Wasserburg – Die ersten 290 Quadratmeter sind bereits angemietet. Und die Volkshochschule (Vhs) machte bei ihrer Mitgliederversammlung auch keinen Hehl daraus, dass sie gerne vollständig in das Polizeigebäude am Kaspar-Aiblinger-Platz umziehen würde. Die Polizei wird das Haus, wie berichtet, verlassen und soll Ende 2021 in einen Neubau in der Burgau umziehen. Der Vorsitzende der Volkshochschule Wasserburg, Jürgen Schulan, informierte die Mitglieder über die Anmietung von Räumlichkeiten im Polizeigebäude, die Anfang September bezogen werden. Die Volkshochschule übernimmt die Areale, die bisher von der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde Koinonia genutzt wurden. „Ein großer Raum und mehrere kleine mit Umkleidemöglichkeiten stehen uns nun zur Verfügung“, bemerkte Schulan. In einem Teil könne auch eine Werkstatt eingerichtet werden. „Das ist wirklich eine sehr gute Lösung für uns“, freute sich der Vorsitzende. Der Mitvertrag sei zunächst auf zwei Jahre befristet. „Wir haben gegenüber der Stadt unser Interesse bekundet, vollständig in das Gebäude am Kaspar-Aiblinger-Platz umzuziehen, wenn die Polizei ganz rausgeht“, so Schulan. Entschieden sei in dieser Angelegenheit aber noch nichts, es gebe auch andere Bewerber. Kein Wunder: Die Räumlichkeiten liegen im Zentrum der Stadt. Nach den Worten Schulans geht es der Vhs Wasserburg finanziell gut. Er wies aber auch auf höhere Ausgaben hin, die auf sie zukämen – unter anderem wegen der räumlichen Erweiterung. Geplant ist die Einstellung einer pädagogischen und einer weiteren Kraft auf 450-Euro-Basis. Erfreut äußerte sich Schulan darüber, dass die Teilnehmergebühren zu 50 Prozent zur Finanzierung der Vhs beitragen würden – deutlich mehr als im Schnitt der Volkshochschulen bundesweit. „Das spricht für die Akzeptanz und die gute Nachfrage unserer Kurse.“ 2018 nahmen 4557 Bürger an 437 Veranstaltungen teil. Schulan unterstrich aus Anlass der bundesweiten Gründung der Volkshochschule vor 100 Jahren die Bedeutung der Institution und betonte insbesondere die Leistungen nach dem Zweiten Weltkrieg auf Drängen der Alliierten. Damals hatte es eine Welle von Neugründungen gegeben, darunter die VHS Wasserburg im Jahr 1947. Inzwischen gebe es bundesweit 900 Volkshochschulen mit neun Millionen Teilnehmern. Die Volkshochschule, so Schulan in einem Rückblick auf deren Verdienste, habe alle Veränderungen im politischen, gesellschaftlichen, technischen und wirtschaftlichen Bereich gut überstanden. „Das will was heißen.“ Die Institution habe zudem seit Bestehen die Demokratie gefördert – eine Anlaufstation für den gebildeten, mündigen, neugierigen, informierten Bürger: „Der ist der Schlüssel zur Demokratie und auch der Garant dafür.“ Zudem hätten die Volkshochschulen eine große Rolle in der Integrationspolitik gespielt. „Und sie werden auch in Zukunft eine Rolle spielen, wenn es um Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Umweltschutz geht.“ Diese Themen bestimmen auch den aktuellen Semesterschwerpunkt „Zusammenleben. Zusammenhalten“. Schulan betonte auch den umfassenden Weiterbildungsauftrag der Institution. Vhs-Geschäftsführerin Dr. Agnes Matrai kündigte an, dass sich die Bildungseinrichtung am 20. September der bundesweiten Aktion „Die lange Nacht der Volkshochschulen“ aus Anlass des 100-Jahr-Jubiläums anschließt – mit einer großen Palette an Schnupperkursen.