Wasserburg – Damit hatte sie überhaupt nicht gerechnet, dass die Wahl auf sie fällt. Doch die Aufgabe nimmt sie gerne an: Magdalena März ist, im Dezember vom Rosenheimer Kreistag ernannt, die neue Kreisheimatpflegerin für Wasserburg und Umgebung. Zum Jahreswechsel hat sie die Nachfolge von Ferdinand Steffan, 75, angetreten, der 2019 nach 42 Jahren sein Amt aufgegeben hat – ein Amt, das im Freistaat politisch fest verankert ist: In der Vergangenheit geschaffene Werte sollen bewahrt und gepflegt werden, Neues soll sich in das Vorhandene einfügen, lautet die Vorgabe. Die 32-jährige Nachfolgerin von Steffan geht mit Feuer und Flamme an die Arbeit, wie im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich wird. Sie hat Kunstgeschichte in München an der Ludwig-Maximilians-Universität studiert, sich auf Architekturgeschichte spezialisiert – mit besonderem Augenmerk auf das späte Mittelalter. Als Stipendiatin der Hanns-Seidel-Stiftung promoviert sie gerade über politische Architektur am Beispiel der Burg Burghausen – die längste Burg der Welt. „Ich bin Kunsthistorikerin aus Leidenschaft und Überzeugung“, sagt sie. Zu Hause ist Magdalena März – kurz Leni – im Schloss Zellerreit. Das passt zu ihr. Zu ihrem Forschungsgebiet, das sie seit langen Jahren mit Herzblut bearbeitet, ist sie über Umwege gekommen. In Ising war sie im Gymnasium, danach verbrachte sie mit ihrem Freund ein knappes Jahr in Australien – ein prägender Aufenthalt. Dort wurde sie sich bewusst, wie viel ihr geschichtsträchtige Bauten bedeuten, die sie von ihrer Heimat her kannte. Im Outback war aber nichts Altehrwürdiges zu finden, keine Bauwerke aus früheren Zeiten. „Damals wurde mir klar: Ich möchte etwas machen, was mit Kulturgut, mit Denkmälern zu tun hat.“ So führte ihr Weg im Jahr 2011 direkt in ein kunsthistorisches Studium. Für sie im Rückblick genau die richtige Entscheidung. Die Bachelorarbeit verfasste sie mit Unterstützung des Stadtarchivs Wasserburg über das Schloss von Zellerreit. Von der LMU München gab es dafür einen Forscherpreis, von der Stadt Wasserburg eine weitere Auszeichnung. Der Masterabschluss folgte 2016. In den nächsten Wochen soll die Arbeit – Thema: Die Burg von Wasserburg – gedruckt werden. Im Frühjahr, im Rahmen der Volksmusiktage, will die Kreisheimatpflegerin ihr Werk vorstellen. Wasserburg liegt ihr am Herzen. Über den Kontakt zu Archivar Matthias Haupt kam Magdalena März in den Vorstand des Heimatvereins, und auch in Rosenheim wurde man auf die aufmerksam: Der Bezirksheimatpfleger Daniel Hoheneder schlug sie als Heimatpflegerin für den nördlichen Landkreis vor. „Das hat mich natürlich sehr gefreut“, sagt sie. Eine ehrenvolle Aufgabe, die sie gut mit der Promotion vereinbaren könne. Und wie stellt sie sich ihren Job vor? „Ich sehe mich als Vermittlerin zwischen dem Landesamt für Denkmalpflege und dem Eigentümer eines kulturhistorisch wertvollen Objekts, mit dem etwas geschehen soll.“ Schlichtweg geht es ihr darum, Erhaltenswertes zu bewahren und das Bewusstsein für kulturelle Werte der Region zu fördern. Ganz im Sinne der Definition des zuständigen Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen und für Heimat. Die Kompetenz schöpft sie nicht nur aus der Uni, auch ihr Wissen über die Region trägt dazu bei. Themen für Projekte könnten für sie zum Beispiel historische Austragshäuser oder Mühlen an Ebrach und Attel sein. Und sie bricht eine Lanze für ihr Fachgebiet, das nach ihrer festen Überzeugung nicht nur für den einzelnen, sondern auch für die Gesellschaft insgesamt einen Mehrwert bringe. Inspirationen kommen ihr beim Joggen rund um Zellerreit: „Da hab’ ich wahnsinnig schöne Erlebnisse, sehe links das Kloster Attl, rechts das Kloster Rott. Da lauf’ ich praktisch durch die Geschichte durch. Eine Zeitreise.“ Auf die will sie ihr Publikum mitnehmen. An Stoff fehlt es der neuen Kreisheimatpflegerin jedenfalls nicht.