Hunderte Landwirte protestieren in Aising, Rimsting und Schnaitsee

von Redaktion

Rosenheim/Rimsting/Schnaitsee – Agrarpolitik, die sich an wissenschaftlich gewonnenen Erkenntnissen orientiert und nicht von Populismus und einer einseitigen Verbotskultur geprägt ist, dafür steht die Initiative „Land schafft Verbindung“ (LsV). In Kooperation mit dem Rosenheimer Bauernverband und den Stadtbauern haben die Aktivisten am Samstag zu einer Protestaktion im Rosenheimer Stadtteil Aising aufgerufen. Rund zwei Dutzend Landwirte machten ihrem Ärger über die politischen Entscheidungen seitens der Bundesregierung friedlich Luft. In Rimsting und Schnaitsee hatte die LsV ebenfalls zu Protesten aufgerufen.

Aufgestellt samt Traktoren in einer Reihe und ausgestattet mit Schildern und Transparenten boten die Landwirte ein beeindruckendes Bild. Zum Einbruch der Dunkelheit entzündete Josef Gilg aus Westerndorf am Wasen das Mahnfeuer. Zuvor hatte LsV-Sprecherin Christine Heiß aus Dettendorf (Gemeinde Bad Feilnbach) die Ziele der Initiative verdeutlicht: „Wir wollen, dass gesellschaftliche Forderungen, wie nach Insektenschutz und mehr Tierwohl, nur gemeinsam in einer ehrlichen Allianz von Stadt und Land, von Landwirt und Verbraucher, von Branche und Politik bewältigt werden und nicht mithilfe einer einseitigen Verbotsreihe seitens der Regierung“.

Das Agrarpaket in seiner aktuellen Form schwäche dagegen die so wichtige, regionale Lebensmittelproduktion und führe zu einem massiven Strukturwandel, dessen Auswirkungen heute noch gar nicht abzusehen seien. Dem schlossen sich Martin Grießer, Obmann des Bauernverbands (BBV) in Pang, und Josef Steingraber an. Der Geschäftsführer des Bauernverbandes in Rosenheim ist selbst Landwirt in Aising. „Wir sind die letzten, die sich gegen Tier- und Umweltschutz verwehren, möchten aber von Anfang an in die Entwicklungen einbezogen werden“, stellte er klar und wirkte damit einem öffentlichen Bild der Landwirtschaft entgegen, das derzeit durch Schüren von Angst und Verbreiten von Unwahrheiten vermehrt entstehe.

In Rimsting übernahm der Jung-Landwirt Josef Hofmeyer, der im Nebenerwerb um die bäuerliche Existenz seines Familienbetriebes kämpft, die Willkommensgrüße. „Wir kämpfen mit dem Rücken zur Wand und deswegen haben wir kurzfristig für heute hier nach Rimsting eingeladen“, sagte er. Über 200 Landwirte mit rund 100 Traktoren waren bei der Aktion in Rimsting erschienen. Rimstings Zweiter Bürgermeister Andreas Fenzl sagte: „Wir Bayern und Chiemgauer brauchen die Bauern!“. Rednerin war in Rimsting, wie schon in Aising, Christine Heiß vom Organisationsteam der Initiative LsV. In Riedering erklärte sie: „Unser Ziel ist es, das Bewusstsein zu schärfen dafür, wie Leben in der Landwirtschaft wirklich funktioniert.“

Auch in der Gemeinde Schnaitsee brannten mehrere Feuer. Ein besonders großes am Obernhofer Höhenrücken nahe des Fernsehturms. Weithin war das Feuer sichtbar und die Teilnehmer am Turm konnten sich bei der guten Fernsicht davon überzeugen, dass im Süden und Nordwesten weitere flackernde Lichter auszumachen waren. Unter anderem hatten Landwirte in Taufkirchen (Landkreis Mühldorf) protestiert.

In Schnaitsee erklärte Mitorganisator Hans Schmidinger: „Die Landwirtschaft denkt in Generationen und nicht in Kampagnen.“ Die Aktion solle deutlich machen, dass Natur- und Insektenschutz und das Tierwohl nur gemeinsam in einem Interessenzusammenschluss von Erzeugern und Verbrauchern zu erreichen sei. Über 50 Bauern mit Familien, aber auch mehrere interessierte Gemeindebürger, kamen zum Mahnfeuer am Fernsehturm.

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