Brüssel – Die Nato und die EU sind seit Jahren besorgt wegen politischer Manipulation über soziale Netzwerke und die Verbreitung von Falschnachrichten. Eine am Freitag veröffentlichte Studie eines Nato-Forschungsinstituts zeigt, wie leicht es ist, sich die Weiterverbreitung von Inhalten zu erkaufen. Für nur 300 Euro bekamen die Autoren zehntausende unterstützende Kommentare, Likes und Follower für Testbotschaften und -inhalte in den Diensten Facebook, Instagram, Twitter und Youtube – ohne dass dies den Netzwerken zumeist auffiel.
Experten des Nato Strategic Communications Centre of Excellence (Nato Stratcom) im lettischen Riga nutzten für das Experiment 16 Anbieter zur Manipulation sozialer Netzwerke aus Russland und Europa. Sie wurden aufgefordert, 105 von den Studienautoren verfasste Mitteilungen zu unterstützen.
„Für Kosten von nur 300 Euro kauften wir 3530 Kommentare, 25 750 Likes, 20 000 Views und 5100 Follower“, heißt es in der Studie. Durch den Versuch sei es gelungen, 18 739 Konten zu identifizieren, die zur Manipulation von sozialen Netzwerken genutzt würden.
Allerdings handelte es sich bei den Testmitteilungen nicht um politische Botschaften, sondern um neutrale Inhalte „wie Neujahrswünsche“, schreiben die Autoren.