WASSERBURG & REGION

Spitzahorn übernimmt das Sagen

von Redaktion

Wasserburg – Bis zu 50 000 Kilometer Alleen sind in Deutschland schon verloren gegangen. Wasserburg will an den Baumreihen festhalten. Deshalb bleibt auch die Allee in der Bahnhofsstraße in Reitmehring erhalten, obwohl die kranken Eschen nicht mehr zu retten sind. Stück für Stück sollen die 100 Jahre alten Eschen, denen zwei Pilze die Kraft und Standfestigkeit rauben, gegen neue Bäume ausgetauscht werden. Der Umweltausschuss entschied sich, wie berichtet, für Spitzahorn. Er wird bis zu 30 Meter hoch, kann bis zu 200 Jahre alt werden, blüht im April/Mai grün-gelb, jedoch erst mit einem Alter von 25 Jahren. Die Stadt wird 15-jährige Bäume pflanzen, die anfangs demnach nicht viel Nahrung für Insekten bieten werden, bestätigte Andreas Wilhelm, Experte der Stadtverwaltung für Natur- und Landschaftspflege, auf Nachfrage von Bettina Knopp (Grüne). Zu große Bäume tun sich nach Wilhelms Angaben jedoch schwer mit dem Anwachsen. Und für großen Ballen gibt es in den relativ kleinen Pflanzscheiben keinen Platz. Eine Alternative wäre die Winterlinde gewesen. Sie wird bis zu 40 Meter hoch, kann sogar bis zu 1000 Jahre alt werden, blüht im Juni/Juli weiß mit bis zu 60 000 Blüten an einem Baum. Insekten lieben die Linde, eine Pollenquelle für die Honigbiene, ein gedeckter Necktartisch für viele Nachtfalter, berichtete Wilhelm. Doch die Honigtauabsonderungen der Blattlaus hinterlassen klebrige Beläge auf untergestellten Fahrzeugen. Und was noch wichtiger ist: Der Spitzahorn kommt nach Informationen von Wilhelm mit Trockenheit und nährstoffreichen Böden besser zurecht als die Linde. Er gilt außerdem als „industrieresistenter“, verträgt eher Staub, Abgase, Tausalz, berichtete Wilhelm. Beim Umbau der Allee gibt es nach seinen Angaben zwei Möglichkeiten: mit einer oder zwei Baumarten. Der Umweltausschuss war sich einstimmig einig, dass eine Alleewirkung am besten entsteht, wenn nur eine Art verwendet wird. Und dass der Spitzahorn der Winterlinde vorzuziehen ist. Der Umbau soll stückweise erfolgen. Vier todkranke Bäume sind bereits gefällt worden. Eine Esche muss noch heuer weichen, weil sie bereits abgestorben ist und eine Gefahr darstellen könnte. Die Wirkung der Allee mit ihren 100 Bäumen im Straßenzug wird sich erst langsam wieder entfalten. Denn die Ersatzpflangen sind nur etwa fünf Meter hoch, die alten Bäume bis zu 20 Meter.

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