WASSERBURG & REGION

Abgekühlt: Einige Räte bereuen Eisbahn

von Redaktion

Wasserburg – Aktuellen Verbrauch der Schlittschuhbahn in der Herrengasse – die der Wirtschaftsförderungsverband auf die Beine gestellt hat, um eine Attraktion zu bieten – anzeigt, wird es nicht geben. Nicht nur, weil die Zeit zur Umsetzung zu kurzfristig war, sondern auch aus Datenschutzgründen. „Wir würden hier die Verbrauchsdaten des Kunden preisgeben, und der gibt uns keine Zustimmung“, sagte Bürgermeister Michael Kölbl im Stadtrat. Die Anregung auf Monitoring des laufenden Energie-Verbrauchs der Eiszauber-Bahn kam aus der Bürgerversammlung. Günter Bodenburg, Architekt in der Altstadt, sprach im Feuerwehrhaus Anfang November von einem „klimapolitischen Irrsinn“ (wir berichteten). „Trotz Klimanotstand in der Stadt wird so etwas genehmigt“, sagte er da kopfschüttelnd. An der Bahn sollte seiner Ansicht nach aktuell der Verbrauch ablesbar sein. „Dann kann sich jeder bewusst machen, was diese Anlage gerade für ihn verbraucht“, so Bodenburg, der nun auch als Zuhörer in der Stadtratssitzung saß und die Diskussion verfolgte. Werkreferentin Dr. Christine Mayerhofer (SPD) hatte den Antrag in den Stadtrat eingebracht. Bürgermeister Kölbl (SPD) erklärte zudem, die Installation einer solchen Anzeigentafel mit speziellen Zählern, Software, Hardware und auch Starkstrom wäre technisch sehr aufwendig gewesen. Die kurzfristige Umsetzung war nicht drin, zudem erscheint sie, so Kölbl, wirtschaftlich nicht sinnvoll. Dr. Mayerhofer erklärte, sie habe sich häufig fragen lassen müssen, wie der Klimanotstand und die Eislaufbahn zusammenpassen. „Natürlich passt das nicht zusammen“, räumte sie ein. Jedoch sei der Beschluss für die Eisbahn schon vor dem Beschluss, den Klimanotstand auszurufen, gefallen. Mit dem Antrag im Stadtrat habe sie zum Nachdenken anregen wollen. „Die junge Generation wirft uns vor, dass wir rein für unser Vergnügen sinnlos Energie verbrauchen. In Zukunft müssen wir die Entscheidungen besser überdenken – auch wenn ich großen Respekt vor den Bemühungen des Wirtschaftsförderungsverbandes habe“, so die Werkreferentin. Sie zog ihren Antrag zurück, weil er wegen des Datenschutzes nicht haltbar war. Damit war die Diskussion zur Eisbahn an dieser Stelle beendet. Doch später, unter dem Tagesordnungspunkt Anfragen, kam das Thema wieder auf den Tisch. Christian Stadler (Grüne) störte sich an dem Etikett „CO2-neutraler Ökostrom“, es handle sich um Ökostrom aus regenerativer Energie. „Ihr habt das als Erfolg bezeichnet, dass ihr den Veranstalter zu Ökostrom verpflichtet habt. Das ist aber eine Sondernutzung auf einer städtischen Fläche. Wieso hat der Kunde da eine Wahlmöglichkeit, warum ist das keine Pflicht?“, wollte Stadler wissen. Laut Kölbl habe der Kunde grundsätzlich die Wahlmöglichkeit. „Aber wir haben im Beschluss stehen, dass er hier keine Wahl hat“, so der Bürgermeister. Lorenz Huber (Fraktionsgemeinschaft Bürgerforum/Freie Wähler) stellte einen Eilantrag auf Betrieb eines Shuttlebusses während der Öffnungszeiten des Christkindlmarktes – und rannte damit bei Bürgermeister und Verwaltung offene Türen ein. Huber sagte, die Eislaufbahn verschlucke viele Stellplätze in der Herrengasse. Im Parkhaus der Kellerstraße ist der Platz wegen der Leuchten-Erneuerung auch um eine ganze Etage reduziert. „Weil viele Leute von außen kommen werden, brauchen wir einen Shuttlebus vom Badria und vom Bahnhof Reitmehring“, forderte Huber. Der Bürgermeister erklärte, die Idee sei auch schon bei ihm und einigen Stadträten gereift, die Verwaltung auch schon tätig geworden. Ab nächster Woche sollte das Shuttle fahren können. „RFO ist angefragt. Ein Bus kostet am Tag bei einer Sechs-Stunden-Nutzung rund 350 Euro“, so Kölbl. Der Bus soll kostenlos und im Halbstundentakt fahren und keine Konkurrenz zum Stadtbus sein, denn der fahre an den Christkindlmarkttagen ebenfalls kostenlos. Peter Stenger (SPD) ärgerte sich: „Wegen dieser Eisbahn fallen 40 Parkplätze bis 6. Januar in der Herrengasse weg, was rund 12 000 Euro Parkgebührverlust für die Stadt bedeutet. Und dann sollen wir auch noch die Kosten für den Shuttlebus tragen“, sagte er kopfschüttelnd. Auf Nachfrage der Zeitung in der Sitzungspause sagte Stadtkämmerer Konrad Doser, Stenger habe falsch gerechnet. Denn selbst wenn alle Parkplätze der Herrengasse wegfielen, läge die Summe bei 7300 Euro. Bürgermeister Kölbl brachte einen neuen Aspekt in die Diskussion ein: „Wir können froh sein, dass der WFV mit der Eislaufbahn die stärkste verkehrslenkende Maßnahme macht. Ich sehe das als eine Art Versuch der Verkehrsberuhigung hinter dem Rathaus.“ Stenger schaukelte sich selbst hoch: „Der WFV hat sich selbst ins Knie geschossen.“ Die CSU-Seite protestierte gegen diese „Pulverei“. Sophia Jokisch (Linke Liste) sagte in ironischem Ton zu Bürgermeister Kölbl, „ist ja schön, dass die Eislaufbahn wie eine Verkehrsberuhigung wirkt. Die Verkehrsberuhigung brauchen wir aber für die Klimaziele“. Sie mahnte an, die Stadt sollte mehr Energie einsparen, kritisierte die Eislaufbahn und sagte, „wir hätten das mit einem harten Cut abbrechen sollen“. Während der Diskussion war das Johlen der Kinder zu hören, die unterhalb des Rathauses übers Eis flitzten. Mitte Mai dieses Jahres hatte der Wasserburger Hauptausschuss zunächst grünes Licht für das Projekt des Wirtschaftsförderungsverbandes, die Altstadt mit einer Eislaufbahn während des Christkindlmarktes und bis zu Heilige Drei Könige auszustatten, gegeben. Markus Hoeft (Grüne) hatte dagegen gestimmt. Der Stadtrat rief im September den plakativen Klimanotstand aus. Die Genehmigung der Eisbahn erfolgte dann Mitte Oktober im Hauptausschuss – mit Hoefts Gegenstimme. Am Tag nach der Sitzung ist Stengers Ärger nicht verraucht. Zur Zeitung sagt er, der Hauptausschuss hätte im Oktober diesen Beschluss nicht fassen müssen und seine Grundsatzentscheidung widerrufen sollen, zumal im Monat vorher der Klimanotstand Thema war. „Früher war die Zeit des Christkindlmarktes eine stade Zeit. Schauen Sie sich diesen Schmarrn da an mit der Eisbahn und den großen Hütten. Das ist armselig“, wetterte Stenger.

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