WASSERBURG & REGION

„Eine Mordsgaudi war das damals“

von Redaktion

Wasserburg – Das Eislaufen feiert Wiederauferstehung in Wasserburg: Ab nächsten Freitag, 29. November, kommen die Schlittschuhfans und Stockschützen in der Herrengasse auf ihre Kosten, denn dort wird der „Wasserburger Eiszauber“ – eine Veranstaltung im Rahmen des Christkindlmarktes – stattfinden. Die Begeisterung für das Schlittschuhfahren hat bei den Innstädtern Tradition: Schon in den 50er- bis Anfang der 70er-Jahre stand ihnen eine Eisbahn zur Verfügung – und zwar auf dem Parkplatz Am Gries, gleich bei der Grundschule Wasserburg.Stilla Rimsberger, Jahrgang 1945, die heute bei Babensham lebt, gehörte zu den Eisläuferinnen der ersten Stunde. Ihr Vater Karl Oberhuber war der Betreiber der Bahn Am Gries, die täglich Dutzende anlockte. Er hatte damals keine Arbeit und war froh, als sich Josef Bauer, der Molkereichef, an ihn wandte: „Du kannst dir was verdienen, indem du für das Eis sorgst“, lautete das Angebot des früheren Klassenkameraden. Profitieren sollte von dem Sportangebot vor allem der TSV 1880 Wasserburg. Immer wieder dröhnte „Die Fischerin vom Bodensee“ Oberhuber nahm gerne an, er baute eine Maschine, mit der er das Eis präparieren konnte, sorgte für die Absperrung des Platzes, kümmerte sich um das ganze Drumherum. Und er zog sich auch selber gern Schlittschuhe an. „Um sechs Uhr in der Früh hat mein Vater schon angefangen“, erinnert sich Stilla Rimsberger. Am Kiosk gab es Süßigkeiten vom Lebensmittelgeschäft Kasenbacher, in dem Holzverschlag war auch Platz für eine kleine Umkleide. Immer dieselbe Musik – „Die Fischerin vom Bodensee“ – dröhnte aus dem Lautsprecher. Den Beginn kann Stilla Rimsberger nicht mehr genau datieren – es war auf jeden Fall in den frühen 50er Jahren. Langsam vorbei ging es mit dem Vergnügen Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre. Die Konkurrenz durch das Rosenheimer Eisstadion machte sich immer stärker bemerkbar und die Winter waren auch nicht mehr so kalt. Aber Stilla Rimsberger weiß noch, dass die Wasserburger Bahn in ihren besten Zeiten täglich bis 22 Uhr geöffnet war. Eine anstrengende Arbeit für den Vater. Zu den Wasserburger Eislaufbegeisterten gehörte auch Johann Mittner (82): „Ich bin jeden Tag gelaufen, bis die Steine rausgeschaut haben“, erzählt er mit leuchtenden Augen. „Eine Mordsgaudi war das damals.“ Ein Freizeitspaß, der auch bei anderen älteren Innstädtern nostalgische Gefühle weckt. Dorle Irlbeck, 83, schwärmt gegenüber unserer Zeitung: „Schee war’s!“ Vor dem Krieg, erinnert sie sich, habe man auch auf dem Inn Schlittschuh fahren können, auf der Höhe der Kapuzinerinsel. „Damals war es ja auch viel kälter.“ Der Wanderexperte des Alpenvereins, Sektion Wasserburg, Max Seitz, 74, erzählt: „Ich war leider nur einmal da, mit geliehenen Schlittschuhen.“ Der Zweite Bürgermeister Werner Gartner (67) berichtet, „wie schön das war, als wir als Jugendliche auf der Eisfläche herumtollten“. Am Gries habe sich die ganze Stadt getroffen. Hingefallen sei er oft: „Das war hart.“ Die Älteren seien brav im Kreis gefahren, die Jüngeren kreuz und quer. Gartner erinnert sich, dass die Eislaufbahn die Hälfte des Platzes einnahm, die andere Hälfte war für die Eisstockschützen. Stadtführerin Irene Kristen-Deliano ergänzt: „Da liefen die Mädchen in kurzen Röckchen bei flotter Musik. Prima war für uns, dass man allein hindurfte – die Eltern haben uns einfach da a bgesetzt.“

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