WASSERBURG & REGION

Meggle-Wasser soll länger fließen

von Redaktion

Wasserburg – Die Debatte um die Wasserversorgung der Haushalte südlich der B 304 bei Reitmehring schlägt wieder Wellen: Die Interessengemeinschaft (IG) Edlinger Wasser hat in einer Stellungnahme jüngst ihre Freude darüber zum Ausdruck gebracht, dass die Stadt Wasserburg die Häuser von Viehhausen, der Antoniussiedlung und der Schmiedwiese bis spätestens Ende nächsten Jahres mit Trinkwasser versorgen wolle. So schnell wird das aber nichts. Vorausgegangen war ein runder Tisch zwischen der IG Wasser, der Firma Meggle, der Gemeinde Edling und der Stadt Wasserburg Ende Oktober. Meggle war bisher als öffentlicher Versorger auf getreten (wir berichteten mehrfach). Aus dem betriebseigenen Brunnen werden auch die Häuser der Antonius-Siedlung in Wasserburg mitversorgt. Ein Umstand, der historisch begründet ist, denn hier entstand damals die Meggle-Werkssiedlung. Aber nur wegen der Bürgerversorgung mit Wasser konnte das Unternehmen ein Wasserschutzgebiet überhaupt vorweisen. Nach einem Gutachten im Jahr 2018 über die Wasserströme des Deltas hat sich die Situation grundlegend geändert. Der Chef der Wasserburger Stadtwerke, Marius Regler, der am runden Tisch teilgenommen hatte, verweist im Gespräch mit der Wasserburger Zeitung auf den Umstand, dass das Meggle-Wasser des Brunnens aus einem Gebiet stammt, das mittlerweile überbaut ist. Jetzt dafür ein Wasserschutzgebiet auszuweisen, wie es sich laut Gesetz gehöre, sei unmöglich geworden. Dennoch werde es von Amtswegen weiter geduldet, weil die Qualität des Wassers sehr gut sei – und es keine andere Lösung gebe. Ausgelaufen ist auch die wasserrechtliche Entnahmeerlaubnis. Theoretisch müsste die Stadt Wasserburg nun die Versorgung der Privathaushalte sichern. Und diesen Zeitpunkt sieht die IG Wasser aus Edling – eine Interessensgemeinschaft, die sich unter anderem dafür einsetzt, dass Meggle Trinkwasser einspart, um das Grundwasser im Edlinger Delta zu schonen – als gekommen an. „Uns geht es im Diskurs mit der Stadt Wasserburg in erster Linie gar nicht um die Siedlung und ihren Verbrauch von etwa 45 000 Kubikmeter. Meggle ist der große Brocken, der belastet das Edlinger Trinkwasserreservoir“, sagt die Zweite Vorsitzende der IG Wasser, Nicole Bauer-Schäfer, auf Nachfrage. Die IG Wasser sei froh, über jeden Hektoliter, den Meggle von woanders beziehen könnte. Stadtwerke-Chef Regler dazu allgemein: „Es ist technisch und wirtschaftlich unmöglich, innerhalb eines Jahres den Anschluss der Siedlungen herzustellen.“ Die Stadt Wasserburg stehe in Abstimmung mit dem Wasserwirtschaftsamt, um einen Aufschub für etwa fünf Jahre zu bekommen. Es werde dauern, bis die Stadt baulich in der Lage sei, die Wasserrohre an der B 304, die untertunnelt wird und eine Brücke bekommt – was vom Planfeststellungsverfahren an der Bundesstraße abhängt -, zu verlegen. Bis dahin könnten die privaten Haushalte in Reitmehring vom Meggle-Brunnen mitversorgt werden. „Das Wasser ist qualitativ hochwertig und wird bei Meggle für die Lebensmittelproduktion verwendet“, so Regler. Und zwar auch ohne das Label Wasserschutzgebiet. „Wenn wir jetzt bauen würden, müssten wir die Anlage in zwei oder drei Jahren wieder abreißen. Das wäre wirtschaftlich unsinnig“, erklärt der Stadtwerke-Chef. Das Unternehmen mit Wasser zu versorgen, sei keine Aufgabe der Stadt, wie Regler betont. „Das stimmt schon“, sagt Bauer-Schäfer. Allerdings erinnert sie die Kommune an ihre Pflicht, Wasser für die Betriebskantine und für die Toiletten zu liefern. „Alles, was nicht für die Produktion ist, muss von der Stadt mitversorgt werden. So steht es in der Bayerischen Gemeindeordnung“, sagt die Sprecherin der IG Wasser. Das räumt Regler ein und erklärt, die Versorgung von Kantine und Toiletten sowie Verwaltungsgebäude werde mit geplant im Rahmen der Neustrukturierung des Kanalnetzes von Reitmehring (Siehe Infokasten). „Es muss aber auch technisch machbar und zumutbar sein. Derzeit warten wir auf die Analyse und Zustandsbewertung des historisch gewachsenen Netzes – was Meggle gerade durchführt. Dann wissen wir, welche Rohre wie verlaufen, oder auch, welche Schieber eventuell ersetzt werden müssen, wenn wir den Bereich des Netzes abkaufen, der die privaten Häuser versorgt“, erklärt Regler. Hartnäckig fragte die IG Wasser beim runden Tisch nach einer Notversorgung über 700 000 Kubikmeter per anno, die die Stadt Wasserburg an die Firma Meggle leisten könnte, „wenn Not am Mann ist“. Ja, es werde ein Übergabepunkt mit geplant, erklärt darauf Regler. Er betont aber, dass es sich um eine rein theoretische Notversorgung handle, die auf dem Papier bestehe und die Rahmenbedingungen ausblende, von denen die Stadt abhänge. „Also, wenn es keine Störungen im Netz, in den Hochbehältern, keine Trockenheitsperiode oder Vorfälle in unserem Notverbund mit anderen Gemeinden gibt. Im Idealfall können wir Meggle zwei Tage helfen – danach sind unsere Hochbehälter fast leer“, sagt Regler. Ein bestimmtes Level dürfe man nicht unterschreiten, weil eine Löschwassergarantie im Brandfall und die Versorgungen der Haushalte gewährleistet sein müsse. Der artesische Brunnen im Fuchstal sprudle von selbst, dürfe weder gedrosselt noch beschleunigt werden. Eine Not-Lieferung an Meggle sei technisch nicht machbar. „Wir müssten diese Riesenmengen ja irgendwo zwischenspeichern“, so Regler. Er wählt den bildhaften Vergleich: Ein Wasserhahn plätschert das ganze Jahr vor sich hin. Und plötzlich brauche Meggle davon eine ganze Badewanne – und das schnell, um seine Produktion zu sichern. Der Verbrauch des Milchverarbeitungsbetriebs liegt laut Regler bei etwa dem Doppelten in der gesamten Stadt Wasserburg – bei zwei Millionen Kubikmeter pro Jahr. Indes arbeitet Meggle weiter an der Lösung, die Wasserentnahmegenehmigung „aus dem alten Brunnen“ verlängern zu lassen – um 20 Jahre. Hier habe das Wasserwirtschaftsamt seine Zustimmung signalisiert (wir berichteten), wie die IG Wasser berichtet. Doch der Gemeinderat von Edling wehrt sich dagegen und möchte nur fünf Jahre eingeräumt sehen. Der Meggle-Brunnen speist sich indirekt aus dem Grundwasser der Gemeinde. Die Edlinger befürchten Engpässe bei langer Trockenheit.

IG hofft auf Petitionsausschuss

Die IG Wasser kritisiert immer wieder die genehmigte Wasserentnahmemenge in Höhe von drei Millionen Kubikmeter pro Jahr für einen Zeitraum von 20 Jahren. „Das lässt sich mit den heutigen Klimaveränderungen nicht mehr vereinbaren“, meint auch Wasserburgs Stadtwerke-Chef Marius Regler. Die Interessensgemeinschaft wird sich so leicht nicht geschlagen geben. Zum einen verweist sie auf Grundwassersparmöglichkeiten für Meggle, wie etwa durch die Entnahme von Oberflächenwasser aus dem Inn (nicht für die Produktion). Zum anderen ruhen ihre Hoffnungen auf dem Petitionsausschuss des Referats Umwelt- und Verbraucherschutz des Bayerischen Landtags. Dort soll über den Antrag entschieden werden, dass Meggle sich mit 2,3 Millionen Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr begnügen sollte.

Neues Kanalnetz für Reitmehring

Die Neustrukturierung des Kanalnetzes Reitmehring ist im Gang. Im nächsten Schritt soll 2021 das nördliche Gebiet an das neue Pumpwerk nahe der Lagerhalle der Firma Meggle angeschlossen werden. Dazu ist der Neubau einer Kanaltrasse an der Bahnhofstraße (Nähe Bahnübergang B 304) parallel der Bahngleise zum neuen Pumpwerk vorgesehen. Die Kanaltrasse wird unter der Bundesstraße im Microtunneling-Verfahren gebohrt. Eine Sperrung ist nicht erforderlich. Die Maßnahme ist mit 1,2 Millionen Euro kalkuliert. Die Fertigstellung hängt vom Planfeststellungsverfahren an der B 304 ab.

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