LANDKREIS MÜHLDORF

Heizpilze werden teuer

von Redaktion

Mühldorf – Gastwirte in Mühldorf müssen künftig für die Nutzung von Heizpilzen zahlen. Das hat der Mühldorfer Stadtrat jetzt beschlossen. Im Rahmen der Neuregelung der Satzung für die Gastterrassen legte der Stadtrat eine Gebühr von 92 Euro fest, die in der ganzen Stadt gilt. „Lässt man die derzeitige Corona-Situation einmal außer Acht, ist es im Normalbetrieb etwas pervers, Heizpilze zu betreiben“, sagt Bürgermeister Michael Hetzl (UM). Trotzdem will Hetzl den Gebrauch nicht untersagen: „Verbieten ist nicht der richtige Weg“, mit einer Gebühr könne aber einer ständigen Zunahme entgegengegangen werden. Die veranschlagten 92 Euro pro Jahr entsprächen den Kosten für Gegenmaßnahmen. Nach seinen Angaben verbraucht ein Heizpilz 4000 Kilogramm Co2 im Jahr; ein Mittelklassewagen 2000 Kilo. Auf Anfrage teilte Stadtsprecherin Monika Pingitzer dazu mit: „Die Einnahmen werden erfasst und für Ausgleichsmaßnahmen verwendet.“ Wofür stehe allerdings noch nicht fest. Gastwirte reagierten wenig begeistert auf die Neuregelung, von der sie erst durch die Nachfrage der Heimatzeitung erfahren haben. Gesprochen hatte mit ihnen offenbar vorher niemand. Alex Pfeiffer vom Geigerhaus, weiß deshalb auch noch nicht, wie seine Heizstrahler bewertet werden. Acht betreibt er, die allerdings zu zwei Vierergruppen zusammen geschlossen sind. „Wir werden das wohl schlucken, weil wir alles akzeptieren“, sagt er. „Die sitzen am längeren Hebel.“ Verzichten will er auf die Strahler aber nicht: „Gerade für ein Kellerlokal wie unseres, ist der Sommerbetrieb draußen überlebenswichtig.“ Luca Satori vom Venezia bringt es kurz auf den Punkt: „Nix, natürlich“, sagt er auf die Frage, was er von der neuen Gebühr hält. Allerdings hätte es auch schlimmer kommen können, weiß er: „Eine Gebühr ist besser, als Heizpilze gar nicht betreiben zu dürfen.“ Die gesamte, überarbeitete Satzung für die Gastterrassen am Stadtplatz regelt was Goa, Cappuccino und Co. tun müssen, wenn sie eine Terrasse betreiben wollen. Neben der Einführung der Co2-Steuer auf die Heizpilze, gibt es weitere neue Regeln, die im Gegensatz zur Heizpilz-Gebühr nur auf dem Stadtplatz gelten. So wird künftig die Größe der einzelnen Terrasse auf 100 Quadratmeter beschränkt, in die Berechnung wird die Fläche unter den Arkaden einbezogen; laut Hetzl sind derzeit alle Terrassen kleiner, nur ein Wirt müsste zurückbauen. Zur Begründung sagte Hetzl, dass durch die Größenbeschränkung Parkplätze gesichert werden sollten. Verbunden mit der Neuregelung ist auch die Erhöhung der Gebühren. Dagegen sprach sich die CSU aus, die zumindest für 2021 einen Verzicht auf die Gebührenerhöhung verlangte, um die Gastronomie nicht zusätzlich zu belasten. UM und SPD schlossen sich dem an. Katrin Enzinger (Grüne) forderte, die Gebühren für 2021 komplett zu erlassen, „um den Gastronomen mehr Schwung zu geben“. Bürgermeister Hetzl berief sich dagegen auf einen Beschluss des Stadtrats im Jahr 2019, der damals eine Gebührenerhöhung vorgesehen hatte. „Unser Zeichen ist es, auf die Erhöhung 2021 zu verzichten“, sagte er. Hetzl wies darauf hin, dass die Stadt den Gastwirten für die erste Zeit der Zwangsschließung im Frühjahr die Gebühren ganz erlassen habe, er sprach von einer Reduzierung um 20 Prozent. Stefan Lasner (CSU) lehnte mit Hinweis auf andere gebührenpflichtige Einrichtungen der Stadt einen Gebührenverzicht ab. Stefan Schörghuber (CSU) wies auf Gastronomen hin, die nicht am Stadtplatz lägen und keine Unterstützung durch die Stadt erführen. Er sprach sich für eine längere Nutzungsmöglichkeit aus: „Wenn wir schon Steuern für die Heizpilze erheben, warum stellen wir Gastwirten dann nicht frei, die Terrassen das ganze Jahr zu betreiben.“ Laut Bürgermeister Hetzl gibt es bei den Gastwirten wenig Interesse an einem Betrieb zwischen März und Oktober hinaus. Nur Claus Debnar (Linke) stimmte gegen die neue Satzung.

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