Prien – Die Handwerker und Baufahrzeuge rückten gestern zum König-Ludwig-Saal in Prien an. Der große Kursaal, in dem noch am Sonntag Hunderte Menschen tanzten und feierten, wird ab sofort zur Baustelle. Der Saal selbst bleibt dabei unverändert. Der Eingangsbereich wird vor allem neugestaltet und umgebaut. Insgesamt wird die Neugestaltung mit rund 1,1 Millionen Euro beziffert. Dies sind nach Angaben von Bürgermeister Jürgen Seifert circa 400 000 Euro über dem Ansatz.
Die Baumeisterarbeiten dazu hatte der Priener Gemeinderat in jüngster Sitzung bei zwei Gegenstimmen an die Firma Dörfl aus Aschau vergeben. Der Angebotspreis lag bei 412 000 Euro. Die Kostenschätzung des Architekturbüros für diesen Abschnitt waren bei 437 000 Euro gelegen. Angesichts der Bauhochphase sei dies ein „hervorragendes Ergebnis“, so Seifert. Geplant ist, in den kommenden sechs Monaten die Garderobe mit Pausenempfang sowie den Außenbereich des Eingangs zu erneuern und aufzuwerten. Es soll ein Aufenthaltsbereich und ein Eindruck ähnlich einem Kurhaus entstehen – hell, freundlich und einladend.
Alles andere als einverstanden war Christoph Bach (BFP) mit der Maßnahme. Er bezeichnete diese als „Flickwerk“ und verwies auf den Antrag der CSU für eine Gesamtstrategie für den Saal. Er forderte eine Verschiebung der generellen Umbauentscheidung bis zum neuen Gemeinderat nach der Kommunalwahl. Annette Resch und Michael Anner (beide CSU) widersprachen hier auf das Heftigste: „Auch wir hatten uns zunächst eigentlich etwas anderes für den Saal gewünscht. Konnten uns aber nicht durchsetzen und stehen jetzt konstruktiv hinter der mehrheitlichen Entscheidung. Ein guter Kursaal ist das Ziel“, so Resch. Und Anner betonte: „Wir hätten uns als CSU mit unserem Antrag eine Diskussion über einen Neubau gewünscht. Aber wir wollen noch zehn bis 15 Jahre am Bestand festhalten. Wir tragen den Mehrheitsbeschluss nun auch mit. Für uns ist das gelebte Demokratie“, ergänzte Anner. Thomas Ganter (SPD) führte zudem gegen Bach ins Feld: „Nach der Ausschreibung und der erfolgten Submission der Angebote dazu können wir ohne Grund nicht einfach wieder zurücktreten.“ Dies ist laut Verwaltung rechtlich nicht möglich.
Martin Aufenanger (FP) ging sogar einen Schritt weiter und unterstellte dem Gemeinderatskollegen Unwissen aufgrund hoher Abwesenheiten bei den Sitzungen. Denn: „Wir haben viel über den Saal diskutiert. Wir haben einen Neubau in den nächsten fünf Jahren abgelehnt, wollten aber, dass er bis dahin weiterhin nutzbar ist für Hochzeiten, Feste und Veranstaltungen“, erinnerte Aufenanger an eine harte, mehrheitliche Entscheidungsfindung. Dieses Fass müsse nun nicht wieder aufgemacht werden. Gabriele Rau (Die Grünen) erklärte zudem: „Das Leben ist kein Wunschkonzert. Wir erhalten für gutes Geld eine gute Lösung hier. Wir haben die Möglichkeiten ausführlich geprüft. Ich weiß nicht, was das jetzt mit dem Umstoßen soll.“ Sie untermauerte ebenso wie Klaus Löhmann (CSU) Aufenangers Worte.
Angela Kind (Die Grünen) missfiel wiederum, dass der Saal „hässlich“ geredet würde. Sie findet diesen ansehnlich. Als richtige Entscheidung hob auch Anton Schlosser (CSU) hervor, dass der Saal beziehungsweise der Eingangsbereich aufgehübscht wird: „Wir waren uns doch einig.“ Zweiter Bürgermeister Hans-Jürgen Schuster reichte es dann und stellte den Antrag auf Ende der Diskussion und Abstimmung über die Baumeisterarbeiten. Mit der Gegenstimme von Seifert kam der Gemeinderat dem Antrag auch nach und erteilte wiederum bei zwei Gegenstimmen der Firma Dörfl aus Aschau den Zuschlag.