WASSERBURG & REGION

Alles, was der Speicher hergibt

von Redaktion

Wasserburg – Auch das gibt’s: Ein schwarzes Herrenfahrrad, Baujahr 1934, für 100 Euro. Ob Geweihe, Besteck, Bücher, Kerzenständer, Gläser, Vasen, Kaffeekannen, Lampen, Kinderspielzeug, Schaukelpferde, Schmuck, fernöstliche Figuren und natürlich jede Menge Klamotten und Schuhe – neugierig durchstöbern die Kauflustigen den Trödel auf dem Nachtflohmarkt. Wer die Augen schweifen lässt, versinkt in einer Warenwelt. Am Freitagabend verwandelt sich die Wasserburger Innenstadt zu einem Paradies für Schnäppchenjäger. Tausende Besucher wollen all das bestaunen, was die Speicher hergeben. Und zugegriffen wird auch: Die Geschäfte laufen insgesamt gut. Und so manches, was längst vergessen scheint, wird wieder zum Renner. Schallplatten zum Beispiel. „Sammer z’friedn“, sagt die Verkäuferin Annika an einem Stand mit Kindersachen. „Hier ist es immer ganz speziell“, so ihre Beobachtung. „Es gibt Leute, die kommen schon um drei Uhr nachmittags und fragen, wann der Nachtflohmarkt losgeht.“ Es gibt freilich auch viele Besucher, die nur das muntere Treiben in der Altstadt beobachten wollen, mit einem Plausch hier und dort. Es ist ein Markt mit Charme seit vielen Jahren. Das Wetter spielt perfekt mit – der Wind hat rechtzeitig die dunklen Wolken vertrieben. So hat auch Sepp Christandl, Vorsitzender des veranstaltenden Theaterkreises Wasserburg, Grund zur guten Laune. „Wenn’s gut läuft, kommen bis zu 10 000 Leute“, sagt er am frühen Abend. In der Tat: Schon um 20 Uhr herrscht Gedränge in der Salzsenderzeile. 350 bis 400 Stände sind laut Christandl aufgebaut worden, so viele wie im Vorjahr. „Wir sind gut belegt, es ist voll. Aber ich hab’ die Sicherheit immer im Blick.“ 30 bis 40 Ordner hat er an seiner Seite. Bei den wenigen kommerziellen Anbietern – sie dürfen auf dem Nachtflohmarkt eigentlich nicht verkaufen – drückt der Veranstalter ein Auge zu. „Die bringt man ja nicht raus.“ Gegen 21 Uhr wird es dunkel, Kerzen werden angezündet, bei Handys wird die Leuchtfunktion eingeschaltet, eine Frau inspiziert Kleider mit einer Stirnlampe. An den Imbissbuden und am Bierausschank werden die Schlangen länger. Der Markt ist offiziell von 18 bis 6 Uhr geöffnet, doch der Verkauf ebbt ab 22 Uhr langsam ab. In den frühen Morgenstunden ist Christandl noch einmal gefordert, um den Abbau der Stände in geordnete Bahnen zu lenken.

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