Prien – Zur Weihnachtszeit sind die hell erleuchteten Schaufenster in der Innenstadt mit Kugeln, Sternen oder Weihnachtsfiguren prächtig geschmückt. Mitunter ist auch „Engelshaar“ dabei, filigranes Dekorationsmaterial aus feinem, meist goldglänzendem Draht. Eltern erzählen ihren begeisterten Kindern, dass dies angeblich das Haar von Engeln aus dem Himmel sei. Um Haare dreht sich auch alles im „Hair & Cosmetic“ Friseursalon und Kosmetikstudio von Nici Kotzbauer in Prien. Der Laden ist von seinen Kunden zum „Besten Friseur in Prien 2019“ gewählt worden – und das zum zweiten Mal in Folge. 2018 hat Kotzbauer mit ihrem neunköpfigen Team schon den Award gewonnen, der ein Publikumspreis von chiemgausbeste.de ist. Per Post gekommen ist der Award. Kotzbauer schildert: „Wir waren total platt und haben uns gefreut. Das haben wir gar nicht erwartet.“ Der zweite Platz ging an den „Frisör Wachter“ und Platz drei an „J.7 hairstyling“. Kotzbauer hat viel Erfahrung. Seit 2006 ist sie Frisörmeisterin und hat im April den Laden ihrer Eltern übernommen, die auch beide den Beruf ausgeübt haben. „Ich bin Frisörin in vierter Generation“, erklärt sie. Frisör Kotzbauer wurde schon von ihrer Uroma geführt. „Haare sind mein Leben. Ich sehe jemanden und weiß schon nach wenigen Augenblicken, welche Frisur zu demjenigen am besten passt. Das ist schwer zu erklären, aber es ist wirklich so.“ Sie habe das einfach im Gefühl. Zusätzlich spielen noch äußere Faktoren wie zum Beispiel die Kleidung oder der Beruf und natürlich das persönliche Gespräch eine Rolle für ihre Einschätzung. „Wenn du den Beruf nicht mit Leib und Seele machst, dann hast du hier nichts verloren.“ Ganz viele Kunden sprechen sich bei Kotzbauer auch aus, erzählen ihr von ihrem Herzschmerz, ihren Nöten und Sorgen, ihrem Kummer. „Man ist nicht nur Friseur, sondern auch Psychologe“, schmunzelt Nici Kotzbauer. Für sie sind vor allem Stammkunden ein bisschen mehr als nur reine Kundschaft. In der vielen gemeinsamen Zeit, die man im Laufe der Jahre miteinander verbringt, hört sie viele Familiengeschichten und wird mit der Zeit sogar zum Teil der Familie. Ob sie es störe, dass die Leute ständig ihren Seelenschmerz bei ihr abladen? „Überhaupt nicht, das gehört einfach dazu. Ich habe Spaß dabei und mache es mit Leidenschaft“, versichert sie. Fingerspitzengefühl erfordert das sensible Thema Haare und Haarausfall bei Krebspatienten. Die Frisörmeisterin erzählt, dass sie seit fast zehn Jahren viele Kunden habe, die zur Anfertigung einer Perücke zu ihr kommen. „Haare sind einfach ein Markenzeichen und auch ein Statussymbol“, betont sie und deshalb sei es auch für viele Frauen besonders schlimm, wenn ihnen durch eine Chemotherapie die Haare ausfallen. Erkrankte Männer würden auch Perücken wollen, aber da sei die Zahl geringer als bei den Frauen. Begonnen wird dabei mit einer Erstberatung, dann wird die Perücke in der passenden Farbe bestellt und anschließend an den Kunden persönlich angepasst und zugeschnitten. „Das Ziel ist, dass die Menschen so aussehen wie vorher“, bekräftigt Kotzbauer. Deshalb sei auch das Schneiden das „A und O“. „Es ist heutzutage alles machbar“, versichert die Expertin beruhigend. Das Stichwort schlimmste Frisuren, die ihr je untergekommen sind, lässt sie auf eine Hochzeitsfrisur zurückblicken. Die Braut habe eine Lockenmähne wie die von Kaiserin Sissi verlangt und sei am Ende mit den blondierten Haaren wie eine Barbiepuppe aus dem Laden gegangen. „Das war mir selbst richtig peinlich, diese Frisur zu machen“, gibt die Haarexpertin zu. Auch bei sich selbst hatte sie nicht immer das richtige Händchen bei der Frisur- und Farbauswahl. Als junge Frau färbte sich Kotzbauer die Haare in einem dunklen Braun, obwohl sie vorher immer blond gewesen war. „Das war ein Versuch, der gewaltig nach hinten losging“, lacht sie. Immerhin seien es Frisörfarben gewesen und keine billigen. „Die Farben vom Frisör sind der gute Fisch und die vom Supermarkt sind Fischstäbchen“, so Kotzbauer. Beim Thema Frisurentrends steht eins fest: „Bei Frauen ist der Dutt momentan wieder im Kommen.“ Außerdem gehe der Trend hin zum sehr kurzhaarigen Look, genannt „Pixie Cut“, und erstaunlicherweise gleichzeitig zum genauen Gegenteil, zur Haarverlängerung und -verdichtung. „Da gibt es im Mittelbereich zwischen den beiden Extremen eher weniger.“ Bei den Haarfarben seien Aschtöne und fließendes Ombré sehr angesagt. Männer würden zurzeit extrem auf den sogenannten Undercut, bisweilen auch mit Dauerwelle, setzen. Erstaunt ist die Frisörin durch die große Nachfrage der Männer nach kosmetischen Behandlungen. Egal ob medizinische Fußpflege, Maniküre oder Augenbrauenzupfen – viele Männer seien geradezu versessen darauf. „Mittlerweile sind die Hälfte der Kunden bei Kosmetikbehandlungen Männer.“ Zur Frage der Nachhaltigkeit der Haarfarben im Salon erklärt Kotzbauer, dass die Farben mittlerweile gut abbaubar seien und deshalb nicht allzu schlecht für die Umwelt. „Außerdem wird der Rest, falls beim Färben überhaupt etwas übrig bleibt, von den Lehrlingen zu Übungszweken verwendet.“ Der verbleibende tagtägliche Abfall, wie zum Beispiel Haare oder Papier, würden getrennt und recycelt werden. Bei den viele Aufgaben, die im „Hair & Cosmetic“ anfallen, braucht man ein eingespieltes Team. Neun Mitarbeiterinnen hat Kotzbauer mittlerweile, doch sie ist auf der Suche nach Verstärkung. „Ohne die Mädels wäre das alles nicht möglich. Wir sind wie eine kleine Familie hier und das macht das Zusammenarbeiten auch so angenehm.“ So weiß auch jede um den Kniff, Kinder zu stillsitzenden Kunden zu machen: viele Gummibärchen als Bestechungsmittel. Die Kinder sollen so auch an das Haareschneiden mit Messer und Schere gewöhnt werden.