pünktlich im Stall steht. Dann müssen auch mal die Kälber aufs Futter warten“, sagt Mittermüller. Auch wenn sein Erhartinger Kollege gelassen mit dem Thema umgeht, steht für Johann Bauer, Vorsitzender der Micherzeugergemeinschaft (MEG) fest: „Ich würde die Abschaffung sehr begrüßen.“ Genau wie Menschen müssten die Tiere ihre innere Uhr umstellen. „Was glauben Sie, passiert, wenn ich am Sonntagmorgen eine Stunde früher in den Stall komme?“, fragt er. „Dann sind die noch nicht aufs Melken eingestellt.“ Unter Druck könnten die Landwirte kommen, bei denen der Milchlaster schon um acht Uhr vor der Tür stehe. Dann müsse gemolken sein, egal, ob die Uhr vorgestellt wurde – oder eben nicht. Deshalb fände es Franz Esterl gut, wenn der Transporter nicht vor neun Uhr auf den Hof führe. 60 Milchkühe hat der Schönberger täglich zu melken, 100 Minuten dauert es, bis der Milchtank voll ist. Deshalb muss er seine Kühe ab Sonntag eine Stunde früher in den Melkstand locken: „Einige machen es von selbst, andere hingegen halten sich an ihre innere Uhr. Da muss man dann etwas nachhelfen.“ Das gehe knapp eine Woche so. „Dann haben sich auch die Kühe an die Zeitumstellung gewöhnt.“ Grundsätzlich, sagt Hans Vorderwestner vom Landwirtschaftsamt, gilt für Tiere eine andere Richtschnur als für Menschen. Vorderwestner, der im Landwirtschaftsamt für Rindviehcher zuständig ist, auf seinem Hof auch Hühner hält, weiß: „Die Tiere orientieren sich am Sonnenaufgang und Sonnenuntergang.“ Oder, plastischer ausgedrückt: „Der Hahn kräht, wenn’s hell wird. Ob der Mensch die Uhr umstellt, ist ihm dann egal.“ In großen Betrieben mit Legehennen laufe ein Lichtprogramm, das Tag und Nacht simuliere, auf den meisten Bauernhöfen könnten Tiere dann zum Fressen kommen, wenn sie Hunger hätten. Außerdem veränderten viele Landwirte Melk oder Fütterungszeiten über einen längeren Zeitraum. „Für Tiere ist das kein großes Problem.“ Bleibt der Mensch. Und da sind Landwirte wie alle anderen auch: Die einen mögen die Zeitumstellung, die anderen nicht. Die einen fluchen, wenn es morgens noch eine Stunde früher aus den Federn geht, die anderen genießen das längere Abendlicht.