Haag – Corona und deren Maßnahmen hatten und haben gravierende Folgen für die Wirtschaft, noch immer sind tausende in Kurzarbeit. Insbesondere Kleinstunternehmen wurden schwer von der Krise getroffen, unlängst wurden deshalb die Überbrückungshilfen für kleinere und mittelständische Unternehmen verlängert. Denise Kunert aus Haag kann sich jedoch nicht beklagen. Ihr Unternehmen läuft ohne Probleme weiter. „Ich konnte auch während des Lockdown ganz normal weiter arbeiten“, erklärt sie. Das Geschäftskonzept, das sogar in einer Pandemie keinerlei Probleme hat: ein Gassi-Service. Für alle, wie sie auf ihrer Webseite erklärt, die einen zeitlichen Engpass haben und deshalb nicht noch schnell mit Bruno oder Waldi nach draußen gehen können. Seit drei Jahren hat die Haagerin „die Gassidreher“ als Gewerbe angemeldet, inzwischen hat sie sogar ihren eigenen Firmenwagen. „Davor habe ich die Hunde mit meinem Privatauto abgeholt“, erklärt Kunert, „aber das war mir auf die Dauer zu dreckig.“ Den Schritt in die Selbstständigkeit habe sie gewagt, als ihre Kinder in den Kindergarten gingen. „Ich wollte eine Teilzeitstelle, habe aber nichts Richtiges gefunden“, erklärt sie, „als Selbstständige bin ich jetzt mein eigener Chef und kann mir alles selbst einteilen.“ Auf die Idee einen Gassi-Service anzubieten sei sie vor allem über Facebook gekommen. „Als ich meinen eigenen Hund bekommen habe, bin ich auf Facebook in ein paar Gruppen für Hundebesitzer eingetreten. Da habe ich dann einen Post gesehen, von einer Frau in Berlin, die ihren eigenen Gassi-Service anbietet. Und da dachte ich, das kann ich auch.“ Wegen ihres eigenen Hundes hatte sie bereits eine Hundetrainerausbildung. „Mein damaliger Hund ist mir ein bisschen auf der Nase herumgetanzt, das hat mir nicht gefallen“, erklärt sie. Jetzt biete ihr die Ausbildung viele Vorteile. „Die Hunde sind bei mir sehr brav“, so Kunert, „meistens braver als bei ihren Besitzern.“ Hunde, so erklärt sie, seien wie Kinder, „wenn man von Anfang an Regeln hat, dann funktioniert das auch.“ Zudem sei sie mit ihnen in einer Gruppe von bis zu fünf Hunden unterwegs. „Da merken sie natürlich, wenn der eine gelobt wird, das will der andere dann auch.“ Das Konzept eines Gassi-Services biete auf für sie selbst viele Vorteile, so Kunert. „Am Anfang hatte ich keinerlei Investitionen. Alles, was ich brauchte, waren Leinen und die hatte ich ja schon.“ Erst mit der Anschaffung des Firmenwagens habe sie größere Mengen investiert. Außerdem sei sie in der Umgebung wahrscheinlich die Einzige, die einen Gassi-Service kommerziell anbiete. Das sei manchmal ein zweischneidiges Schwert, wie sie selbst zu gibt, zum einen habe sie eine Monopolstellung inne, zum anderen würden viele Hundebesitzer auf dem Land das Gassi gehen untereinander regeln. „Da heißt es dann schon mal: Wie, du verlangst Geld dafür?“. Dabei sei das Ausführen von Hunden eine ganz normale Dienstleistung. „Meine Kunden können das sogar steuerlich absetzen.“ Für alle, die mit einer kreativen Idee den Schritt in die Selbstständigkeit wagen wollen, empfiehlt die Agentur für Arbeit in Rosenheim zunächst ein Beratungsgespräch bei sich, wie Pressesprecherin Silke Stichaner mitteilt. „Für uns ist aber auch sehr wichtig, auf andere Beratungsstellen hinzuweisen.“ Unter anderem sei dies die Wirtschaftsfördungsagentur der Stadt Rosenheim, die Industrie – und Handelskammer für München und Oberbayern, sowie bei digitalen Ideen das „Stellwerk 18“ in Rosenheim. Auch das Besuchen eines Existenz-Gründungsseminars sei ratsam, um mehr über die Rechte und Pflichten von Selbstständigen zu erfahren. Wer bestimmte Voraussetzungen erfülle, könne zudem einen Gründungszuschuss beantragen. Zuletzt sei das Abschließen einer freiwilligen Arbeitslosenversicherung ratsam. Kunert ist begeistert von ihrer Selbstbeständigkeit und ihrer Arbeit. „Es macht Spaß. Und man hat keine anstrengenden Kollegen.“ Nur manchmal anstrengende Hunde, aber damit könne sie umgeben.