Prien – „Den Menschen in seiner Würde schützen“ – das gilt besonders für sozial schwächer gestellte Menschen und ist eines der zentralen Ziele der Deutschen Caritas. Deshalb veranstaltet diese immer wieder Aktionen, die Leute mit kleineren Geldbeuteln entlasten sollen. Ein Beispiel hierfür ist die jährliche, deutschlandweite Lebensmitteltüten-Aktion.
Wer helfen will, kann Warentüten im Wert von je fünf Euro erwerben, die mit lange haltbaren Lebensmitteln wie Reis, Nudeln, Kaffee und H-Milch gefüllt sind. Kreisgeschäftsführer des Caritas-Zentrums Prien bekräftigt, dass es für die Tafel wichtig sei, dass „die Menschen mit kleinem Geldbeutel nicht nur an Weihnachten, sondern das ganze Jahr über mit Grundnahrungsmitteln versorgt werden können“.
Tafel-Leiterin Susanne Blöchinger erklärt, dass die Chiemseer Tafel zusammen mit den Rewe-Supermärkten in Prien und Bad Endorf über 456 Tüten für die bedürftigen Kunden der Tafel zusammengestellt hat. Im Supermarkt konnte man entweder eine fertig gepackte Tüte für fünf Euro kaufen oder selbst eine zusammenstellen. „Nahrungsmittel im Wert von um die 2300 Euro sind so zusammengekommen“, freut sich die Tafel-Chefin. Vorher würden die Tafel Deutschland und die Supermarktkette gemeinsam entscheiden, was in den Tüten enthalten sein soll. Laut Blöchinger wurden fast 200 Haushalte in der Umgebung mit den Tüten versorgt. „Mit diesen Lebensmittelspenden können wir unseren Tafelkunden auch in mageren Zeiten genügend Grundnahrungsmittel weitergeben.“ Die Chiemseer Tafel in Prien gibt es schon seit 15 Jahren, die Verteilstelle in Bad Endorf seit zehn Jahren. 162 Haushalte mit rund 300 Personen werden in den beiden Gemeinden jede Woche mit Lebensmitteln versorgt.
Die Arbeit sei vor allem in der Weihnachtszeit sehr stressig, so Blöchinger. „Da ist immer viel los.“ Die Tafel hat jeden Freitag geöffnet, doch nach den Weihnachtstagen verschiebt sich die Ausgabe vom 27. Dezember auf Samstag, 28. Dezember. „Das ist notwendig, da wir über die Feiertage die Lebensmittel nicht einsammeln können. Das geschieht dann ausnahmsweise am Freitag, 27. Dezember, und am nächsten Tag wird verteilt“, erläutert sie. Nach Blöchingers Gefühl werden es immer mehr Tafelkunden. „Ich würde schon sagen, dass die Anzahl der Bedürftigen steigt. Pro Woche bekommen wir einen neuen Kunden dazu, manchmal auch mehr.“ Die Bedürftigen erhalten in der Chiemseer Tafel nicht nur Lebensmittel, sondern auch soziale Beratung. Diese wird während der Ausgabe jeden Freitag angeboten, da gibt es eine offene Sprechstunde. Meistens seien finanzielle Sorgen und Nöte das Hauptthema. Die Beratungsangebote würden laut Blöchinger mal mehr, mal weniger genutzt werden. „Meistens sind es dann auch kürzere oder längere ‚Tür und Angel’-Gespräche“, meint sie. Die Verteilung der Kunden auf die Bevölkerungsgruppen sei relativ ausgeglichen. Von Familien mit Kindern über ältere Menschen bis hin zu Flüchtlingen – die Tafelkundschaft ist bunt gemischt.
Ohne die ehrenamtlichen Helfer wäre die Lebensmittelausgabe gar nicht möglich. Georg Gilgenrainer ist schon seit acht Jahren dabei. „Ich bin damals gefragt worden, ob ich helfen möchte, und weil ich Zeit hatte, habe ich seitdem sehr regelmäßig mitgemacht.“ Gilgenrainer wollte Einsatz leisten und sich sozial engagieren. „Man hat das Gefühl, etwas Gutes zu bewirken.“ Eine Sache sei ihm besonders wichtig. „Wir möchten, dass Flüchtlinge Wertschätzung erfahren. Gegen die schwierigen Vorurteile, die oft bestehen, kämpfen wir an“, bekräftigt er.
Für Kinder gibt es wieder die Weihnachtsaktion. Die Sparkassenstiftung Rosenheim unterstützt jedes Jahr alle Tafeln im Umkreis. Es werden Wunschzettel verteilt, Kinder bis 15 Jahre können diese ausfüllen und die „Aktion Aufwind“ besorgt die Geschenke. Die Tafeln verteilen sie. Zwischen 80 und 90 Geschenke haben sie heuer erhalten, sagt Susanne Blöchinger.