CHIEMGAU

„Ein Fenster in die Vergangenheit“

von Redaktion

Bernau – Wo einst eine römische Villa in Bernau stand und wie sie aussah, das bleibt künftig kein Bild der Fantasie mehr. „Es freut mich, dass sich nun jedes Kind den Gutshof, der hier früher war, nun vorstellen kann“, sagte Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber (CSU). Sie weihte jetzt gemeinsam mit den Beteiligten die Bernauer Station des Projekts „Römer Region Chiemsee“ ein. Annette Marquard-Mois ist Historikerin und initiierte das Projekt. Sie ging auf Bernaus Kulturreferentin Michaela Leidel zu mit der Frage, was historisch in Bernau von Interesse sein könnte. „Ich wurde hellhörig, als sie sagte, dass es ein römisches Bodendenkmal gebe.“ Am Landesamt für Denkmalpflege sei sie auf offene Ohren gestoßen, als sie sich dem Thema widmete.

Außer in Seebruck sei im Chiemgau in der Öffentlichkeit noch recht wenig von den Römern bekannt. Marquart-Mois hing sich in das Thema rein und besprach mit dem damaligen Bürgermeister Philipp Bernhofer und dem Gemeinderat, wie man an die römische Geschichte des Chiemgaus erinnern könnte. Mit Erfolg: Zehn Gemeinden rund um den Chiemsee schlossen sich an, nachdem sie dort ihre Erkenntnisse vorgestellt hatte. In Bernau steht nun ein Hinweis auf eine große römische Villa, versehen mit einem Guckloch, das diese Villa lebhaft in die Landschaft einbettet. Eine besondere Villa für die damalige Zeit: „Wir haben eine Glasscherbe dort gefunden. Damals waren Fenster nicht üblich, sondern man nutzte nur sehr kleine Öffnungen und andere Materialien als Glas“, sagte der Schirmherr des Projekts „Römer Region Chiemsee“, Professor Dr. Siegmar Schnurbein. Davor hätte man lediglich Schweineblasen oder Alabasterplatten für Maueröffnungen genutzt. Insofern sei Glas ein bemerkenswerter technischer Fortschritt gewesen.

Besonders sei auch das Projekt selbst, bemerkt Georg Baumgartner vom Rosenheimer Landwirtschaftsamt an Irene Biebl-Daiber gerichtet mit einem Schmunzeln: „So was werden Sie in Ihrem Alltag nicht oft haben, dass sie elf Gemeinden unter einen Hut bringen.“ Seine Behörde fördere das Projekt im Rahmen des Leader-Förderprogramms, das ländliche Regionen in ihrer Entwicklung unterstützt.

Neben dem Gutshof im Bernauer Ortszentrum eröffneten die Teilnehmer auch die anderen beiden Stationen in Bernau. Ein keltischer Bohlenweg, der vor fast 3000 Jahren aufwendig angelegt wurde, gibt Historikern und Archäologen bis heute Rätsel auf. Noch ist nicht geklärt, was seine eigentliche Funktion war. Aus der Bronzezeit stammt die andere Station, eine jahrtausendealte Befestigung im Ortsteil Giebing. Für die Bernauer Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber war es ein besonderes Anliegen, Einheimischen und Besuchern der Region die Römer und ihr Wirken rund um den Chiemsee näherzubringen. Schließlich ist sie Latein-Lehrerin. „Man kann die Römer nun anfassen – das ist eine große Bereicherung für die Schüler“, sagt die Bürgermeisterin. Die Römer hätten eine Hochkultur entwickelt und es lohne sich, dort hinzuschauen. Und weiter: „Das sind schließlich unsere Vorfahren.“

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