Harthausen – Die verdutzten Gesichter kann man sich ob dieser Antwort vorstellen. Was steckt dahinter? Ludger Bücker, Krankenpfleger in der forensischen Psychiatrie, reitet ein gar seltsames Steckenpferd: Er war mal wieder zu Fuß in Deutschland unterwegs – mit einer Waschmaschine auf der Sackkarre. 2012 ist der jetzt 52-Jährige zu seiner ersten Tour aufgebrochen, die ihn den Rhein entlang in 38 Tagen und über 1200 Kilometer vom Bodensee in den Ruhrpott führte.
Über diese Reise hat er auch schon ein Buch geschrieben. „Eine Deutschlandtour, die sich gewaschen hat“, schrieben seinerzeit die Kritiker über die ungewöhnliche Urlaubstour. Mit seiner rund 70 Kilogramm schweren, aber schweigsamen Urlaubsbegleiterin, die er nach einem Schlagertitel von Bata Ilic in abgewandelter Schreibweise „Mikaela“ nennt, war er inzwischen unter anderem schon an der Nordsee und Ostsee unterwegs. Angeregt zu seinen „Spezialwanderungen“ wurde er von den Erzählungen des englischen Schriftstellers Tony Hawks, der nach einer Wette zwei Wochen lang mit einem Kühlschrank an der irischen Küste entlang tourte.
Seine Waschmaschine, die mit Schellen an der Sackkarre befestigt ist, hat sich Ludger Bücker – wie sein Vorbild Hawks – auf einem Schrottplatz besorgt. Bei seiner diesjährigen Deutschlandtour stand die Strecke von Lindau nach Hof auf dem Programm und dabei kam er auch nach Harthausen. Auf seinen Märschen legt er täglich – ob bei Hitze, Regen oder Wind – in sieben bis acht Stunden etwa 25 bis 30 Kilometer zurück. Seine daheim in Herzfeld (Westfalen) gebliebene Freundin bucht für ihn nach telefonischer Standortdurchgabe jeweils die Übernachtung in der Nähe.
Inzwischen hat er seine „Schiebetour“ beendet und ist wieder in seine westfälische Heimat zurückgekehrt. In einem Telefongespräch bekannte er gegenüber unserer Zeitung, dass die soeben beendete Tour wegen der teils großen Höhenunterschiede und der an manchen Tagen herrschenden Hitze die körperlich bisher anstrengendste gewesen sei. „Ich hatte mit Blasen an den Füßen und mit Beinkrämpfen zu kämpfen“, berichtete er. Auf seiner 32 Tage dauernden „Sackkarren-Wanderung“ habe er circa 800 Kilometer zurückgelegt. „Inzwischen sind die Blasen verheilt und meine Füße wieder topfit“, vermeldete er.
Der „Waschmaschinen-Bummler“ hat auch schon wieder neue „Reisepläne“: „Nachdem ich in meinen ersten drei Reisen in Westdeutschland unterwegs war, wird mich mein nächster Trip nach Ostdeutschland führen“, kündigte er an. 2019 möchte er sich von Hof aus auf den Weg in die neuen Bundesländer machen, unter anderem nach Dresden, Cottbus und Frankfurt/Oder. „Wie bisher möchte ich auch dort nicht nur meine Kilometer abspulen, sondern auch die Leute kennenlernen“, betonte er abschließend. bjn