Bad Aibling – Kostenfrei mit dem Moor-Express durch die Stadt: Das wird für Aiblinger Senioren ab 65 Jahren ab 1. Januar Realität. Dann startet das von GOL-Stadträtin Martina Thalmayr initiierte Pilotprojekt, das zunächst auf die Dauer von einem Jahr angelegt ist. Seit dieser Woche können die Senioren ihre Fahrausweise im Haus des Gastes am Wilhelm-Leibl-Platz beantragen. Und sie nehmen diese Gelegenheit schon eifrig wahr: „Innerhalb weniger Stunden hatten wir schon 16 Anträge“, zeigte sich Kurdirektor Thomas Jahn überrascht ob der positiven Resonanz gleich zu Beginn.
Dabei hatten sich Kurverwaltung und Teile des Stadtrats nicht ganz so leicht mit der Entscheidung getan. Zum einen sei der Moor-Express von Anfang an als touristische Linie gedacht gewesen, mit der Einheimische, Gäste oder Patienten günstig vom Bahnhof zu Kliniken, Hotels und Einrichtungen wie Therme, Seniorenheime und Co gelangen können.
„Die Gründung 1998 hatte rein touristische Gründe, auch um den Gästen für das, was sie an Kurbeitrag bezahlen, solch einen Service anzubieten. Als Teil des klassischen Öffentlichen Personennahverkehrs ÖPNV war das nie gedacht. Aber natürlich freuen wir uns über jeden Fahrgast, der den Service in Anspruch nimmt. Nicht zuletzt wird dadurch auch der Individualverkehr entlastet“, so Jahn.
Dies war auch einer der Gründe, die Martina Thalmayr zu ihrem Antrag bewegt hatten: „Wie kann man vor allem ältere Mitbürger motivieren, häufiger den Moor-Express zu nutzen anstatt mit dem Auto zu fahren? Wie kann man ihnen eine attraktive, kostengünstige Lösung anbieten, um die Innenstadt zu erreichen?“
Eine der Möglichkeiten hat der Stadtrat vor einigen Jahren mit dem Senioren- und Behindertentaxi geschaffen. Zahlreiche Bürger ab 70 Jahren beantragen dazu Berechtigungsscheine bei der Stadtverwaltung, um bis zu acht Fahrten pro Monat vergünstigt in Anspruch nehmen zu können. In dem nun beschlossenen Moor-Express-Pilotprojekt sieht man eine Erweiterung des Mobilitätsangebots für Senioren. Es läuft vorerst bis zum 31. Dezember 2020. „Wir werden sehen, wie es angenommen wird und dann wird entschieden, wie es weitegeht“, so der Kurdirektor.
Pro Monat nutzen ihm zufolge bereits jetzt zwischen 3500 und 4500 Fahrgäste den Moor-Express für den Preis von 1,80 Euro je Fahrt. 120 000 bis 140 000 Euro lässt sich die Stadt diesen Service kosten, so Jahn.
Der Moor-Express fährt bis zu neunmal am Tag seine Runde durch die Stadt. Alle Fahrten beginnen und enden an der Therme Bad Aibling. Angefahren werden unter anderem der Bahnhof, das Haus des Gastes, der Marienplatz in der Stadtmitte, alle Kliniken, die großen Hotels und der Kurpark.
Auch einen zweite Linie des Moor-Express ist seit Jahren immer wieder im Gespräch (wir berichteten). Zum einen gibt es Stimmen von Bürgern, die sich im Nachteil sehen, da die Bestandslinie nicht in ihrer Nähe verkehrt und auch das Pilotprojekt nur für den Moor-Express und nicht für andere Buslinien gilt.
Zum anderen gibt es Forderungen, auch den Westen der Stadt anzubinden, um dort unter anderem zur Postfiliale und zu den großen Einkaufsmärkten zu gelangen. „Dann müsste man zwangsläufig auch Mietraching oder die Madau anbinden“, sagt der Kurdirektor. „Es ist jedoch meine Überzeugung und auch die von Teilen des Stadtrates, dass wir für eine zweite Linie nicht genügend Fahrgäste zusammenbekommen würden.
Martina Thalmayr, die ebenso wie zuvor schon Richard Lechner (SPD) eine zweite Linie gefordert hatte, rückt nach etlichen Diskussionen in den politischen Gremien vorerst enttäuscht davon ab: „Eine Testphase von einem Jahr, wie es im Gespräch war, wäre viel zu kurz.
Damit verbauen wir uns eventuell die Chance, einen funktionierenden ÖPNV für Bad Aibling zu initiieren.“ Sie verweist unter anderem nach Kolbermoor: „Dort findet der Stadtbus erst im dritten Jahr regeren Zulauf. Solch ein Projekt braucht einfach auch seine Zeit.“