Bad Aibling – Pfarrer Markus Merz ist Frühaufsteher. Muss er auch sein, zumindest jetzt im Advent. Denn ab Sonntag geht die Twitter-Aktion des evangelisch-lutherischen Dekanats Rosenheim in die dritte Runde. Unter dem Titel @weggeschichten werden ab Sonntag, 1. Dezember, im gesamten Advent jeweils morgens zwischen 6 und 7 Uhr Kurznachrichten via Twitter in die Welt gesandt. Man bekommt mit dem kurzen Gedanken und den kleinen Geschichten einen Impuls, der einen in den Tag begleitet.
Herr Pfarrer Merz, Sie twittern ab Sonntag nun schon zum dritten Mal allmorgendlich durch den Advent. Sehen Sie die Aktion des Dekanats als Erfolgsgeschichte? Die Reaktionen der letzten beiden Jahre sind durchaus eine Motivation dafür, dass ich mich erneut an der Aktion des Dekanats zu beteiligen. Mir ist beim Advents-Twittern viel an Wertschätzung begegnet. Immer wieder wurde ich von Menschen angesprochen, die meine Gedanken auf Twitter gelesen und als Impuls aufgenommen haben.
Wie sieht so ein Impuls denn aus, den Sie morgens twittern, Haben Sie ein Beispiel dafür? Meist sind das zwei, drei Sätze. Zum Beispiel: Schon einmal nach innen gelächelt? Muss ja niemand merken. Doch: Die Welt lächelt dir längst entgegen. Alle haben es gespürt. Oder: Unruhig stehen sie am Gleis. Für dich wird man aufstehen, flüstert er ihr zu. Und streichelt ihren schwangeren Bauch. Gute Reise! Was der Lesende daraus macht, ist ganz individuell. Darüber nachdenken, weiterdenken, mit anderen darüber reden oder auch zum Anlass nehmen, selber einen Impuls zu setzen. Ob zu Hause, in der Kantine, in der U-Bahn, im Stau oder auf einer Parkbank.
Kirche zum Mitnehmen also? Wir setzen keinesfalls nur auf Digitales. Es geht nicht darum, zu sagen „Wir twittern jetzt auch“. Unsere Überzeugung ist, dass wir die Kombination der verschiedenen Kommunikationskanäle brauchen, die uns zur Verfügung stehen, um die Menschen zu erreichen, um unsere Botschaft rüberzubringen. Es gibt ja auch Untersuchungen die aufzeigen, mit welchem Kommunikationsweg man welche Zielgruppe erreicht. Das Twittern ist nur einer dieser Wege, genauso das Analoge, Gedruckte, das wir weiterhin brauchen und nutzen werden.
Aber immerhin Kirche für jeden Tag, zumindest jetzt im Advent? Das Twittern, eine für die Kirche eher ungewöhnliche Kommunikationsform, ist in unseren Augen eben auch ein Zeichen dafür, dass Kirche nicht nur etwas für den Sonntag ist, sondern mitten in den Alltag der Menschen gehört.
Ist die Aktion auch ein Versuch, die Menschen dazu zu bringen, sich gerade in der oft hektischen Adventszeit wieder ein wenig auf das Ruhigere zu besinnen? Nein. Ich persönlich habe zum Beispiel überhaupt kein Problem damit, dass der Advent so ist, wie er ist. Dazu habe ich im letzten Jahr übrigens auch einen Tweet abgesetzt: Wer hat eigentlich behauptet, dass der Advent besinnlich sein soll? Er ist doch eher eine bürgerliche Erfindung, oder? Vorbereitung heißt doch nun einmal auch Laufen, Tun und Warten. So romantisch hatten es Maria und Josef auf ihrem Weg ja auch wieder nicht.
Und Ihnen fallen jeden Tag so früh am Morgen immer passende Impuls-Gedanken ein? Dieses Jahr bin ich ja nicht mehr der Einzige, der twittert, sondern wir machen es als Team: Pfarrer Michael Schlierbach aus Brannenburg und Helmut Franke, Referent im Dekanatsbezirk Rosenheim, sind diesmal mit an Bord.
Interview: Eva Lagler
Auch spontane Gedanken der Lesenden willkommen Bereits zum dritten Mal startet das evangelisch-lutherische Dekanat Rosenheim seine Advent-Twitter-Aktion unter dem Titel @weggeschichten. Beginnend mit dem 1. Dezember werden im gesamten Advent vom evangelischen Dekanat, jeweils morgens zwischen 6 und 7 Uhr, Kurznachrichten via Twitter in die Welt gesandt. Die Twitteraktion ist ein Baustein, der zum Jahresthema im Dekanat gehört, sagt Helmut Franke, Referent im Dekanatsbezirk Rosenheim. Das kommende Kirchenjahr, das am ersten Advent beginnt, steht im Dekanat Rosenheim unter dem Thema „Mit Gott auf dem Weg sein“ und wird durch den stellvertretenden Dekan Andreas Fuchs im kommenden Sonntagsgottesdienst am ersten Advent in der Auferstehungskirche in Grafing eröffnet. Die Gedanken von Pfarrer Markus Merz und dem Team werden nicht nur auf Twitter geteilt, sondern können auch auf der Facebook-Seite des Dekanats und auf der Dekanatshomepage www.dekanat-rosenheim.de gelesen werden. „Vielleicht entstehen ja aufgrund unserer kleinen Impulse bei den Lesenden auf unterschiedlichen Wegen spontane Geschichten, die sie uns mitteilen möchten“, meint Franke. Deshalb bietet das Dekanat neben dem Twittern auch die Möglichkeit, per E-Mail unter info@dekanat-rosenheim.de seine Geschichten mitzuteilen.“