WASSERBURG & REGION

Die Schatzkammer öffnet sich

von Redaktion

Wasserburg – Das Heimatmuseum kennt jeder in der Stadt, dagegen fristet der zweite Ort, wo das Erbe Wasserburgs zur Schau gestellt wird, eher ein Schattendasein. Kein Wunder: Die Ausstellung „Wasserburg aus fünf Jahrhunderten“ ist nur an wenigen Tagen im Jahr geöffnet. Zur Adventszeit ist es aber wieder soweit: Bernd Joa, der „Custos“ der Sammlung, die er 2007 der Stadt vermacht hat, lädt an drei Sonntagen ins ehemalige Spital am Brucktor. Sonst kann er nur noch zwei Tage im Frühjahr und Sommer zum Besuch anbieten. Die Stadt könne sich keine weiteren Öffnungstage leisten, sagt der bald 77-Jährige und beklagt den „Dornröschenschlaf“ der Ausstellung. Auf vier Etagen sind prächtige Kunstgegenstände aus der Geschichte Wasserburgs zu bestaunen: Gemälde, Stiche, Skulpturen von Wasserburger Künstlern, aber auch Keramik, Silber, Zinn, Tabakdosen, Dirndl. Und ein altes Sportgewehr. Eine besondere Attraktion ist der „Wasserburger Saal“ mit Gemälden von Otto Geigenberger, Hans Ganser, Willi Reichert, Karl Wähmann, Ludwig Weninger und anderen. Die ältesten Stücke der Sammlung sind Wasserburger Silberpfennige aus dem Jahre 1396, das jüngste Objekt ist ein Gemälde der Wasserburger Künstlerin Doris Wolf-Reichert von 2015. Rund 2500 Exponate bilden überwiegend weltliche Themen ab, drei Räume zeigen Sakrales wie eine Dokumentation über die sieben Klöster des Altlandkreises Wasserburg. In einem Raum findet sich der erste gedruckte Stadtplan Wasserburgs aus dem Jahre 1815. Mit Schenkungen an die Stadt vergrößert Joa, offizieller Mäzen der Stadt Wasserburg, die Ausstellung von Jahr zu Jahr. Am 19. Dezember schlägt wieder seine Stunde: In einer Sitzung des Stadtrats übergibt er an die Stadt Wasserburg rund 120 Exponate, die er in den vergangenen Monaten erworben hat. Darunter zahlreiche Bilder, Grafiken, Fayencen, Uhren und vieles andere mehr. Besonders stolz ist er auf die seiner Sammlung übereigneten 25 Gemälde des Kunstmalers Fritz Köll. Und genauso gerät er ins Schwärmen, wenn er die beiden Evangelisten Johannes und Markus als Keramikfiguren aus dem 16. Jahrhundert präsentiert. Der Schatz, das sind Bilder, die Wasserburg darstellen, und Gegenstände, die in Wasserburg hergestellt wurden. „Jedes Stück hat hier Bezug zur Stadt“, betont Joa. Er war Pfarrer von Beruf, seine Liebe zur Kunst hat er sich dabei immer bewahrt. Eine Leidenschaft, die er sich leisten kann. „Ich kann mit Geld umgehen“, stellt er trocken fest, „ich bin sehr sparsam.“ Dazu kommt, dass er selbst restauriert – eine Fähigkeit, die er sich selber beigebracht hat. In seinem kleinen Atelier hat er alles, was er für die Bemalung oder die Reparatur von lädierter Kunst braucht. Joa ist auf jeden Fall einer, der mit mit großem Sachverstand sein Hobby pflegt. Jüngst ist ihm mit einem Expressionisten ein großer Coup gelungen: „Ich hab’ vor zwei, drei Jahren einen Karl Hofer für 140 Euro gekauft, der hat heute einen Wert von 50.000 bis 60.000 Euro.“ Und wie kommt er an die Objekte? „Ich reise nicht mehr, es gibt ja das Internet.“ In der Früh und am Abend schaltet er den Computer an und durchforstet spezielle Seiten, nutzt auch die Plattform Ebay. Zudem nimmt er an Online-Auktionen teil, pflegt Kontakte mit Händlern, die ihn kennen und ihm Angebote machen. Joa hat noch lange nicht genug. Die Ausstellung kann noch an den kommenden beiden Sonntagen von 14 bis 17 Uhr kostenfrei besucht werden. Um 15 Uhr wird ein einstündiger Rundgang angeboten. Treffpunkt: Foyer des Brucktors.

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