CHIEMGAU

Corona-Aus für Herrenchiemsee-Lauf

von Redaktion

Prien – Die Laufschuhe von über 1000 Hobbysportlerinnen und -sportlern bleiben am Wochenende im Schrank. Der Herrenchiemsee-Lauf 2020 ist abgesagt. Die Breitensportveranstaltung auf der Insel darf wegen der steigenden Infektionszahlen nicht stattfinden. Die Enttäuschung bei Veranstaltern und Läufern ist groß. Aber sie zeigen auch Verständnis dafür, dass das Landratsamt Rosenheim die Genehmigung angesichts der aktuellen Entwicklung nicht zuletzt in Stadt und Landkreis Rosenheim vier Tage vor den geplanten Start zurückgezogen hat. „Mit der Ausarbeitung eines umfassenden Schutz- und Hygienekonzepts hatten wir alles dafür getan, dass der Herrenchiemsee-Lauf mit behördlicher Zustimmung stattfinden kann“, erinnert Laura Bauer vom Organisationsteam der München Marathon GmbH.

Aus Hygienegründen hatten die Veranstalter die Startnummern mit der Post verschickt. Im Paket damit bekamen die Läufer ihre Startgruppe und Uhrzeit mitgeteilt. Die Aufteilung in getrennte Gruppen war ein weiterer Baustein, die Kontakte im Start- und Zielbereich bei der Kreuzkapelle zu minimieren. Zuschauer waren nicht zugelassen, eigener Mund-Nasenschutz war für alle Teilnehmer obligatorisch vorgegeben. Mit den Profis der München Marathon GmbH, die als Veranstalter des Marathons in der Landeshauptstadt lange Erfahrung haben, hatte sich die Prien Marketing GmbH (PriMa) zusammengetan und die Großveranstaltung am letzten Aprilwochenende 2019 erstmals auf der größten Chiemseeinsel auf die Beine gestellt.

Das Konzept, mit einem solchen Lauf-Event die touristische Nebensaison etwas zu beleben, ging auf. Weil der Marathon auf zwei Halbdistanzen aufgeteilt wurde, die an einem Samstag-Nachmittag und Sonntag Vormittag abgespielt werden konnten, übernachteten viele Teilnehmer in Priener Betrieben. Auch die Gastronomie bekam ein Stück vom Kuchen. Nach der erfolgreichen Premiere war schnell klar: 2020 wird es eine Neuauflage geben – wieder am letzten Aprilwochenende. Dann kam der Corona-Lockdown. Der Herrenchiemsee-Lauf wurde in den Herbst verschoben, nachdem sich die Veranstalter ein Stimmungsbild bei denjenigen Teilnehmern eingeholt hatten, die zum Zeitpunkt der Zwangsverschiebung schon gemeldet waren und ihr Startgeld auf das Konto überwiesen hatten.

Die Neuterminierung im Oktober erwies sich als goldrichtig: Die München Marathon GmbH verzeichnete ein Viertel mehr Anmeldungen als bei der Premiere 2019, berichtete deren Geschäftsführer Gernot Weigl im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. 680 Läufer hätten allein für den Samstag gemeldet, 1065 insgesamt, so Weigl. Sie alle müssen nun umgehend von der Absage informiert werden. Wir bedauern sehr, dass der Herrenchiemsee-Lauf nicht stattfinden kann. Wir sind davon überzeugt, dass das entwickelte Hygienekonzept eine sichere Teilnahme für alle ermöglicht hätte. Die Absage fällt uns schwer, jedoch hat die Gesundheit der Teilnehmer, Helfer und Mitarbeiter unsere oberste Priorität., sagte der Chef-Organisator. Er äußerte aber auch vollstes Verständnis für die Entscheidung des Landratsamtes „angesichts der Zahlen, die in die Höhe schnellen“. Zusammen mit der Prima sowie in Abstimmung mit der staatlichen Schlösserverwaltung, dem Hausherrn auf der Insel, will Weigl nun zeitnah einen Termin für eine Neuauflage 2021 suchen und dabei auch die Grundsatzfrage klären, on wieder der April oder doch der „goldene Oktober“ ins Auge gefasst werden soll.

Über den finanziellen Schaden durch die Absage äußerte sich Weigl nicht in Zahlen. Er sprach aber von „enormen Auslagen im Vorfeld“. Verständnis für die Entscheidung des Landratsamtes zeigte auch PriMa-Geschäftsführerin Andrea Hübner: „Die Absage des Herrenchiemseelaufs 2020 ist die absolut richtige Entscheidung. Die Gesundheit aller geht vor und wir verschieben den Lauf gern nach 2021 und hoffen, dass sich dann die Situation gebessert hat.“

Dann hoffen München Marathon GmbH und PriMa wieder auf die unentgeltliche Unterstützung von Priener Vereinen. Insbesondere der TuS, der Skiclub, die Ortsgruppe der Wasserwacht und der Kneippverein hatten schon 2019 mit zusammen rund 70 Helfern für einen reibungslosen Ablauf gesorgt. Genau so viele Ehrenamtliche standen für dieses Wochenende auch wieder Gewehr bei Fuß.

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