Prien – Seit fast 25 Jahren ist sie in der Vorstandschaft des Katholischen Frauenbundes, seit fast 40 Jahren im Planungsteam und Leiterin eines Freundeskreises für Menschen mit und ohne Behinderung, und auch in der Pfarrgemeinde Maria Himmelfahrt hat sich Edda Eder verdient gemacht. Für dieses große Engagement erhielt die Prienerin jetzt das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten. Beim Festakt in München war sie unter den 90 Frauen und Männern, denen Markus Söder die Auszeichnung überreichte. Natürlich, so sagt Edda Eder auf Nachfrage der Chiemgau-Zeitung, habe sie sich sehr gefreut, als sie die Nachricht von der Staatskanzlei erhielt. Doch, so meint sie bescheiden, sie sei ja nur eine von vielen, die sich um die Nöte und Sorgen um Leute kümmern, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Viele Andere hätten die Ehrung genauso verdient, sagt sie, „sie leisten oft mehr als ich und das halt im ganz Stillen“.
„Ich habe alles gerne gemacht, und geschafft habe ich das nur, weil mir mein Mann Alfred sowie viele Helfer immer und wirklich geholfen haben“, sagt Eder auf die Frage, wie sie die Herausforderungen im Umgang mit behinderten Menschen mental und kräftemäßig in den insgesamt 40 Jahren schaffte. Begonnen hat alles mit einem Aufruf Ende der 70er Jahre im Priener Pfarrbrief „Wer braucht Hilfe?“ – „Wer will helfen“. „Mein Mann und ich meldeten uns als Helfer. Wir hatten ein Auto, in dem wir einen Rollstuhl transportieren konnten, und so wurden wir angefragt, ob wir einen schwerstbehinderten Priener nach München zu Treffen für Rollstuhlfahrer bringen könnten“, erinnert sich Eder. In der näheren Gegend gab es solche Treffen damals noch nicht. „Es waren unsere ersten näheren Kontakte mit diesem Personenkreis. Wir feierten gemeinsam fröhliche Feste. Unsere Kinder waren dabei, standen oft hinten auf dem Rollstuhl von Klaus und fuhren Ralley durch den Saal“, erzählt sie. 1980 führte der Landkreis Rosenheim für Menschen mit Behinderung einen Fahrdienst ein, der es ihnen ermöglichte, mit dem Malteser Fahrdienst kostenlos (innerhalb einer bestimmten Grenze) Ausflüge zu unternehmen. Das gab für die Caritas Prien den Anlass, gemeinsam mit Betroffenen in Prien einen Treffpunkt für Menschen mit den unterschiedlichsten Handicaps aus dem Dekanat Chiemsee einzurichten. Hierzu erinnert sich Eder: „Wir haben in dieser Zeit viel für unser Leben gelernt. Die Teilnehmer haben Freude und Lebensmut ausgestrahlt trotz ihres schweren Schicksals.“
Besonders beeindruckt hat sie die Geschichte eines Mannes, der in jungen Jahren bei Arbeiten vom Baum gefallen und seitdem querschnittgelähmt war. In diesen Zeiten kamen Behinderte noch kaum aus dem Haus, merkt sie an, das verbesserte sich erst in den 80er Jahren. „Er versteckte sich zu Hause. Erst sehr viele Jahre später konnte er mithilfe von guten Freunden wieder am gesellschaftlichen Leben teilhaben“, so Eder über ein Einzelschicksal, das sie prägte. Ein Satz dieses Mannes blieb besonders im Gedächtnis: „Erst als ich meine Behinderung annehmen konnte, konnte ich wieder leben“. Generell ist das Annehmen eines Schicksals oder einer Krankheit das Lebensmotto, das Eder gerne an andere weiter geben möchte. Hilfsbereit ist die Prienerin von Jugend an. Und so wurde ihr bald klar, dass sie von ihrem erlernten Bank-Beruf in einen Sozial-Beruf wechseln will. Erste entsprechende Aufgaben fand Edda Eder im sozialen Bereich des Sozialdienstes Katholischer Frauen (SkF) und 18 Jahre im Caritas-Altenheim St. Josef in Prien-Trautersdorf in der Verwaltung. Diese beruflichen Erfahrungen gaben ihr auch den Mut, in den Vereinen Verantwortung zu übernehmen. Der Festakt in München beeindruckte die Prienerin stark. Auch wenn der Ministerpräsident angesichts der Vielzahl an Geehrten nicht ausführlich auf die einzelnen Personen eingehen konnte, so hatte er für Eder doch ein paar persönliche Worte parat: „Den Chiemsee liebe ich sehr, das war oft mein jugendliches Ferien- und Freizeitparadies, daran erinnere ich mich sehr gerne, grüßen Sie ihn von mir bitte“. Insgesamt, so Eder, sei es sehr festlich gewesen – mit Musik, Ansprache, Verleihung, Empfang und Imbiss.
Auf die Frage, was sie im Rückblick auf ihren Einsatz im Sozialbereich besonders freit, sagt Eder spontan: „Neulich hat mir wieder jemand gesagt, dass er sich jedes Mal auf unser Treffen freut. So hat unsere Arbeit einen Sinn. Wir können die Schicksale nicht ändern, aber wir können unseren Nächsten ein bisschen Zeit schenken und sie begleiten. Wir haben viel zurückbekommen, viele Freunde gewonnen und viel für unser Leben gelernt. Aber auch in den Gruppierungen die Gemeinschaft pflegen, gemeinsam was organisieren ist mir sehr wichtig. Nur gemeinsam sind wir stark, eine große Hilfe ist der Glaube an den Herrgott, der kann viel Kraft geben“.