Gars – Was mich freut, was mich ärgert; Fritz Gottwald kämpft für den Erhalt. „Seit Jahren kämpfen wir Mittergarser um den Erhalt dieses Bahnhaltepunktes, denn das ist ein Verkehrsmittel der Zukunft“, ärgert sich Fritz Gottwald über die angekündigte Schließung des Bahnhaltepunktes Mittergars (wir berichteten). Im Zuge des Fahrplanwechsels wird ab Dezember kein Zug mehr an dieser Haltestelle halten. Die Bürger müssen nach Jettenbach und nach Gars-Bahnhof ausweichen.
Haltenzeiten nicht bürgerfreundlich
Und das stinkt Gottwald ganz gewaltig. Erzürnt wendet er sich an die Wasserburger Zeitung. Erfordert, dass sich „Staat, Landratsamt und Gemeinde Gars für die Bürger auf dem Land um den Erhalt dieses Verkehrsanschlusses massiv einsetzen“. Doch das Gegenteil sei der Fall, so der Mittergarser. Den Bürgern werde unterstellt, „dass wir das Bahnangebot zu wenig nutzen“. Das sei nicht richtig, bestenfalls eine Halbwahrheit. Denn die wenigen Haltezeiten sorgten dafür, dass man die Bahn nicht wirklich nutzen könne. Er und seine Frau haben ein Auto eingespart. Sie fahre täglich in der Früh mit dem Zug von Mittergars nach Waldkraiburg zur Arbeit. Und ihr fallen diverse Mängel auf.
Barrierefreier Einstieg nicht möglich
Problematisch sei das Fehlen eines Fahrkartenautomaten in Mittergars. Man muss sich, so Gottwald, im Zug melden und nachlösen. „Viele trauen sich nicht ohne Karte in den Zug einsteigen“, hält er fest. Einen barrierefreien Einstieg gibt es nicht. So könne ein behinderter Mensch in Mittergars oder an vielen anderen Haltestellen nicht einsteigen – und müsse umdisponieren, was auch wieder Leute abhält, in Mittergars den Zug zu nehmen, sagt er hinsichtlich der „zu geringen Fahrgastzahlen“. Thema Radl: Im Zug befinden sich mittlerweile so viele Fahrradfahrer, dass es kaum mehr Platz gibt. „Aber wie sollte man anders oft vom Bahnhof zur weit entfernten Arbeitsstelle kommen, wenn man kein Fahrrad dabei hat?“, stellt Gottwald in den Raum. Zu Fahrzeiten seien pendlerunfreundlich. Nachmittags könne seine Frau nur um 14.42 Uhr, 16.33 Uhr und um 21.15 Uhr in Mittergars aussteigen. Dazu müsse sie teilweise von Waldkraiburg aus an Mittergars vorbei nach Gars fahren, auf den Gegenzug warten und mit diesem nach Mittergars fahren. Das koste auch einen Aufpreis. „Allein die Fahrt von Mittergars über acht Minuten nach Waldkraiburg kostet drei Euro. Mit Umweg über Gars bis zu 4,60 Euro – für die einfache Strecke.
Mittergars ist am Wachsen
Wer in Mittergars nicht ein- oder aussteigen kann und den Umweg mit dem Auto nach Gars fahren muss, „fährt in der Regel dann gleich mit dem Auto weiter. Mit diesen rudimentären Haltezeiten und hohen Fahrpreisen kann heute kaum mehr jemand in die Bahn gelockt werden. Da kauft man sich ein Auto und die Bahn hat einen Kunden weniger“, ärgert er sich. Weil es für Mittergars seit Jahrzehnten keine Garantie für den Erhalt des Bahnhaltepunktes gebe, planen viele ihr Leben ohne die Bahn und kaufen sich ein Auto, ist der Mann überzeugt. „Bei einem dichter getakteten und verlässlichen Bahnangebot würde das anders aussehen.“ Zudem sei Mittergars am Wachsen. Viele Bürgern bräuchten zukünftig die Bahn, insbesondere Familien, ältere Leute und Berufspendler. Außer der Bahn und der Schulbusse habe Mittergars keinen Zugang zum ÖPNV. Darum sagt Gottwald, „wir brauchen den Bahnhaltepunkt“.
Zugreisende müssen Anschlüsse erwischen
Auf Nachfrage bei der Deutschen Bahn erklärt ein Sprecher, der Garser Bürgermeister sei seitens der SOB-Geschäftsleitung bereits im April von der geplanten Schließung des Haltepunktes Mittergars informiert worden. Die Schließung des Haltepunktes wurde zuvor mit der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) abgestimmt, die in Bayern den Schienenpersonennahverkehr plant, finanziert und überwacht. Auch der aktuelle Fahrplan mit den vier Bedarfshalten in Mittergars wurde von der BEG so bestellt. Er nennt als wichtige Zwangspunkte auf der Bahnstrecke Mühldorf-Wasserburg-Rosenheim vor allem die Anschlüsse in den Knotenbahnhöfen Mühldorf und Rosenheim. Die Strecke sei nur eingleisig – das bedeutet, dass sich Züge nur an bestimmten Bahnhöfen begegnen und aneinander vorbei fahren können. „Damit die Fahrgäste in Mühldorf und Rosenheim ihre Anschlüsse erreichen, kann der Zug nicht an allen Stationen halten. Betroffen davon sind Halte in Jettenbach, Mittergars und Soyen, weil dort im Vergleich zu den anderen Stationen das Fahrtgastpotenzial am geringsten ist“, sagt der Bahnsprecher. Ebenso: „Häufigere Halte in Mittergars gibt der Fahrplan einfach nicht her.“ Bei der geringen Zahl von Ein- und Aussteigern sei in dieser Gemeinde ein Fahrkartenautomat, der beispielsweise immer auch einen Internetanschluss haben müsse, nicht finanzierbar. Für die Deutsche Bahn kein Thema, denn „die Fahrgäste können schließlich in allen Zügen beim Schaffner einen Fahrschein ohne Aufpreis nachlösen“, heißt es aus der Pressestelle. Das reicht dem 58-jährigen Gottwald nicht. Er hat einen Brief an die BEG, an Bürgermeister Strahllechner, an den Gemeinderat, ans Landratsamt Mühldorf und an den MdL Dr. Marcel Huber geschrieben.