ROSENHEIM & REGION

Integration optimal in Stephanskirchen

von Redaktion

Stephanskirchen – Der Helferkreis löst sich mangels Arbeit auf, in Kindergarten und Schule sind immer mehr Kinder eindeutig außereuropäischer Herkunft, die Frau mit Kopftuch in der Schlange an der Supermarktkasse und der dunkelhäutige Tankwart sind schon normal – wenn es so läuft, dann werden aus Flüchtlingen Mitbürger. Und in Stephanskirchen läuft es so, berichteten jetzt Michaela Plass aus der Gemeindeverwaltung und der Integrationsbeauftragte Helmut Heiss im Gemeinderat. 180 Frauen, Männer und Kinder, die vor Krieg oder Verfolgung aus ihrer Heimat flohen, leben aktuell in Stephanskirchen. Zwei Drittel sind in der Zwischenzeit als Flüchtlinge anerkannt, ein Drittel steckt noch im Verfahren. Dezentrales Wohnen als Knackpunkt Sie alle leben in relativ kleinen Einheiten. Denn der Gemeinderat beschloss auf Vorschlag von Bürgermeister Rainer Auer (parteilos) schon sehr früh, im Sommer 2015, Flüchtlinge dezentral unterzubringen. Und da die Gemeinde wohlhabend ist, baute sie in Westerndorf statt einer Containersiedlung drei Häuser – in Leichtbauweise, es musste ja 2015/2016 schnell gehen – für insgesamt zehn Familien. Zusätzlich zu den vorhandenen Wohnungen. Zusätzlich, zu den vom Landratsamt angemieteten Privatwohnungen. „Da sind wir wirklich in einer glücklichen Lage“, sagt Michaela Plass. Zumal die dezentrale Unterbringung erfahrungsgemäß die Gemütslage der heimischen Bevölkerung weniger strapaziert, als Massenunterkünfte. Am Filzenweg in Westerndorf gab es phasenweise dennoch Ärger – weil um die 20 Kinder den ganzen Tag draußen herumtobten. „Die gehen jetzt fast alle zur Schule, es ist viel ruhiger“, so Michaela Plass schmunzelnd. Mit ihren Klassenkameraden haben die kleinen Syrer und Afghanen, keine Probleme. Auch mit der Sprache nur bedingt – sie leben meist länger hier als in den Ländern ihrer Eltern. Aber sie bekommen kaum Unterstützung von zuhause, haben Michaela Plass und Helmut Heiss festgestellt. Das ist im nahen und mittleren Osten einfach nicht üblich. Der Freistaat springt ein, sponsort Mittagessen und Nachhilfe. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die an der Mühlstraße leben, gehen alle entweder zur Schule oder machen eine berufliche Ausbildung oder haben einen Arbeitsplatz. „Die sprechen alle super Deutsch“, erzählt Michaela Plass. Sie kommen ja auch aus neun Ländern – und Deutsch ist ihre gemeinsame Sprache. Fehlende Sprachkenntnis ist bei den Erwachsenen ein Punkt, der die Suche nach einem Arbeitsplatz schwierig machen kann. Sie wollen alle“, sind sich Michaela Plass und Heiss einig. Auch die zwölf Prozent, die wegen eines fehlenden Identitätsnachweises nicht dürfen, würden gern. Problematisch ist die Vorbildung: „Wir haben hier nur ganz wenige Akademiker. Die meisten sind Hilfsarbeiter, Kleinbauern und es sind auch etliche Analphabeten dabei.“ Die Frauen seien unproblematisch, die gingen notfalls putzen. Ihr Ziel sei es, mehr Väter in Arbeit zu bringen. Da hatte Petra Hofmann (CSU) eine Anregung: Kontakt zu Arbeitgebern, zu Geschäftsleuten im Ort aufzunehmen. Bei ihnen im Zweiradladen habe jedenfalls noch niemand nachgefragt. „Gutes Vorhaben für 2020“, freute sich Michaela Plass über die Anregung. Ihr größtes Problem: „Finden Sie mal in Stephanskirchen eine bezahlbare Wohnung für die oft siebenköpfige Familie.“ Weil so vieles schon so rund läuft, hat der Helferkreis akuten Arbeitsmangel und deswegen Auflösungserscheinungen, so Helmut Heiss. Über 100 Mitglieder waren es einmal, einige wenige sind noch aktiv, als Lernpaten, als gelegentlicher Fahrdienst, als Organisatoren des Café Basar. Die anfänglich so wichtige Unterstützung bei Behördengängen und ähnlichen ist nicht mehr gar so nötig und wird von Michaela Plass in der Gemeinde und von Melanie Bumberger bei der Caritas aufgefangen. Kleine Helfergruppe bleibt aktiv Untätig wollten aber die verbliebenen Helfer nicht werden. Sie packen weiter da an, wo es nötig ist, so Heiss. Und sie werden sich zum Teil sicher auch bei den geplanten „Stephanskirchner Brunnengesprächen“ beteiligen. Bei diesen Gesprächen, die im kommenden Frühjahr beginnen sollen, wird es um viele Themen in de Gemeinde gehen, nicht nur um Integration. Denn eigentlich, so Heiss, sei es mittlerweile eher eine Frage der Haltung der einheimischen gegenüber den Zuzüglern. Die Integration so weit fortgeschritten, dass aus den Flüchtlingen Mitbürger wurden. Die dauerhaft bleiben wollen, weil sie sich wohlfühlen in Stephanskirchen.

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