Bad Aibling – Wie soll der Eingang zur Stadt im Westen im Bereich des jetzigen „Sport-Fischbacher-/EP-Geländes“ künftig aussehen? Vorne mit Satteldach und auf der Rückseite mit begrünten Terrassengeschossen (Variante 1, Leupold Brown Goldbach Architekten München)? Oder urban mit Flachdach-Baukörpern in unterschiedlichen Höhen (Variante 2, Arge Steinsailer, Bessing/Brokmeier ArchitektenHeufeld)?
Über die beiden Siegerentwürfe aus einem Architektenwettbewerb wird der Stadtrat in seiner Sitzung am 19. Dezember entscheiden. Der Bauausschuss warf in seiner jüngsten Sitzung schon einmal einen Blick darauf.
Der Bad Aiblinger Architekt Stefan Rossteuscher, der den Wettbewerb begleitet und gesteuert hatte, sieht in beiden Entwürfen einen erhebliche Aufwertung der Ortseingangssituation. „Sie sind sehr unterschiedlich, aber das ist gerade das Spannende.“ Der Jury sei die Entscheidung nicht leicht gefallen.
„Die Entscheidung wird auch für uns nicht leicht“, räumte Bürgermeister Felix Schwaller (CSU) ein. Florian Weber (BP), erklärter Flachdachgegner, tat sich erwartungsgemäß „extrem hart mit der Variante 2“. Auch das Urteil von Rudi Hofschneiders (SPD) lautete: „Dieser Entwurf gefällt mir überhaupt nicht. Das schaut aus, wie zusammengesteckte Legosteine. Außerdem haben die Wohnungen keine vernünftigen Schnitte, da kriegt man keine gescheiten Möbel rein.“
Besser sei Variante 1, die mit den Terrassenwohnungen nach hinten raus auch raffiniert wirke. GOL-Rätin Heidi Benda hingegen fand beide Variante sehr ansprechend: „Sie passen beide zu unserer jüngsten Diskussion zum Thema ,Bad Aibling nimmt den Klimaschutz ernst’.“ Wenn die Mehrheit glücklich mit der Satteldachvariante sei, so können sie sich damit auch anfreunden – wobei Variante 2 durchaus sehr reizvoll sei, wenn man sich genauer damit auseinandersetze.
Johann Schweiger (CSU), der bei der jüngsten Klimaschutzberatung ein flammendes Plädoyer für ein Umdenken bei der städtebaulichen Entwicklung gehalten hatte (Bericht folgt), bekannte auch hier: „Ich bin inzwischen ein Verfechter davon, dass wir mehr Grün im Stadtbereich brauchen“ und sah sich hin- und hergerissen zwischen den beiden Entwürfen: „Variante 1 gefällt mir südlich besser mit den begrünten Terrassengeschossen, Variante 2 ist halt schon ziemlich hart auf der Nordseite.“ Beide entsprächen dem, wie man in Zukunft bauen solle: unten die Tiefgarage, im Erdgeschoss Gewerbe und oben drüber dann die Wohnnutzung. „Man muss beide erst einmal auf sich wirken lassen“, meinte SPD-Rat Richard Lechner, der sich an dem Abend auch noch nicht festlegen wollte. Er gab zudem zu bedenken: „Das Ganze wird ja auf einen Bebauungsplan hinauslaufen. Da sollten wir bei den Festsetzungen genau hinschauen. Die großen Gewerbeflächen verlocken gerade zu einer Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes, aber davon haben wir im Westen schon sehr viel.“
Dieter Bräunlich (ÜWG) sah sich bei Variante 2 an Ottobrunn oder Unterhaching erinnert: „Das passt überhaupt nicht zu Bad Aibling. Die Satteldachvariante passt besser, ist aber auch sehr mächtig. Ich persönlich finde die Bebauung zu hoch.“ Zudem störte er sich an der „großen Warze“, die die Flachterrassenbebauung an der Südseite darstelle. „Zwei sehr interessante Planungen. Ich könnte sogar bei beiden zustimmen“, meinte Thomas Höllmüller (CSU), der dennoch Variante 1 bevorzugte. „Variante 2 wirkt doch recht mächtig und wir sind halt nun mal in Oberbayern, da passt das Satteldach besser.“
Wie Rossteuscher noch erläuterte, sind bei beiden Varianten die Vorgaben erfüllt, die einen Anteil von 65 Prozent für Wohnungen, 25 Prozent für Gewerbe oder aber für soziale und kulturelle Zwecke sowie zehn Prozent für geförderten Wohnungsbau vorsehen. Künftig sollen die Baukörper nicht mehr so tief liegen wie im Moment, sondern auf dem Niveau der Westend-/Münchner Straße. Die einzelnen Fraktionen werden nun über die Entwürfe beraten, bevor der Stadtrat dann am 19. Dezember die Entscheidung trifft.